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Im „Theatermacher“  verwandelte sie das Volkstheater kurzfristig ins Berliner Berghain, für ihre Rolle in „Einsame Menschen“ wurde Anna Rieser für den NESTROY nominiert. „Black Flame“ ist ihre erste Zusammenarbeit mit der chilenischen Regisseurin Manuela Infante.

Im „Theatermacher“ 
verwandelte sie das Volkstheater kurzfristig ins Berliner Berghain, für ihre Rolle in „Einsame Menschen“ wurde Anna Rieser für den NESTROY nominiert. „Black Flame“ ist ihre erste Zusammenarbeit mit der chilenischen Regisseurin Manuela Infante.
Foto: Max Manavi-Huber

Stereo total

Volkstheater Wien

Anna Rieser be­eindruckte als Käthe in „Einsame Menschen“, war in „Ach, Sisi“ in mindestens der Hälfte der 99 Szenen zu sehen und ist nun einzige Protagonistin in Manuela Infantes Noise Essay „Black Flame“. Die Bühne gehört ihr. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Als Anna Rieser realisierte, dass sie in „Black Flame“, einer Produktion der chilenischen Regisseurin Manuela Infante, die große Bühne des Volkstheaters ganz alleine bespielen wird, meldete sich in ihrem Kopf nicht nur eine Stimme zu Wort. Da war einerseits: „Wow, was für eine Ehre.“ Und andererseits: „Oh Gott, was für eine große Verantwortung.“ Stereo total. Ihr erstes Treffen mit Manuela Infante ließ aus dem anfänglichen Zweikanalton jedoch schnell eine größere Eindeutigkeit werden. „Viele Dinge, die sie bei unserem ersten Zusammentreffen gesagt hat, haben mich total inspiriert“, erinnert sich die Schauspielerin. Am Ende dachte sie sich: „Was für ein Glück, mit dieser coolen Frau zu arbeiten!“

Infante, die für ihre klanggewaltigen, essayistischen Theaterarbeiten bekannt ist, legt mit „Black Flame“ ihr erstes Projekt zum Thema Erdöl vor und beschreibt den Abend als „Noise Essay“. Was man sich darunter vorstellen kann, wollen wir von Anna Rieser wissen. „Es wird ein sehr musikalisches Stück. Wir nutzen Rhythmen, um meine Stimme unterschiedlich wirken zu lassen, spielen mit Höhen und Tiefen. Es wird auch eine Musiknummer in der Inszenierung geben. Und Geräusche, die an den Erdölabbau und an Raffinerien erinnern.“ Weil Manuela Infante und Anna Rieser in der Arbeit an „Black Flame“ jedoch immer auf der Suche nach Gegensätzen sind, wird es, so Rieser, „auf der Bühne keinen Lärm oder Krach geben, der sich am Ende nicht in etwas Schönes auflöst“.

Foto: Max Manavi-Huber

Unter Druck

In der für das Stück komponierten und arrangierten Musik soll außerdem der hohe Druck spürbar werden, mit der das Öl unter der Erde aus dem Muttergestein gequetscht wird. „Aber auch einige der Figuren, die ich spiele, stehen unter Druck“, fügt Anna Rieser hinzu. „Die Menschheit stagniert, macht in der Geschichte des Erdölabbaus und der Umweltzerstörung ebenso Rückschritte wie Fortschritte – bei ihrem Versuch, zu retten, was noch zu retten ist. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Arten von Geschwindigkeit und probieren, uns auch auf diesem Weg den Themen Erdöl und Umwelt zu nähern“, erzählt die Schauspielerin.

Ein Abend, der noch lange nachhallt. Anna Rieser im Volx im fünften Bezirk, wo sie mit Regisseurin Manuela Infante gerade an den Klang- und Bildwelten des Noise Essays „Black Flame“ arbeitet.
Foto: Max Manavi-Huber
Ein Abend, der noch lange nachhallt. Anna Rieser im Volx im fünften Bezirk, wo sie mit Regisseurin Manuela Infante gerade an den Klang- und Bildwelten des Noise Essays „Black Flame“ arbeitet.

Im Volx, der zweiten Spielstätte des Volkstheaters, ist zu Probezwecken ein Gerüst aufgebaut, das bereits erahnen lässt, was die Zuseher*innen bei der Premiere des Stücks im Volkstheater erwartet. Ebenfalls gut spürbar ist der körperliche Einsatz, den ein solch vielstimmiger Soloabend auf der großen Bühne erfordert.

Ein lebendiges Essay

Dass Anna Rieser mehr als genug Energie für einen solchen Kraftakt mitbringt, davon konnte man sich bereits im „Theatermacher“ überzeugen, als die gebürtige Salzburgerin mit einer Nebelmaschine in der Hand das Wiener Volkstheater kurzzeitig ins Berliner Berghain verwandelte. Weniger offensichtlich, aber vermutlich ebenso fordernd: ihre Rollen in „Ach, Sisi – Neunundneunzig Szenen“, das den Spieler*innen aufgrund der schnellen Szenenwechsel auch hinter den Kulissen einiges abverlangte.

Foto: Max Manavi-Huber

Doch zurück zu Manuela Infantes Uraufführung, bei der es auch eine sehr wichtige Textebene gibt, wie Anna Rieser anmerkt. „Es ist eine Art lebendiges Essay, das durch das Stück führt. Geschriebenes auf einer Leinwand verschmilzt mit dem, was ich auf der Bühne spiele.“

An Herausforderungen wachsen

Die Möglichkeit, sich in solch unterschiedlichen Bühnenwelten ausprobieren zu können, schätzt Anna Rieser sehr. „Die Auseinandersetzung mit verschiedensten Themen, Persönlichkeiten und Rollen ist das, was mich am meisten interessiert und mich wachsen lässt“, sagt sie und setzt nach:

Ich brauche Herausforderungen, ich möchte mich nicht auf etwas ausruhen, was ich einmal gut gemacht habe.

Das bisherige Programm des Volkstheaters unter Kay Voges, dessen Arbeit Anna Rieser schon während des Studiums aufmerksam verfolgt hat, lässt vermuten, dass noch eine Vielzahl an Verwandlungsmöglichkeiten auf die Schauspielerin zukommen werden.

Ob ihr Proben oder Aufführungen lieber sind? „Wenn ich so nachdenke, ist für mich das Entwickeln, das gegenseitige Überraschen und das Freuen über neue Entdeckungen im Probenprozess das Schönste“, stellt sie fest. Die gemeinsame Reise, durch die man bei Proben geht, fühlt sich für sie dann besonders gut an, wenn sie spürbare Fortschritte macht. „Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als auf der Stelle zu treten und nicht vorwärtszukommen.“

Anna Rieser gehört seit der Spielzeit 2020/21 zum Ensemble des Volkstheaters. In „Black Flame“ bespielt sie die große Bühne zum ersten Mal alleine.
Foto: Max Manavi-Huber
Anna Rieser gehört seit der Spielzeit 2020/21 zum Ensemble des Volkstheaters. In „Black Flame“ bespielt sie die große Bühne zum ersten Mal alleine.

Neuen Bekanntschaften und Konstellationen begegnet Anna Rieser mittlerweile etwas gelassener als früher: „Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass die Probenzeit lang ist und ich mir nicht schon in der Konzeptionsprobe Druck machen muss.“ Sie nehme sich nun bewusster Zeit, die Menschen, mit denen sie arbeitet, kennenzulernen.

Anstatt sich selbst unter Druck zu setzen, verwandelt sie in Manuela Infantes erster Wiener Arbeit lieber Druckwellen in Klangwellen – macht hör- und spürbar, wie unter der Erde das Öl langsam hochsteigt und welche gesellschaftspolitischen Wellen das wiederum auf der Erde schlägt. Das Ergebnis: ein Theater- und Klangspektakel, wie es Wien bestimmt noch nie erlebt hat.


Zu den Spielterminen von „Black Flame – A Noise Essay“ im Volkstheater Wien!

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
Autor
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