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Jelena Popržan und Imre Lichtenberger Bozoki in „Die verschissene Zeit“ im Kosmos Theater.

Jelena Popržan und Imre Lichtenberger Bozoki in „Die verschissene Zeit“ im Kosmos Theater.
Foto: Bettina Frenzel

NESTROY 2026 – die Nominierungen: Beste Musik

Nestroy-Theaterpreis

Endlich ist er da! Der NESTROY für die beste Musik.

Jelena Popržan (Komposition & Musikalische Leitung) für „Die verschissene Zeit“ von Barbi Marković, Uraufführung, Koproduktion des Kosmos Theater mit Splitscreen Entertainment. (Livemusik & Komposition ) für „Radio Sarajevo“ von Tijan Sila, österreichische Erstaufführung, Koproduktion des Landestheater Linz mit dem TEATA in der Gumpendorfer.

Jelena Popržan ist Bratschistin, aber einmal auf die Theaterbühne gestellt, greift eine solche Bezeichnung längst zu kurz. In „Radio Sarajevo“ am Landestheater Linz hat die Musikerin gleich die ganze Bühne zum Instrument gemacht – mit einer bis in den Schnürboden hinaufreichenden Donnergeige. Gewehrsalven schießt sie später mit der Viola ab. So bringt Popržan im Stück nach dem Roman von Tijan Sila den Sound des (Balkan-)Kriegs und den einer ganzen davon geprägten Kindheit und Jugend zum Klingen. Ähnlich wie in „Die verschissene Zeit“ von Barbi Marković im Kosmos Theater Wien, wo sie an der Spielkonsole und als Sängerin die Musik zu einem bestimmenden Ausdrucksmittel macht. Ein Highlight! – Margarete Affenzeller

Matthias Jakisic (Komposition & Musik) UWE (Lyrics & Songwriting) für „Der Menschenfeind“ von Molière, Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Thalia Theater Hamburg.

Molières „Menschenfeind“ als Musical? Nun, ganz so weit geht die Inszenierung von Jette Steckel bei den heurigen Salzburger Festspielen dann doch nicht. Aber der Abend, eine Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg, seit Mitte September dort zu sehen, lässt da doch einige der tragikomischen Charaktere mittels Gesang in neuem Licht leuchten. Hauptsächlich Hip-Hop-Nummern, auf der Bühne live begleitet von deren Komponisten Matthias Jakisic – die Texte stammen vom Hamburger Indiemusiker UWE –, holen den Klassiker von Molière aus dem Jahre 1666 durchaus noch mehr in die heutige Zeit, als die Textbearbeitung (Jette Steckel und David Heiligers) das ohnehin schon schafft. – Martin Lhotzky

Nenda Neururer (Musik & Songtexte) Bernhard Neummaier (Musik & Arrangements) für „Der Talisman“ von Johann Nepomuk Nestroy, Tiroler Landestheater.

Vor seiner doppeldeutigen Sprache ist niemand sicher: Wohl ganz in Nestroys Sinne werden die scharfzüngigen Couplets von Rapperin Nenda Neururer und Multiinstrumentalist Bernhard Neumaier in der pointierten Inszenierung von „Der Talisman“ am Tiroler Landestheater zu bissigen Höhepunkten. Schunkelnd schleichen sich die ersten Strophen ihrer Biedermeier-Hip-Hop-Nummern an, um dem Publikum zu schmeicheln. Doch die Mitklatsch-Idylle dauert nur kurz. Das Update hat realsatirischen Charakter und thematisiert Femizide, politische Verhaberung im Fall René Benko, Rassismus durch die US-Einwanderungsbehörde ICE oder Abschiebe-Androhungen in Tirol. Diese Lieder, akzentuiert gespielt von Eleonora Golubkowa und Medina Rekic, provozieren im Zuschauerraum viele Lacher – und noch mehr Schnappatmung. So geht Nestroy 2026! – Julia Schafferhofer

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