Sunnyi Melles: Ein Gespräch am Wiener Hauptbahnhof
Auf SIE treffen all die großen Worte des Schauspiels zu: Diva, Ikone, Publikumsliebling. Preisgekrönt. Bejubelt. Kult. Sie ist lebensweise, auf dem Punkt und unglaublich lustig. Wegen ihr geht man ins Theater, ins Kino. Jetzt bekommt Sunnyi Melles den NESTROY für ihr Lebenswerk. Ein Gespräch über das, was ihr wichtig ist.
Der alte griechische Philosoph Heraklit muss an Sunnyi Melles gedacht haben, als er sagte: „Wenn man das Unerwartete nicht erwartet, wird man es nicht erkennen, wenn es eintrifft.“ Also sprach die Melles am Telefon: „Kennen Sie den Wiener Hauptbahnhof? Da ist auf der einen Seite diese Bäckerei, auf der anderen dieses Café. Dort treffen wir uns. Wenn es zu laut wird für das Aufnahmegerät, dann gehen wir weiter zu dem Coffeeshop …“
Mit leichter Verwirrung fragt man nach: „Frau Melles, Sie wollen sich wirklich am Hauptbahnhof treffen?“ Fröhliches Lachen am anderen Ende: „Ich liebe Bahnhöfe. Wäre ein Flughafen in der Nähe, dann würde ich mich dort mit Ihnen treffen und zu einem Interview abheben!“ Am nächsten Tag ist man also am Wiener Hauptbahnhof. Noch immer leicht ungläubig. Unsicher. Wird Sunnyi Melles, diese großartige Schauspielerin, diese Kultdarstellerin, diese hemmungslos zärtliche Komikerin wirklich hier am Bahnhof das Interview zu ihrem NESTROY-Lebenswerk geben? Man irrt also herum, das Handy in der Hand. Schaut in das von ihre beschriebene Café – und tatsächlich: Zwischen iPad, Computer, Handy, Handtasche und kleinem Trolley sitzt eines der bekanntesten Bühnen- und Filmgesichter Europas. Diese Frau ist ein Theaterkind: Binnen Sekundenbruchteilen scannt sie das Gegenüber. Befindet es offenbar für gut, und schon lacht man gemeinsam.
Sunnyi Melles ist eine Frau, die sich nicht gerne in Schubladen stecken lässt. Sie denkt schnell, spricht leidenschaftlich, liebt Wortspiele und hinterfragt mit Vergnügen so ziemlich alles, was andere für selbstverständlich halten. Warum sollte man essen, wenn man keinen Hunger hat? Warum schlafen, wenn man nicht müde ist? Und warum sollte früher eigentlich alles besser gewesen sein? Sie ist in einer Welt aufgewachsen, in der Theater und Musik zu ihrem Alltag gehörten, in der sie zwischen Proben und Aufführungen einschlief und in der selbst die schwierigsten Lebensgeschichten mit Humor erzählt wurden. Ihre Mutter floh 1956 beim Aufstand aus Ungarn, die Familie verlor alles und ihre Heimat. Mutter, Bruder, die Melles lebten auf sich allein gestellt fünfzehn Jahre lang ohne Pass. Geblieben sind ihr eine tiefe Liebe zur Familie und zur Kunst, ein unbedingter Freiheitswille und die Überzeugung, dass das gesprochene Wort eine ungeheure Macht besitzt.
Ein Gespräch über das Leben auf und hinter der Bühne, über Musik, Erinnerungen, das Älterwerden und eine Schauspielerin, die am liebsten im Lärm schläft und im Mondlicht Auto fährt.
Frau Melles, Sie sind zwischen Schauspielern, Musikern, Garderoben und Bühnen aufgewachsen. War Ihnen überhaupt bewusst, dass andere Kinder ganz anders leben?
Nein, natürlich nicht. Für mich war das völlig normal . Das Theater war meine Welt, mein Zuhause. Meine Mutter war Schauspielerin, mein Vater Dirigent, und ich bin mit dieser ganzen Atmosphäre aufgewachsen. Mit den Menschen, den Stimmen, der Musik, den Proben. Ich kannte es gar nicht anders. Meine Mama war alles für mich.
Ihre Mutter Ila Lóth war schon eine berühmte Stummfilmschauspielerin.
Eigentlich hätte meine Mama in Budapest am Nationaltheater spielen sollen. Aber dann kam die politische Situation dazwischen. Sie merkte, dass sie in diesem Land nicht mehr das sagen konnte, was sie dachte. Und das war für sie unerträglich.
Sie hat sich also entschieden, ihre Heimat zu verlassen, weil sie nicht bereit war, sich anzupassen?
Ja. Sie wollte nicht in einem Land leben, in dem sie ihre Meinung nicht frei äußern konnte. Stellen Sie sich das einmal vor! Sie hatte ohnehin schon alles verloren, und dann musste sie auch noch ihre Familie zurücklassen. Mutter, Vater, Bruder, Freunde, ihre ganze Vergangenheit. Ich habe als Kind immer wieder darum gebeten, dass sie mir von ihrer Flucht erzählt. Besonders sonntags beim Frühstück. Ich habe gesagt: „Mami, erzähl! Wie bist du geflohen? Wie ist Vati geflohen?“ Und sie hat erzählt. Von der Flucht durch den Wald, von den Schwierigkeiten, von der Angst. Davon, dass man nicht offen sprechen durfte, weil man desavouiert und abgehört wurde. Dieser Mut hat mich unglaublich beeindruckt und für mein Leben geprägt!
Gestern war gestern. Heute ist heute. Man muss neugierig bleiben. Wie ein Kind. Ein Kind sagt auch nicht: Ach, gestern war alles viel schöner. Es möchte wissen, was heute passiert.
Sunnyi Melles
Sunnyi Melles
Das sind für ein Kind ja sehr ernste Geschichten. Hat Sie das nicht belastet?
Wissen Sie, wir haben auch immer viel gelacht! Das ist das Interessante. Wir hatten kein Geld. Waren fünfzehn Jahre lang Staatenlose, hatten keinen Pass. Das war alles andere als einfach.
Die Musik hat Sie trotzdem nie losgelassen.
Deshalb bin ich so gerne eine Schauspielerin! Musik, eine Partitur, die verschiedenen Instrumente, sind wie ein Shakespearestück oder das fantastische Drehbuch von Ruben Östlund.
Inwiefern? Eine Schauspielerin muss ja nicht unbedingt musikalisch sein.
Oh doch! Ich glaube, meine Musikalität hilft für meine Intuition und auch für mein Handwerk als Schauspielerin – auf der Bühne wie im Film! Wissen Sie, Tänzer und Tänzerinnen kontrollieren ihre Haltung und Bewegung vor einem Spiegel. Und ich als Schauspielerin möchte mir und dem Zuschauer einen Spiegel vorhalten. Ein Musiker hört sein Instrument. Aber ich als Schauspielerin? Ich bin mein eigenes Instrument. Ich will mich hören, hören, wie ein Satz klingt. Ich muss den Rhythmus einer Sprache spüren, fühlen, doch das Wichtigste: ich muss ihn denken. Auch innehalten, hören und verstehen, was mein Gegenüber fühlt und denkt. Wenn jemand einen Ton spielt, und es ist ein C statt eines Cis, dann höre ich das auch. Wie sagte Ludwig van Beethoven: Eine falsche Note zu spielen, ist unwichtig. Aber ohne Leidenschaft zu spielen, ist unverzeihlich … Die Kunst ist eigensinnig! Aber meine Mutter hat mir nie vermittelt, dass wir deshalb unglücklich sein müssten. Im Gegenteil. Sie hat mir beigebracht, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, mich anzustrengen und vor allem nie opportunistisch zu sein. Heute sagen oft noch Menschen zu mir: „Du wirkst so verwöhnt.“ Ich frage mich immer: „Warum denken sie so?“ Wir hatten doch überhaupt nichts! Doch was sie als Verwöhntheit wahrgenommen haben, war etwas ganz anderes: Es sind die Werte, die meine Mama mir mitgegeben hat. Die Freiheit des Denkens!
Was war der wichtigste Satz, den Ihre Mutter Ihnen mit auf den Weg gegeben hat?
„Sag immer, was Du denkst … verhalte Dich niemals opportunistisch.“ Das hat sie mir immer wieder gesagt. Und wissen Sie, ich denke bis heute darüber nach. Verhalte ich mich nun diplomatisch oder opportunistisch? Das ist ja manchmal gar nicht so einfach zu unterscheiden. Meistens entscheidet meine innere Stimme für mich; das zu sagen, was ich wirklich denke. Das verdanke ich meiner Mutter! Sie hat auf diese Weise überlebt. Auch mit Humor, mit Haltung und mit einem unglaublichen Mut.
Ihr Vater war Dirigent. Sie sind also nicht nur mit dem Theater, sondern auch mit Musik aufgewachsen. War das eine glückliche Verbindung?
Es war, seit ich denken kann, auch eine sehr musikalische Verbindung zwischen meinen Eltern! (lacht) Denn meine Mutter spielte nicht nur Cello, sondern auch sehr gut Klavier, besonders Jazz, was ich liebte. So auch mein Vater, denn er soll ihr verliebt gesagt haben: „Wer so ein Rhythmusgefühl hat wie Du … den muss ich heiraten!“ Ist das nicht wun- derbar? Ich bin in Luxemburg auf die Welt gekommen, Vati war Chefdirigent bei Radio Luxembourg. Als ich zwei Jahre alt war, gingen meine Eltern getrennte Wege. Ich habe meinen Vater so oft nur von hinten aus dem Zuschauerraum gesehen! (lacht) Als Dirigent. Vielleicht kommt daher auch meine große Affinität zu Dirigenten.
Sie haben selbst Geige gespielt. Warum sind Sie nicht Musikerin geworden?
Ach, die Geige! (lacht) Mein Vater spielte Geige, und natürlich habe ich auch damit begonnen. „Spiel‘ zuerst Geige, Du musst dann den reinen Ton erst finden“, sagte mein Papa. Beim Klavier drücke ich eine Taste, und ich habe das A. Aber das absolute Gehör habe ich von beiden geerbt.
Ich möchte neugierig bleiben. Auf Menschen, auf Geschichten.
Sunnyi Melles
Sunnyi Melles
Sie hören also auch beim Sprechen gewissermaßen Musik?
Ja, natürlich! Sprache ist unglaublich musikalisch. Jede Sprache hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Melodie. Und ich liebe alle Sprachen. Aber für mich ist das Wichtigste nicht nur, WIE man etwas sagt, sondern WAS man sagt. Das Wort hat eine ungeheure Macht. Musik kann Erinnerungen auslösen, Gefühle hervorrufen, uns unmittelbar berühren. Aber Sprache kann auch Gedanken ganz bewusst formen. Wenn Sie einem Menschen wirklich zuhören, dann nehmen Sie nicht nur seine Stimme wahr. Sie hören, was er denkt, was er fühlt, was er Ihnen sagen möchte. Deshalb ist Kommunikation für alle Menschen so wichtig.
Das klingt, als wären Sie eine Schauspielerin, die sehr genau auf jedes Detail achtet. Ist es dann schwierig für einen Regisseur, mit Ihnen zu arbeiten?
Nein! Ich bin glücklich und dankbar, mit so tollen Regisseur*innen und Choreographen intensivst gearbeitet zu haben und weiter zu arbeiten – wie Dieter Dorn, Dani Levi, Pierre Audi, David Hadda, Amir Hosseinpour, Ruben Östlund und all den anderen … Wenn mich jemand kritisiert, mich fordert und, ganz wichtig, auch beschützt.
Wirklich?
Wirklich! Ich möchte ja besser werden. Ich möchte verstehen und über mich hinauswachsen. Das hat was mit Arbeit zu tun! Es gelingt oder misslingt. Auch Versagen und Misserfolge zu ernten. Dadurch werde ich eine bessere Schauspielerin, und das gilt auch im Leben … ein besserer Mensch zu werden!
Sie haben einmal gesagt, dass alle Theater hinter der Bühne auf eine ganz bestimmte Weise riechen. Ich finde das faszinierend, weil ich diesen Geruch ebenfalls liebe. Was ist das eigentlich für ein Geruch?
Ah! Ich weiß ganz genau, was Sie meinen! Das ist etwas sehr Besonderes. Und ich glaube, es hat ganz viel mit meiner Kindheit zu tun. Ich war ja schon als kleines Mädchen ständig im Theater. Während andere Kinder vielleicht nach Hause gegangen sind, um dort zu Mittag zu essen, bin ich schnurstracks in die Garderobe meiner Mutter gegangen, es roch nach Puder, habe dort geschlafen oder sie auf der Bühne gehört durch die Mithör-Anlage! Oder ich saß irgendwo im Dunkeln des Zuschauerraums und habe zugeschaut. Und ich habe es geliebt. Ich erinnere mich, dass Hans Hollmann einmal zu meiner Mutter gesagt hat, ihre Tochter säße doch bestimmt wieder irgendwo da unten. Und dann durfte ich zum ersten Mal auf die Bühne. Da war ich zehn Jahre alt. Ich stand auf der Bühne mit meiner Mutter im Stück „Die Dame vom Maxim“ von Feydeau. Ich rieche das Holz des Bühnenbodens, den Staub, die Patina, auch die Instrumente. Wissen Sie, wie eine Geige riecht? Auch ein Orchestergraben hat einen ganz bestimmten Geruch. Das ist ein Universum. Diese Geräuschekulisse hinter der Bühne, die Bühnenarbeiter, Techniker, die Menschen, wir arbeiten alle für das Publikum! Damit die Illusion am Abend auf der Bühne funktioniert. Das ist eine ganz tiefsitzende Erinnerung.
Sie können angeblich innerhalb weniger Minuten einschlafen. Und zwar überall. Stimmt das wirklich?
Oh ja! (lacht) Ich kann mich hier hinsetzen und innerhalb von drei oder vier Minuten tief schlafen. Und bei mir kann es laut sein. Ich schlafe am besten, wenn viele Menschen um mich herum sind. Auch während einer Vor-
stellung im Zuschauerraum, dann höre ich meine Kinder flüstern: Mama, Du schläfst schon wieder, oder spüre sanft deren Ellbogen. Vielleicht liegt es daran, dass ich oft im Theater geschlafen habe. Oder auch heute kurz vor der Vorstellung in der Garderobe einen kurzen Powernap machen muss! Ich finde es auch ganz merkwürdig, wenn man Kindern sagt: „Jetzt ist es acht Uhr, jetzt musst Du schlafen!“ Warum denn, wenn das Kind nicht müde ist? Ich habe immer versucht, auf meinen eigenen Rhythmus zu hören. Wenn ich müde bin, schlafe ich. Wenn ich wach bin, bin ich wach. So einfach ist das. Ich wache fast immer um fünf Uhr morgens auf, ohne je einen Wecker zu stellen. Und wenn ich später müde werde, schlafe ich eben wieder. Ich finde, man muss nicht alles in ein starres Ablaufsystem pressen.
Wir müssen jetzt endlich über Ihren NESTROY-Lebenswerk-Preis reden ...
Im Englischen klingt das Wort logischer: Theater Award NESTROY for Lifetime Achievement. So hat jede Sprache ihre Stärken und Schwächen: Im Deutschen sagt man zum Beispiel, man muss etwas „auswendig lernen“. Im Englischen heißt es „learning by heart“. Das klingt richtig! Man lernt etwas mit dem Herzen.
Sie lenken ab. Keine Lust aufs Bilanzziehen? Aufs Zurückschauen?
Warum sollte ich Bilanz ziehen? Ich lebe doch noch! (lacht) Nein, im Ernst. Ich verstehe natürlich, was damit gemeint ist. Aber ich möchte nicht das Gefühl haben, dass etwas abgeschlossen ist. Mein Leben geht weiter. Meine Arbeit geht weiter. Ich bin neugierig auf das, was noch kommt.
Sie schauen also lieber nach vorne als zurück?
Ich würde einen Unterschied machen zwischen Zurückschauen und Zurückdenken. Natürlich denke ich an meine Mutter. Ich denke an Menschen, die ich geliebt habe, an Menschen, die mich enttäuscht haben, an Begegnungen, die wichtig waren. Das gehört zu meinem Leben. Aber ich möchte nicht in der Vergangenheit leben. Diese Erinnerungen sollen mir Kraft geben, nach vorne zu schauen.
Es gibt Menschen, die mit zunehmendem Alter immer häufiger sagen: Früher war alles besser.
Warum soll früher alles besser gewesen sein? Natürlich war es schön, als meine Mutter noch lebte. Natürlich gibt es Dinge, die ich vermisse. Aber das bedeutet doch nicht, dass die Gegenwart schlechter ist. Gestern war gestern. Heute ist heute. So einfach ist das eigentlich. Ich finde, man muss neugierig bleiben. Wie ein Kind. Ein Kind steht doch auch nicht morgens auf und sagt: Ach, gestern war alles viel schöner. Es möchte wissen, was heute passiert.
Was ganz anderes: Warum sind derzeit so viele Menschen so wütend?
Dazu fällt mir ein Satz meiner Mutter ein. Sie hat immer gesagt: „Hass ist das schlimmste Wort. Hasse niemanden.“ Das habe ich nie vergessen. Wissen Sie: Streiten ist etwas völlig anderes als hassen. Ich liebe dieses Wortspiel: Wir setzen uns zusammen, um uns auseinanderzusetzen. Ist das nicht schön? Genau darum geht es doch. Wir müssen miteinander sprechen können, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Wir müssen uns auseinandersetzen, ohne einander zu hassen.
Warum fällt uns das Ihrer Meinung nach zunehmend schwer?
Ich glaube, Hass hat sehr viel mit dem Verhältnis zu sich selbst zu tun. Wenn ein Mensch sich selbst hasst, dann richtet sich dieser Hass oft auch gegen andere. Gegen Menschen, gegen die Gesellschaft, gegen die ganze Welt. Das kann unglaublich gefährlich werden. Und deshalb finde ich es so wichtig, dass wir nicht aufhören, miteinander zu sprechen. Nehmen wir doch als Beispiel die Künstliche Intelligenz. Der Mensch kann unglaubliche Dinge entwickeln. Aber er kann mit seinen Erfindungen auch zerstören. Unsere eigene Intelligenz kann für uns gefährlich werden, wenn wir nicht verantwortungsvoll damit umgehen. Früher haben die Menschen vor ganz anderen Dingen Angst gehabt. Vor neuen Maschinen, vor der Eisenbahn, vor Naturerscheinungen, die sie nicht erklären konnten. Mein Leitsatz ist von George Tabori: „Es war einmal … nein … es IST einmal.“
Bei aller Kritik an der Gegenwart haben Sie also einen grundsätzlich optimistischen Blick auf das Leben?
Ich finde, wir sollten uns viel öfter bewusst machen, wie privilegiert wir leben. Wir leben in einer Demokratie! Können unsere Meinung sagen. Wir haben warmes Wasser. Wir haben medizinische Versorgung, von der andere auf der Welt nur träumen können. Natürlich gibt es Kriege, Ungerechtigkeit und schreckliche Dinge auf der Welt. Aber wenn ich an meine Mutter denke, an meine Großmutter, an das, was diese Generationen erlebt haben, dann wünsche ich mir, dass die Menschen an Frieden glauben und dafür einstehen. Es geht uns in vielerlei Hinsicht wirklich gut. Und wir sollten nicht vergessen, das zu schätzen.
Ist Dankbarkeit für Sie also auch eine Form von Lebenskunst?
Absolut. Aber ich glaube, es geht vor allem darum, bewusst zu leben. Nicht alles für selbstverständlich zu halten. Nicht ständig darüber nachzudenken, was früher besser war. Und nicht aufzuhören, Fragen zu stellen.
Gibt es etwas, das Sie in Ihrem Beruf noch überraschen kann?
Ja, dass meine Träume wahr werden. Aber darüber spreche ich nicht gerne, sonst gehen sie nicht in Erfüllung.