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Ganz oben in Wasserturm im zehnten Bezirk.

Ganz oben in Wasserturm im zehnten Bezirk.
Foto: Michael Gizicki

Was? Wasser! Wasser ist nass!

Freie Theaterszene

Die neue Arbeit des Kollektivs Spitzwegerich tröpfelt nicht dahin, es zieht die Zuschauer*innen in einen Gedankenstrom, der ebenso tiefgründig wie humorvoll ist. Als dritter Teil der Trilogie des Liquiden ist „Fluide III: Wasser: Hals um große Steine“ im Rahmen der Musiktheatertage 2026 im Wasserturm zu sehen.

Alles ist löchrig und die Haut ein Sieb, heißt es in „Fluide III: Wasser: Hals um große Steine“ des Kollektivs Spitzwegerich. Das gilt im Falle der transdisziplinär arbeitenden Gruppe auch für sämtliche Genregrenzen. Text, Choreografie, Objekttheater, bildende Kunst und Musik verbinden sich zu einer künstlerischen Arbeit für alle Sinne. Passend zum Thema des Abends könnte man auch sagen: Grenzen verschwimmen oder werden aufgeweicht. „Fluide III: Wasser: Hals um große Steine“ bildet nach „Rotz“ und „Blut“ den Abschluss der Trilogie des Liquiden und findet im Wasserturm im zehnten Bezirk statt.

Im Laufe des Abends folgt man dem Gedankenstrom des Kollektivs (Text: Gundi Feyrer) stromaufwärts bis ans oberste Ende des Turms – zum alten Wasserbecken. Dabei begegnet man hängenden Objekten, Fadenmarionetten und teilweise aufeinander getürmten Kaffeehäferln aus Emaille und Keramik. Auch innen und außen verschwimmen, denn als Zuschauer*in wird man zwar sukzessive in die Inszenierung hineingezogen, wer möchte, kann jedoch auch in der Nähe des Beckenrands bleiben. Im Nichtschwimmerbereich, sozusagen.

Das Eintauchen in die von Spitzwegerich erdachte Welt ist nicht nur eine visuelle Angelegenheit, sondern auch eine klangliche. Nicholas Morrish hat eine Soundlandschaft komponiert, die einen Schritt für Schritt bis ganz nach oben begleitet. Auf ebenso tiefgründige wie humorvolle Weise ist parallel dazu immer wieder vom Wasser in seinen unterschiedlichsten Spielarten und Aggregatzuständen die Rede. „Was? Wasser! Wasser ist nass!“, heißt es unter anderem beinahe stakkatoartig.

Einige der hängenden Objekte, die im Wasserturm zu sehen sind.
Foto: Michael Gizicki
Einige der hängenden Objekte, die im Wasserturm zu sehen sind.

Das Flüssige festhalten

„Wir versuchen uns im Unmöglichen: das Flüssige festzuhalten, Momente einzufrieren und Liquidem eine feste Form zu geben. Wir ordnen Körpersäften Themen zu, machen kleinste Partikel zu einer Welt und geben ihnen eine Bühne. Wir stülpen das Innere nach außen und gehen dabei vom Konkreten ins Abstrakte; vom Körper ins Verlassen desselben“, so das Kollektiv. Eine klassische Regieposition gibt es bei Spitzwegerich nicht. Die Arbeit miteinander ist daher von großem Vertrauen geprägt. Und von einem besonderen Umgang mit Figuren, wie die dem Kollektiv eng verbundene Künstlerin Rebekah Wild in einem früheren BÜHNE-Interview betonte. „Figuren und Objekte nie Ersatz für einen Menschen, sondern immer Performer, die zu mehr als sie selbst fähig sind“. „Wir versuchen, die Figurenspieler*innen nicht zu verstecken, sie sind ebenfalls Teil der Geschichte. Das schließt jedoch keinesfalls aus, dass Momente entstehen, in denen das Publikum den Eindruck hat, dass die Figuren leben.“

Der Wasserturm ist schon lange nicht mehr als Wasserspeicher in Betrieb. Bevor er 1910 teilweise und 1960 endgültig stillgelegt wurde, diente er ab 1898 der Wasserversorgung der stark wachsenden Metropole.

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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