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Pizza oder Eine Tür in der Dunkelheit tanzt nicht von Nature Theater of Oklahoma

Pizza oder Eine Tür in der Dunkelheit tanzt nicht von Nature Theater of Oklahoma
Foto: Rolf Arnold

NESTROY – die Nominierungen: Beste Bundesländer-Aufführung

Nestroy-Theaterpreis

Wie jedes Jahr war die NESTROY-Jury auch heuer wieder in den Bundesländern unterwegs. Die drei nominierten Produktionen könnten nicht unterschiedlicher sein.

Pizza oder Eine Tür in der Dunkelheit tanzt nicht von Nature Theater of Oklahoma, Inszenierung: Kelly Copper und Pavol Liška, Uraufführung, Koproduktion des Nature Theater of Oklahoma mit dem GOLD & PECH Theater.

Vier Menschen warten, bis sie den Sinn des Lebens finden. Stattdessen kommt der Pizzabote. Genauer lässt sich die „Handlung“ des neuesten Stücks von Kelly Copper und Pavol Liška alias Nature Theater of Oklahoma nicht festnageln, mit dem im Dezember 2025 das neu gebaute GOLD & PECH Theater im steiermärkischen Eggersdorf eröffnet wurde. Antworten liefert der Abend keine, dafür eine Reihe von Fragen. Viele, viele Fragen, die, ebenso wie die Dialoge zwischen den vielleicht lebenden, vielleicht (un-)toten Figuren, durchwegs gesungen werden. Das virtuose Ensemble tanzt sich mit bemerkenswerter Ausdauer in einen eigenwilligen Glücksrausch hinein, der auch das Publikum mitzieht. Dazu taucht immer wieder unverhofft ein Chor aus jungen Leuten auf. Und es gibt echte Pizza. Wie viel Sinn kann man vom Leben noch verlangen? – Martin Thomas Pesl

Foto: Lalo Jodlbauer

Krieg und Frieden von Leo Tolstoi, Inszenierung: Philipp Hauß, Festspiele Reichenau.

Mondäne Lage, vergilbter Fin-de-Siècle-Glanz, großartiger Weitblick: Das Südbahnhotel am Sehnsuchtsort Semmering ist als Bühnenbild wie geschaffen für die hinreißende Inszenierung von „Krieg und Frieden“ für die Festspiele Reichenau. Regisseur Philipp Hauß hat Leo Tolstois 1868/69 publizierten Wälzer „Krieg und Frieden“ über die Erschütterung der Napoleonischen Kriege im russischen Adel mit Rita Thiele nach einer Dramatisierung von Nicolaus Hagg für die Bühne adaptiert und das Personal kräftig eingedampft. Hauß formt mit dem formidablen 14-köpfigen Ensemble zwischen Leben und Tod, Schlachtfeld und Salon, Liebe und Hass, dem Gestern und Morgen, Kriegsrhetorik und Traumata ein eindringliches Theatererlebnis, das als warnender Kommentar vor dem Krieg gelesen werden kann – in der Gegenwart. Ein Höhepunkt in diesem Festivalsommer! – Julia Schafferhofer

Foto: Lex Karelly

Wir töten Stella nach Marlen Haushofer, Inszenierung: Jakab Tarnóczi, Schauspielhaus Graz.

Bei „Wir töten Stella“ handelt es sich ursprünglich um eine Novelle von Marlen Haushofer, erschienen 1958. Meist denkt man bei Bühnenadaptionen von Erzählungen, dass man das nicht unbedingt gebraucht hätte. In dieser Bearbeitung durch den ungarischen Regisseur Jakab Tarnóczi am Schauspielhaus Graz ist aber wirklich ein schöner Erfolg gelungen. Das liegt freilich auch am tollen Ensemble. In der kaum zweistündigen Inszenierung erlebt man die quälenden Selbstzweifel von Anna, der Stella einst als Pflegetochter anvertraut wurde, geradezu hautnah mit. Nun ist Stella tragisch ums Leben gekommen und Anna grübelt, was sie bloß falsch gemacht hat, will die ganze Schuld auf sich nehmen. Oder doch nicht? Wie schon bei Marlen Haushofer ist auch in Tarnózcis Adaption nichts eindeutig, keine Antwort einfach zu bekommen. Ein feinfühliger, berührender Abend. – Martin Lhotzky

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