Ringel, Ringel, Reigen
Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es voyeuristisch dabei zusehen, wie die Menschen lügen, Gewalt anwenden, umeinander werben und Eitelkeiten befriedigen. Diese Vorlage möchten Dietmar König und Alexandra Henkel gemeinsam ausloten.
Kopflos stürzen sich die Figuren in Arthur Schnitzlers „Reigen“ in ihre Liebesabenteuer. Alles andere als kopflos, aber auch nicht verkopft, werfen sich Alexandra Henkel und Dietmar König in ihre Inszenierung des einst skandalträchtigen Stücks. Ein großes Abenteuer ist es aber auf jeden Fall. „Es geht um Macht, Lust, Gewalt und stellt die Frage, ob Liebe überhaupt möglich ist. Das finden wir hochinteressant. Ist Liebe nur der tiefe Wunsch, den anderen Menschen besitzen zu wollen?“, so lauten einige der Gedanken, mit denen sich die beiden gerade beschäftigen.
Das Stück spiele außerdem in einer Zeit, die der unseren nicht unähnlich ist, so Henkel und König. „Eine lange prosperierende Friedenszeit liegt hinter uns – jetzt wie damals. Wir wiegen uns in Sicherheit und verdrängen mit aller Kraft die Anzeichen möglicher, großer Veränderungen und konzentrieren uns daher auf das Private und wie wir Befriedigung finden. Ein Date haben wollen, um jeden Preis, darum geht es. Das Stück lässt die Zuschauer*innen im besten Fall an dieser Lust teilhaben.“
PLATZ FÜR CHAOS
Darüber hinaus hat Schnitzlers messerscharfes, aber auch komisches Stück eine große Lebendigkeit, ist das Regieduo überzeugt. „Außerdem ist es ein ‚demokratisches‘ Stück, denn alle Schauspieler*innen kommen auf gleichberechtigte Weise vor, tragen gleichberechtigt Verantwortung, so wie wir das als Regieteam ebenfalls tun wollen.“
Alexandra Henkel und Dietmar König sind nicht nur fest am Burgtheater engagiert und führen Regie, sie sind auch ein Paar und haben eine Familie. Wie bekommt man das alles unter einen Hut? „Wir haben drei Kinder, waren beide immer berufstätig und haben gelernt, dass selbst die beste Planung Platz für Chaos haben darf. Demzufolge haben wir uns vor ein paar Jahren noch einen Hund angeschafft“, so die klare Antwort des Duos. Sie teilen die Beobachtung, dass immer mehr Schauspieler*innen Regie führen, ohne das Spielen aufzugeben – „aus dem Wunsch nach größerer Selbstbestimmung und künstlerischer Freiheit“.
Der Neue Spielraum, in dem ihre „Reigen“-Inszenierung zu sehen sein wird, hätte eine tolle Größe, halten Alexandra Henkel und Dietmar König abschließend fest. „Die Zuschauer*innen sind gefühlt sehr nah bei den Spielenden. Das ist herausfordernd und schön. Er ist prädestiniert für den ‚Reigen‘. Wir schauen durch das Schlüsselloch ins Schlafzimmer, aber diesmal von allen Seiten.“