Zum Inhalt springen

„Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe, eine Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Residenztheater München.

„Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe, eine Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Residenztheater München.
Foto: SF / Marco Borrelli

NESTROY 2026 – die Nominierungen: Beste Ausstattung

Nestroy-Theaterpreis

Wer holt den NESTROY für Bühne, Licht und Video? Drei Produktionen sind nominiert.

Ulrich Rasche (BÜHNE), Gerrit Jurda (LICHT), Florian Seufert (VIDEO) für „Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe, Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Residenztheater München.

Auch wenn er gleißend hell ausgeleuchtet ist, passiert im monströsen Lichtkorridor in Ulrich Rasches „Faust“-Inszenierung das Geheimnisvolle schlechthin. Im Zusammenspiel mit dem Lichtdesign von Gerrit Jurda und der Videografie von Florian Seufert braucht es in dieser Kooperation der Salzburger Festspiele mit dem Residenztheater München nicht mehr als zwei parallel aus dem Schnürboden hängende Leuchtkästen und eine Videokamera, um das Unerklärliche zu bebildern. So wird das Bühnenbild zum psychedelischen Geburtskanal für Fausts Wiedergänger. Vom stimmungsabhängigen Farbenspiel bis zur unverlässlichen Projektionsfläche: Hier wird ein Zwischenraum geschaffen, der die sich unablässig drehende Bühne zum Innehalten zwingt, um das zu zeigen, was zwischen den Zeilen steht. – Sonja Harter

Foto: Apollonia T. Bitzan

Nanna Neudeck (BÜHNE) für „Das Ende ist nah“ von Amir Gudarzi, Uraufführung, Koproduktion des TEATA in der Gumpendorfer mit dem Schauspielhaus Wien.

Durchwühlen, hineinköpfeln, sich zuschütten: Für Amir Gudarzis „Das Ende ist nah“ im Schauspielhaus Wien hat Nanna Neudeck ein vielsagendes Terrain geschaffen: einen Boden, der komplett mit Granulat bedeckt ist. Die monothematische Bühnenidee der bei Christoph Schlingensief in die Schule gegangenen Künstlerin (mit eigenen Ausstellungen) fasziniert in all ihren Varianten. Das amorphe Material erweist sich nicht nur als bildnerische Superpower, mit der man sogar „das Stadttheater von Teheran“ aufschütten kann, sondern korrespondiert metaphorisch mit der von „Haltlosigkeit“ geprägten Fluchtgeschichte. Faszinierend ist es obendrein, wie sich die gestaltlose Masse ständig verändert und welche spielerischen Möglichkeiten sich daraus ergeben. Top! – Margarete Affenzeller

Foto: Tommy Hetzel

Jessica Rockstroh (BÜHNE) für „Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos“ von Werner Schwab, Burgtheater/Akademietheater.

Für Werner Schwabs akrobatische Fäkalsprache hat Jessica Rockstroh ein beeindruckendes Bühnenbild entworfen. Das gesamte Setting ist in der Vogelperspektive gebaut und dann in die Vertikale gekippt. Man blickt von oben in das groteske Zinshaus des Schreckens und Terrors. An der hochgestellten Fassade jonglieren die Schauspieler*innen in schwindelerregender Höhe von Möbel zu Möbel zu Schwabs kühnen Sprachkonstrukten. Von der klaustrophobischen Küche der Familie Wurm bis zur Geburtstagstafel in der Wohnung der biestigen Vermieterin Grollfeuer: Immer ist es ein Balanceakt des Überlebens, der Absturz immer nur einen Augenaufschlag entfernt. Die Bühne von Jessica Rockstroh wird zum Sinnbild für wirtschaftlichen Erfolg, Ausbeute und soziales Elend. Eine grandiose Umsetzung von Schwabs groteskem Kammerspiel! – Susanna Schwarzer

Redaktion
Autor
Mehr zum Thema
1 / 11