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Nina Siewert in „Isidor“ von Shelly Kupferberg.

Nina Siewert in „Isidor“ von Shelly Kupferberg.
Foto: Tommy Hetzel

NESTROY 2026 – die Nominierungen: Bestes Schauspiel in einer Nebenrolle

Nestroy-Theaterpreis

In der Kategorie bestes Schauspiel in einer Nebenrolle sind in diesem Jahr fünf Schauspieler*innen nominiert.

Nina Siewert als Ilona in „Isidor“ nach Shelly Kupferberg von Caroline Bruckner und Philipp Stölzl, Uraufführung, Burgtheater/Akademietheater.

Das eigentliche Herz dieser Inszenierung ist Isidors Beziehung mit einer Operettendiva. Wie Nina Siewert mit ungarischem Akzent diesen Verschnitt aus Marika Rökk und Zarah Leander spielt, ist unglaublich komisch – und trotzdem gewinnt sie ihrer Figur jederzeit Würde ab. Zwei Aufsteigertypen prallen da aufeinander, zwei starke Egos ringen miteinander. Siewert bekommt viel Raum, um aus voller Kehle falsch zu singen, was sie bravourös meistert. Beeindruckend, wie sie sich dabei das Rampenlicht erobert, völlig ernst und doch extrem camp: A Star is born. Man muss nicht singen können, wenn man das gewisse Etwas hat. Siewert versteht es, eine verletzliche Diva zu spielen, die hoch hinaus möchte – und tatsächlich in Hollywood landet. – Karin Cerny

Foto: Lex Karelly

Otiti Engelhardt als Stella in „Wir töten Stella“ nach Marlen Haushofer, Schauspielhaus Graz.

„Wir passen auf sie auf.“ Das betont die Familie, die sich für ein Jahr um die junge Stella kümmern soll. Was für ein Irrtum! Regisseur Jakab Tarnóczi hat Marlen Haushofers Novelle „Wir töten Stella“ mit ihrem unvermeidbaren Ausgang im Schauspielhaus Graz als beklemmende Analyse über patriarchale Macht arrangiert. Otiti Engelhardt als Stella braucht nicht viel Text, um sich im famosen Ensemble ins Zentrum zu spielen. Jede ihrer Bewegungen kehrt die Gefühlszustände ihrer Figur mit seismografischem Gespür nach außen: Zunächst mimt ihr Körperspiel verhalten die Scheue, dann entdeckt sie ihren Sexappeal. Später wird sie zur Gedemütigten; verführt vom Familienvater, ausgenutzt, zum Schwangerschaftsabbruch genötigt. Ihr Begehren, ihre Wut, ihre Erniedrigung und die finale Befreiung – all das hat sich Engelhardt virtuos einverleibt. – Julia Schafferhofer

Foto: Tommy Hetzel

Sabine Haupt in „Der irrende Planet“ mit Texten von Robert Walser, Burgtheater/Akademietheater.

Sabine Haupt ist ja schon seit der Spielzeit 1999/2000 Ensemblemitglied am Burgtheater. In der vorigen Saison stach sie aber besonders durch ihre Interpretation des Texts „Die Wurst“ von Robert Walser an dem unterhaltsamen Abend „Der irrende Planet“ (Regie: Barbara Frey) ins Auge. Auf dunkler Bühne, bloß Sabine Haupt im Scheinwerferlicht, lamentiert sie da über, genau, ein Würstel! Wie köstlich und tragisch zugleich die Verspeisung einer Wurst, gerade erst aus dem Schrank – Kleiderschrank, nicht etwa Speiseschrank! – entnommen und in wenigen Minuten verzehrt, sein kann, macht uns Sabine Haupt nur allzu deutlich. Delikat ihre Interpretation – und so wird wohl auch die Wurst gewesen sein. Selbst Vegetariern wird in diesen Minuten das Wasser im Mund zusammengelaufen sein. Na, Mahlzeit! – Martin Lhotzky

Foto: Luiza Puiu

Caroline Baas als Mascha in „Die Möwe“ von Anton Tschechow, Landestheater Niederösterreich.

In Max Lindemanns Inszenierung der Tschechow’schen „Möwe“ ist der begnadeten Komikerin Caroline Baas als Mascha eine der herzzerreißendsten Rollen der Theatergeschichte zugeteilt. Die Tochter des Gutsverwalters muss sich ganz pragmatisch der Tatsache stellen, dass sie den jungen Kostja liebt, der aber nur Augen für die angehende Schauspielerin Nina hat. Mit Fleiß und Fingerfertigkeit baut sie anfangs jene Bühne auf, die die Rivalin betreten wird. Selbst, als sie ihr Unglück in Wodka ertränkt, macht sie keine großen Szenen. Wie Caroline Baas mit ihrer Figur eben nicht das Rampenlicht sucht, während an ihren Augen und ihrer Körperhaltung abzulesen ist, wie ehrlich und tieftraurig es in ihr brodelt, das ist subtile, berührende Schauspielkunst. – Martin Thomas Pesl

Foto: Tommy Hetzel

Bibiana Beglau als „Hitzkopf“ Henry Percy in „Sankt Falstaff“ von Ewald Palmetshofer, österreichische Erstaufführung, Burgtheater.

Der autoritäre „Quasi-König“ Heinz hat sich ins Zentrum der Macht katapultiert und auch schon einen Schlachtplan zur Machtübergabe ausgeheckt: Nicht sein
Hallodri-Sohn soll nach ihm regieren, sondern „Hitzkopf“ Henry Percy, grandios gespielt von Bibiana Beglau. Wie sie diesen ein wenig begriffsstutzigen, machthungrigen Jungpolitiker performt, ist großes Kino. Ungelenk trippelt und zappelt ihr König in spe durch eine korrupte Welt, überzeugt davon, unbesiegbar zu sein. Schnoddrig stellt er fest: „Immer diese Schwurbelscheiße, könnt ihr nicht normal?“ Grotesk in seinem Machtgehabe ist dieser Emporkömmling und dennoch gelingt es Bibiana Beglau, den Möchtegernherrscher nicht der Lächerlichkeit preiszugeben – viel mehr bekommt man Mitleid mit dieser Schachfigur im Ränkespiel der Mächtigen. – Susanna Schwarzer

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