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Anna BERNREITNER studierte Musiktheaterregie an der mdw, realisierte als Regisseurin und Produzentin zahlreiche Opernprojekte im öffentlichen Raum, inszenierte u. a. am Theater an der Wien, am Opernhaus Zürich und an der Opéra national de Lorraine in Nancy und kommt im Herbst mit „Karussell“ ins Wiener NEST.

Anna BERNREITNER studierte Musiktheaterregie an der mdw, realisierte als Regisseurin und Produzentin zahlreiche Opernprojekte im öffentlichen Raum, inszenierte u. a. am Theater an der Wien, am Opernhaus Zürich und an der Opéra national de Lorraine in Nancy und kommt im Herbst mit „Karussell“ ins Wiener NEST.
Foto: Pamela Rußmann

Szenen zweier Ehen

Kammeroper

Brandbeschleuniger Eifersucht. In den Einaktern „Lady Magnesia“ und „Zweimal Alexander“ wittern Männer Untreue und treiben ihre Frauen damit zu paradoxen Reaktionen. Anna Bernreitner inszeniert die schwarzhumorigen Opernkleinode.

Die schlechte Nachricht: Dies ist für längere Zeit die letzte Chance auf ein theatrales Liveerlebnis in der Kammeroper, schließt diese doch unmittelbar danach ihre Pforten und verabschiedet sich in eine nicht näher definierte Pause. Die gute Nachricht: Adieu gesagt wird nicht voller Rührseligkeit, sondern mit zwei hintereinander gelegten aberwitzigen Miniaturen, die sich stilistisch jedweder Einordnung entziehen. Schwarze Komödien, Kriminalstücke, Opernparodien? Wahrscheinlich alles zusammen.

Auch musikalisch setzen ihre Komponisten Mieczysław Weinberg, der „Lady Magnesia“ 1975 verfasste, und Bohuslav Martinů, dessen „Zweimal Alexander“ aus dem Jahr 1937 datiert, auf ironische Brüche und jazzige Intermezzi im klassischen Klangfluss. Als inhaltliche Basis dienen beiden eifersüchtige Ehemänner. George hat dazu tatsächlich Grund, denn seine Gattin Magnesia pflegt ein intimes Verhältnis zum Hausdiener. Sein Plan, sie zu ermorden, schlägt jedoch fehl, und am Ende muss der Nebenbuhler daran glauben. Grotesker Nebeneffekt: Die Lady kann ihre Liebe nun wieder ganz dem Angetrauten widmen – was diesem ein wenig nach Drohung klingt. Alexandre befindet sich indes noch im Stadium der bloßen Vermutung. Er inszeniert deshalb als Treuetest eine leicht zu durchschauende Verwechslungsfarce mit ihm in einer Doppelrolle, was seine Frau erst dazu bringt, von einem Seitensprung zu träumen.

Nach „Lady Magnesia/Zweimal Alexander“ ist in der
ehrwürdigen Kammeroper erst einmal Pause.
Foto: Pamela Rußmann
Nach „Lady Magnesia/Zweimal Alexander“ ist in der ehrwürdigen Kammeroper erst einmal Pause.

TREU. UNTREU. EINERLEI.

„Die Gemeinsamkeit der Stücke liegt in ihrer jeweiligen Ausgangssituation“, erklärt Anna Bernreitner im Interview. „Wir haben Ehemänner, Ehefrauen und den Betrug beziehungsweise die Eifersucht. Die Entscheidung, wie sie damit umgehen, liegt in beiden Fällen bei den Männern. Entweder man wählt den Kampf, der in eine Gewaltspirale mündet, oder geht, wie im zweiten Beispiel, einen anderen Weg, der für alle Beteiligten besser ist. Nämlich einen Weg des Experimentierens und erotischen Forschens.“

Darum geht‘s: Zwei eifersüchtige Ehemänner, die allerdings ganz unterschiedlich mit ihren Gefühlen umgehen, bilden den Ausgangspunkt der kurzweiligen Opern-Einakter „Lady Magnesia“ und „Zweimal Alexander“ von Mieczysław Weinberg und Bohuslav Martinů.
Foto: Pamela Rußmann
Darum geht‘s: Zwei eifersüchtige Ehemänner, die allerdings ganz unterschiedlich mit ihren Gefühlen umgehen, bilden den Ausgangspunkt der kurzweiligen Opern-Einakter „Lady Magnesia“ und „Zweimal Alexander“ von Mieczysław Weinberg und Bohuslav Martinů.

Aber in jedem Fall seien es zwei Stücke, die es zu inszenieren gelte. „Weinberg ist mit seiner gewaltigen Tonsprache für Sänger*innen immer sehr herausfordernd, weil er Konzentration und Genauigkeit einfordert. Er ist schwer greifbar – und es war faszinierend zu sehen, wie gut ,Lady Magnesia‘ dennoch als Drama funktioniert, sobald man der Musik eine sinnstiftende Motivation und einen plausiblen Impuls hinzufügt. Man kann Weinbergs bizarre Akzente sehr gut für Aktionen nutzen. Martinů ist spielerischer, eingängiger und macht es den Zuhörer*innen insgesamt leichter. Hierfür möchte ich Bilder kreieren, die diese musikalische Harmonie auf eine poetisch-sinnliche Art auch immer wieder brechen.“ An komödiantischen Momenten wird es jedenfalls nicht fehlen. Allein schon, wenn man daran denkt, dass der amourös entfachte Hausdiener, vergiftet von seinem Arbeitgeber, als Gegenmittel Gips aus der Wand verzehren muss. „Lady Magnesia selbst startet als Opfer, mir war es jedoch wichtig, ihr einen großen Ermächtigungsmoment zu geben. Am Ende heißt es hier: Jeder gegen jeden. Bei ,Zweimal Alexander‘ mündet es in ein freizügiges ,Alle mit allen‘.“

Anna Bernreitner in den Kulissen.
Foto: Pamela Rußmann
Anna Bernreitner in den Kulissen.

„FLEDERMAUS“ IM FREIBAD

„Mich hat erst vor Kurzem ein Kollege gefragt, woher ich kommen würde, denn er sei als Sänger über die Musik zur Regie gestoßen. Ich habe ihm geantwortet: Ich komme vom Land“, antwortet Anna Bernreitner sichtlich amüsiert auf die Frage, ob sie einem künstlerischen Umfeld entstamme.

„Mein Studienkollege Nikolaus Habjan saß schon mit vier Jahren regelmäßig in der Oper. So war es bei mir nicht. Das Landleben und die Oper schließen einander zwar nicht aus, es ist aber geografisch etwas schwieriger. Ich habe den Zugang zur Oper erst während meines Studiums gefunden, als ich hospitiert habe.“ Später arbeitete sie als Regieassistentin für Kapazunder wie Barrie Kosky oder Claus Guth, inszenierte am Theater an der Wien mit Erfolg die Kinderstücke „Wir befreien Eurydike“ sowie „Papagena jagt die Fledermaus“ und gründete 2011 gemeinsam mit Künstlerkolleg*innen die Gruppe OPER RUND UM, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Musiktheater an ungewöhnlichen Orten aufzuführen.

Foto: Pamela Rußmann

„Ich wollte Oper auch zu mir nach Hause ins Mostviertel bringen, weil es auch dort kulturbegeisterte Menschen gibt. Und die muss man abholen und ihnen erst einmal die Möglichkeit geben, sich für Oper zu begeistern. Ich habe zum Beispiel ,Die Fledermaus‘ im Freibad inszeniert. Oder in St. Gallen auf einer Freiluftbühne in den Schweizer Alpen. Bei diesen Projekten geht es mir immer darum, die Menschen für Oper zu begeistern“, so Anna Bernreitner. Kunst im öffentlichen Raum ist ihr sehr wichtig. Letztes Jahr ging sie im Rahmen des Strauss-Jubiläumsjahrs mit der turbulenten Komödie „Indigo“ auf eine Reise quer durch Wien. Gespielt wurde vornehmlich auf Plätzen und in Parks. „Im Herbst 2025 habe ich in Frankreich eine Jacques-Offenbach-Show für ein Karussell erschaffen. Diese Coproduktion kommt im September 2026 auch ins NEST.“

Das Bühnenbild
und die Kostüme stammen von Manfred Rainer und Hannah Öllinger.
Foto: Pamela Rußmann
Das Bühnenbild und die Kostüme stammen von Manfred Rainer und Hannah Öllinger.

Die Ansprüche an sie selbst seien immer gleich hoch – egal, ob sie in einem Park Regie führe oder am Opernhaus Zürich, wo Ende 2025 ihre Inszenierung von „Die Fledermaus“ Premiere hatte. „Im öffentlichen Raum muss man nur besser aufpassen, was auf der Bühne gesagt wird, denn da sitzen auch Fünfjährige daneben in der Sandkiste, die noch nicht abstrahieren können. Und man sollte die Sänger*innen auf alle Eventualitäten vorbereiten. Diese Flexibilität und Lebendigkeit, die im öffentlichen Raum erforderlich ist, nehme ich für meine Arbeiten auf der Opernbühne mit. Hier reizt es mich, sowohl die Sänger*innen als auch das Publikum mit meinen Ideen zu fordern.“

Anna Bernreitner hat bisher noch kein reines Sprechtheaterstück inszeniert. „Ich hätte schon Lust darauf, es müsste aber inhaltlich und örtlich für mich passen, denn beim ersten Mal würde ich mich gerne in einem geschützten Rahmen austoben können.“

Foto: Pamela Rußmann

Was kann Musik, was Text nicht kann? „Sie gibt uns sofort einen Soundtrack fürs Herz. Das ist ein großer Bonus. Ich weine zum Beispiel immer am Schluss von ,La Bohème‘, obwohl ich natürlich weiß, wie es ausgeht. Manchmal braucht man das einfach.“ Gern auch öfter.

Hier geht es zu den Spielterminen von Lady Magnesia / Zweimal Alexander in der Kammeroper!

Fleischmarkt 24
1010 Wien
Österreich

Erschienen in
Bühne 06/2026

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Klaus Peter Vollmann
Klaus Peter Vollmann
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