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Blick in die Stadt: Das Kasino am Schwarzenbergplatz wurde frisch saniert und die Spielrichtung im Zuge dessen umgedreht.

Blick in die Stadt: Das Kasino am Schwarzenbergplatz wurde frisch saniert und die Spielrichtung im Zuge dessen umgedreht.
Foto: Tommy Hetzel

Kasino: Alter Raum, neue Ausrichtung

Burgtheater

Das Kasino am Schwarzenbergplatz wurde renoviert und mit einer neuen Ausrichtung ausgestattet. Im doppelten Wortsinn. Was das bedeutet und welche Formate es dort künftig geben wird? Wir haben mit Kasino-Kuratorin Sarah Lorenz gesprochen. Eines vorweg: Seit dieser Spielzeit gibt es endlich wieder eine Bar.

„Ein bisschen rougher, ein bisschen ungeprobter“, so umreißt die Dramaturgin und Kasino-Kuratorin Sarah Lorenz die formale Ausrichtung des frisch sanierten und erst kürzlich neu eröffneten Kasinos am Schwarzenbergplatz. Die Sache mit der neuen Ausrichtung ist im Übrigen auch wortwörtlich zu verstehen, denn im Zuge der Renovierung wurde die Spielrichtung umgedreht. Das bedeutet: Die Tribüne steht nun auf der anderen Seite. Überhaupt sei das Kasino ein „unfassbar schöner, einladender Raum“, wie Sarah Lorenz festhält. Sie setzt nach: „Das Besondere an dieser Spielstätte ist für mich unter anderem, dass darunter, darüber und daneben andere Dinge stattfinden. Es ist ein Ort, der sich mitten in der Stadt befindet, der aber kein Solitär ist.“

Die Tribüne befindet sich nun auf der anderen Seite.
Foto: Tommy Hetzel
Die Tribüne befindet sich nun auf der anderen Seite.

Raum für Ungeprobtes 

Die Dramaturgin wechselte mit Stefan Bachmann vom Schauspiel Köln ans Wiener Burgtheater. In Köln kuratierte sie gemeinsam in einem Team unter anderem das Britney X Festival, das sich seit seiner Gründung vor acht Jahren zu einem Fixpunkt der queerfeministischen Szene Kölns entwickelt hat. Im Juni 2025 fand das Festival voraussichtlich zum letzten Mal statt. Sarah Lorenz befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade auf der Zielgeraden ihrer Planungsarbeit für die erste Spielzeit des neuen Kasinos. „Unser Grundgedanke war, dass das Kasino zu einem Ort werden könnte, an dem nicht nur Repertoire gezeigt wird, sondern an dem es auch zusätzliche Programmpunkte wie Workshops, Lesungen, Diskussionen und Vorträge gibt, in denen die Themen, die in den einzelnen Produktionen vorkommen, nochmals aufgegriffen werden. Außerdem möchten wir den Raum auch für Ensemblemitglieder öffnen, die Lust haben, ihre Herzensprojekte umzusetzen. Da wird sich in der nächsten Zeit noch viel tun“, erläutert Lorenz, die als Produktionsdramaturgin darüber hinaus auch Inszenierungen am Haus betreut.

Außerdem gibt es den Wunsch, sich stärker mit anderen in der Stadt ansässigen Institutionen zu verbinden. So gibt es, wie Sarah Lorenz erklärt, beispielsweise eine Kooperation mit dem Institut für Sprachkunst, im Rahmen derer Texte von jungen Autor*innen von Regieassistierenden der BURG eingerichtet werden.

Die Einführung eines regelmäßigen Impro-Formats unterstreicht die neue Ausrichtung des Kasinos: als Ort, an dem auch Unwiederholbares und Ungeprobtes seinen Platz findet. Kurz: An dem das Theater seinem Ruf als gegenwärtigste aller Kunstformen mehr als nur gerecht wird.

Wir möchten den Raum auch für Ensemblemitglieder öffnen, die Lust haben, ihre Herzensprojekte umzusetzen.

Sarah Lorenz, Dramaturgin und Kasino-Kuratorin

„Kommt alle vorbei, die Türen sind offen!“ 

In Lübeck geboren, kam Sarah Lorenz über einen „sehr gut gepflegten Jugendclub“ zum Theater. „Dort habe ich nicht nur meine ersten Spielerfahrungen gemacht – um dann zu wissen, dass ich keine Schauspielerin werde –, sondern konnte auch in fast alle Abteilungen hineinschnuppern. Die Vorstellung, gemeinsam mit anderen Menschen etwas Schönes für den gegenwärtigen Moment zu gestalten, hat mich daraufhin nicht mehr losgelassen. Dass es in Richtung Dramaturgie geht, wurde mir aber erst nach und nach bewusst.“

Wir sprechen auch darüber, woran es liegen könnte, dass sich das Tätigkeitsfeld von Dramaturg*innen, der in ihrem Fall ja zwei gleich große Bereiche umfasst, nicht so leicht vermitteln lässt. „Ich glaube, dass das auch darauf zurückzuführen ist, dass man dafür zunächst die Struktur des Theaters kennen und verstehen muss“, setzt Sarah Lorenz zu einer Erklärung an.

In Wien hätte sie sich von Anfang an sehr wohl gefühlt, merkt die Dramaturgin an. Selbiges gilt auch für ihren neuen Arbeitsplatz, wie sie rasch hinzufügt. „Ich hatte am Anfang schon großen Respekt, wurde aber sehr herzlich und offen empfangen.“

Bevor sich Sarah Lorenz wieder in den „Dramaturgieflügel“ auf der sogenannten „Volksgartenseite“ (die andere heißt – wenig überraschend – „Landtmannseite“) begibt, will sie in Bezug auf das Kasino nur noch eine Sache loswerden: „Kommt alle vorbei! Die Türen sind offen!“

Erschienen in
Bühne 09/2025

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Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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