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"Es existiert ein Hass, der nicht zu kippen ist und alles kaputt macht." - Stefan Pucher, Regisseur

"Es existiert ein Hass, der nicht zu kippen ist und alles kaputt macht." - Stefan Pucher, Regisseur
Foto: Pamela Rußmann

Romeo & Julia Backstage

Theater in der Josefstadt

In einer Halle draußen in Aspern ist die Probebühne der Josefstadt. Dort werden aus Texten Stücke. Wir waren bei den Proben von „Romeo und Julia“ dabei, haben Regisseur Stefan Pucher getroffen und dem Hit beim Werden zugeschaut.

Beim Rauchen kommen die Leut ins Reden. So auch in Aspern vor der Probebühne des Theaters in der Josefstadt. Neben uns Regisseur Stefan Pucher. Würde er einem als einer der Bandmitglieder der Hosen vorgestellt werden – man würde es glauben. Drinnen probt er gerade seit ein paar Tagen Shakespeares „Romeo und Julia“.

Hier draußen reden wir über ganz andere Dinge: „Glauben Sie, kann Theater die Welt retten?“, fragen wir. Pucher merkt, dass wir es ernst meinen, und nickt: „Ich war mir immer sicher, dass wenn es einen Atomkrieg gibt, dass sich die Menschen danach in der Asche Bettlaken überziehen und Texte rezitieren. Daran glaube ich. Theater ändert nicht die Welt, aber es erlaubt ein Gespräch, es erlaubt ein Zusammenkommen …“

Die Regieassistenz drängt. Es muss weiter geprobt werden. Heute probt das Ensemble in einer Art Kostüm in einer Andeutung von Kulisse probt. Also nichts ist heute, so wie es am Ende (Premiere am 1. Oktober) sein wird. Aber die Andeutung ist da.

Im Raum steht ein Pressspan-Wohnwagen. Auf diesem steht eine Sängerin und gibt Vollgas. Abwechselnd spielen die Szenen im und vor dem Wohnwagen. Einmal schlägt Julia ein Rad, rockt, tanzt. Seide Noffke ist eine sehr, sehr körperliche Julia – es wundert nicht, dass sie Kampfsportarten beherrscht. Vieles ist noch improvisiert. Später, auf der echten Bühne, wird.. wird eine Videowand stehen, auf der das übertragen wird, was im Wohnwagen passiert.

Was will Pucher mit seiner Inszenierung erreichen?, fragen wir. „Dass sich die Spannung, die es in diesem Stück gibt, dass die sich überträgt. Obwohl jeder weiß, wie ,Romeo und Julia‘ ausgeht.“ Pucher lächelt: „Ich erlebe das gerade in den Proben, dass ich gespannt auf jede nächste Szene bin – obwohl ich eh jeden Beistrich kenne –, und dieses Gefühl, sich von einem Cliffhanger zum nächsten zu hangeln, das fühlt sich cool an.“

Er winkt uns rein in die Halle. Wir folgen. Neo-Direktorin Marie Rötzer lässt in der Shakespeare-Produktion (fast) nur neue spannende Schauspielgesichter ran. Lediglich Marcus Bluhm ist aus dem früheren Ensemble mit dabei. Seide Noffke ( Julia) kommt direkt von der Schauspielschule. Leonard Dick (Romeo) aus München, Felix Caspar Künzli (unter anderem Paris) hat überhaupt das Zeug zu einem Publikumsliebling und Nikolai Gemel als Mercutio spielt diesen so überzeugend schmierig, dass es richtig körperlich unangenehm wird. Es ist ein Ensemble, das neugierig macht.

Der Shakespeare-Stoff wurde übrigens neu übersetzt, und zwar vom jungen Schweizer Autor Lucien Haug. „Es war meine Bedingung, dass wir eine neue Fassung haben. Shakespeare kann man auch nicht kaputt machen. Ich meine – ich kann ja leider Shakespeare nicht mehr anrufen –, aber Lucien hat einen sehr tollen Zugang gewählt. Romeo und Julia wollen Karriere machen, sie leben in einer dunklen Welt, in der alles zerstört ist, und sie wehren sich dagegen. Es ist wie im Jetzt. Es existiert ein Hass, der nicht zu kippen ist und diese Gesellschaft kaputt macht.“ Und da wäre dann noch die Sache mit dem Ende: Ein letales Finale, das gern geändert wird – angepasst an die Zeit, angepasst an die Selbstbestimmtheit der Frauen. Am Residenztheater etwa ließ Regisseurin Elsa-Sophie Jach ihre Julia überleben und gealtert auf die Geschehnisse zurückblicken. Pucher grinst, beginnt einen Satz: „Wir sind da gerade so am …“, bricht ihn ab und lächelt. Alles klar. Wir verstehen.

Hier geht es zu den Spielterminen von "Romeo und Julia" im Theater in der Josefstadt!

Josefstädter Straße 26
1080 Wien
Österreich
Foto beigestellt

Erschienen in
Bühne 08/2026

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Atha Athanasiadis
Atha Athanasiadis
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