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Foto: Lukas Gansterer

Dieser Mann war 20 Jahre weg …

Wiener Staatsoper

… und hofft jetzt, dass ihn seine Frau zurückwill. Georg Nigl ist Odysseus in der Neuinszenierung der Monteverdi-Oper. Wir haben ihm 10 Fragen gestellt.

Wie charakterisieren Sie Odysseus?

Die Musik Monteverdis ist manchmal nahezu überirdisch – in ihrer Simplizität bei gleichzeitiger Komplexität. Manchmal gibt’s zwei Takte, da staune ich nur und könnte stundenlang weinen ob der Dummheit unseres Daseins: was wir doch an Schönem leisten könnten, aber so viel Leid und Zerstörung in diese unsere Welt bringen.

Was ist das Besondere an Monte­verdis Musik?

Ich bin Sänger geworden, weil ich es liebe, gemeinsam zu musizieren – mit dieser Musik ist es einfach gar nicht anders möglich. Aus zwei, drei oder gar mehr wird eins. Was gibt es Schöneres! Und das gemeinsam mit diesen Kolleg*innen an diesem Haus!

Wie sehr kann man sich als Sänger in den Monteverdi’schen Klangteppich fallen lassen? Was macht das emotional mit Ihnen?

Brahms hat gesagt, singen ist leicht, nicht singen ist schwer. Für mich ist es ein Sprechen am Rande des Gesungenen, ein Tanzen zwischen dem Nichts und dem Allen. Ich mag das.

Wie kompliziert/angenehm/schwierig ist für Sie die gesungene Rezitation?

Grundsätzlich ist jeder fantastische Klangkörper in der Oper für uns Sänger der Resonanz-, Schwingungs- und vor allem Musik- und Tanzboden.

Wie ist es für einen Sänger, wenn nicht das große Staatsopernorchester spielt, sondern der Concentus Musicus?

Je besser, desto schöner. Ich vermisse bei beiden, wenn ich mit ihnen gemeinsam musiziere, das jeweils andere Ensemble nicht.

Hat man einen Monteverdi gesungen, kann man alle singen. Stimmt das? Ist das Unsinn?

Ich würde es vielleicht so zu beschreiben versuchen: Wenn man Monteverdi singt, beginnt man zu verstehen, was alles noch möglich ist: dass singen eben nicht nur „schön singen“ ist, sondern so viel mehr. Das kann man bei Claudio, Johann Sebastian und Wolfgang Amadé am besten lernen.

Wie immer die Bogenszene umgesetzt werden wird: Freuen Sie sich auf das Massaker, das Sie unter Penelopes Freiern anrichten dürfen?

(Lacht.) Ja! Bei uns ist es ja Spiel.

Ich lese und höre oft, dass ich der Typ für die extremen Charaktere sei.

Penelope glaubt lange nicht, dass wirklich Odysseus vor ihr steht. Wie erklären Sie das lange Zweifeln?

Das Warten macht etwas mit uns Men­schen. Und Penelope wartet unbeschreib­lich lange, während er ja nicht nur schlech­te Tage erlebt. Sie können sich doch eigentlich nur fremd sein, aber die Hoffnung, dass die Liebe zueinander immer noch in ihren Herzen blüht, das ist doch schon eine wunderbare Geschichte.

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Rollen aus?

Ich lese und höre oft, dass ich der Typ für die extremen Charaktere sei. Ich persönlich mag nicht gern schubladisiert werden. Aber ja, es stimmt schon, dass mich die vielschichtigen Charaktere reizen. Die, die uns etwas über das Menschsein ver­raten – egal ob böse, lustig, klug oder dumm –, die mag ich gern spielen.

Wie erklären Sie sich das Revival und den Hype rund um Monteverdis Opern?

Es war an der Zeit, eines der größten Genies der abendländischen Musik den Platz zukommen zu lassen, der ihm gebührt. Ganz oben, neben den Besten.

Georg Nigl arbeitete mit Castellucci, Neuenfels, Castorf, Breth u. v. a. In Wien ist er nicht nur Orfeo, sondern er wird auch in der „Zauberflöte“ und in „Il ritorno d’Ulisse in patria“ singen.
Foto: Lukas Gansterer
Georg Nigl arbeitete mit Castellucci, Neuenfels, Castorf, Breth u. v. a. In Wien ist er nicht nur Orfeo, sondern er wird auch in der „Zauberflöte“ und in „Il ritorno d’Ulisse in patria“ singen.
Zur Person: Georg Nigl

war Wiener Sängerknabe; arbeitete mit Castellucci, Neuenfels, Castorf, Breth u. v. a. In Wien war und ist er Orfeo, ­Wozzeck und jetzt Odysseus.

Atha Athanasiadis
Atha Athanasiadis
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