NESTROY 2026 – die Nominierungen: Beste Regie
Wer holt sich den NESTROY für die beste Regie? Nominiert sind: das Kollektiv DARUM, Felicitas Brucker und Jette Steckel.
Jette Steckel für „Der Menschenfeind“ von Molière, Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Thalia Theater Hamburg.
Molières „Menschenfeind“ ist eine brave Komödie mit kammerspielartigen Dialogen in Reimen. Bei Jette Steckel wirkt sie regelrecht frisch. Denn das Triptychon, in das die Regisseurin ihre Vorlage gießt, holt mit allen Mitteln der Kunst Fragen nach Ehrlichkeit und Etikette in die Gegenwart. Auf ein Rapkonzert, das die Themen des Stücks weiterdenkt, folgt ein skurriles Werk der Medienkunst mit Lasershow und Emojis. In Teil III schließlich erlebt das Publikum, von diesen überraschenden Eindrücken geprägt, das, wofür es ursprünglich erschien: das Stück unter präzisester Schauspielführung und mit bemerkenswerter Sinnlichkeit. Von gegenüberliegenden Seiten das Bühnenbild einsehend, hat es sich auch immer selbst im Blick. Besser lässt sich der Moralsuche Molières kaum gerecht werden. – Martin Thomas Pesl
DARUM (Victoria Halper & Kai Krösche) für „Auflösung. Ein (virtueller) Kontrollverlust“, Mixed-Reality-Performance von DARUM, Uraufführung, in Koproduktion mit brut Wien und asphalt Festival Düsseldorf.
In „Auflösung“ beweist das Regieduo Victoria Halper und Kai Krösche (DARUM) nach der höchst erfolgreichen und mit einem NESTROY-Spezialpreis ausgezeichneten Produktion „[EOL]“ erneut seine Ausnahmestellung im zeitgenössischen, immersiven Theater. Im Zentrum von „Auslöschung“ steht die Frage nach der Zukunft des Alterns: Was passiert, wenn einen vertraute Strukturen im Stich lassen und bekannte Wege nicht mehr existieren? Gebannt verfolgt man – ausgestattet mit einer VR-Brille – einen dystopischen Parcours durch ein virtuell generiertes Altersheim, in dem sich die Perspektiven unablässig verschieben und die Bewohner*innen schließlich auf virtuelle Reisen geschickt werden. Dem Duo ist mit „Auflösung“ erneut ein beeindruckendes VR-Stück gelungen, das in seiner technischen Ausgereiftheit überrascht und verdeutlicht, wie rasch sich die Technologie entwickelt – und was damit möglich ist. – Sonja Harter
Felicitas Brucker für „Caché“ nach dem Film von Michael Haneke, Uraufführung, Volkstheater.
Warum aus einem bereits existierenden Meisterwerk ein zweites machen? Weil es geht! Zumindest dann, wenn Felicitas Brucker Hand anlegt. Die Regisseurin aus Stuttgart, wohnhaft in Paris, nahm das nicht unbeträchtliche Risiko auf sich, Michael Hanekes Thriller „Caché“ auf die Bühne zu transferieren. Am Volkstheater ist es ihr mustergültig gelungen, diesen durchwegs rätselhaften Film, der von einer mit anonymen Videoaufzeichnungen bedrohten bourgeoisen Pariser Familie erzählt, in ein hoch konzentriertes, vielschichtiges Kammerspiel zu verwandeln. Brucker findet dafür David-Lynch-hafte Erzählweisen: im Bühnenbild, im Sound Design, im Performativen, ohne den Film im Geringsten zu kopieren. So weit, dass auf einmal die französische Kolonialgeschichte die Zimmerwände durchdringt. Spitze gemacht! – Margarete Affenzeller