Ein Freund, ein echter Freund
Die Wiener Staatsoper hat viele Freunde. Aber nicht alle sind echt. Über Geben und Nehmen in Freundschaften und wie es zum Offiziellen Freundeskreis der Wiener Staatsoper kam.
Seit Dezember 2024 hat die Wiener Staatsoper eine zweite Spielstätte: NEST – Neue Staatsoper im Künstlerhaus am Wiener Karlsplatz, ein Opernhaus, vorrangig Kindern und Jugendlichen gewidmet. Dass so ein Haus, das sich der Weitergabe der Leidenschaft zur Kunstform Oper verschrieben hat, überhaupt existiert, ist keineswegs selbstverständlich, denn dafür gibt es keine zusätzliche Subvention. Was viele nicht wissen: zu verdanken ist die Entstehung einem mäzenatischen Akt von Hans-Peter Haselsteiner sowie der STRABAG. Und damit nicht genug:
Der laufende Spielbetrieb im NEST wird zu einem überwiegenden Teil aus den Erlösen des Offiziellen Freundeskreises der Wiener Staatsoper finanziert.
DREI MILLIONEN FÜR NACHWUCHS
Gegründet wurde dieser Freundeskreis 2020 von Bogdan Roščić mit dem ganz klaren Ziel, dass die Erlöse ausschließlich der Öffnung des Hauses für neue Publika sowie der Förderung des künstlerischen Nachwuchses zugutekommen sollen. So wird unter anderem das Opernstudio, ein zweijähriges Curriculum für exzellente Sängerinnen und Sänger, die Opernschule sowie die Outreach-Abteilung des Hauses unterstützt.
Und eben auch das NEST, bei dem der Offizielle Freundeskreis eine ganz zentrale Rolle spielt. 2.400 Mitglieder sorgen für einen Förderbeitrag von rund drei Millionen Euro – der Offizielle Freundeskreis ist somit der mit Abstand größte Sponsor der Wiener Staatsoper.
DIE BALLETTSCHWESTER
Neben dem Offiziellen Freundeskreis der Wiener Staatsoper gibt es auch den Offiziellen Freundeskreis Wiener Staatsballett. Dieser trägt dazu bei, die physiotherapeutische und präventive Betreuung zum Erhalt der Gesundheit der Tänzer*innen kontinuierlich auszubauen, erstklassige Spitzenschuhe anzuschaffen, renommierte Gastlehrende einzuladen und die internationale Reputation insbesondere durch Gastspiele zu erhöhen.
FALSCHE FREUNDE? FRAGEN SIE DEN RECHNUNGSHOF!
Nun könnte man sich fragen: Gibt es denn nicht längst einen Freundesverein? Bei manch einem wird vielleicht die Erinnerung an den bestehenden „Verein der Freunde der Wiener Staatsoper“ wach, dieser feierte jüngst sogar sein 50-jähriges Bestehen. Es versammeln sich dort sicherlich zahlreiche Opernfreundinnen- und Freunde, die der Wiener Staatsoper wohlgesonnen sind.
Allerdings sollte man die beiden Vereine nicht verwechseln, denn der Verein der Freunde der Wiener Staatsoper hat in all den Jahren die Wiener Staatsoper noch nicht unterstützt. Im Gegenteil: 2018 tauchte er bei einer Prüfung des Hauses am Ring in einem Rechnungshofbericht auf.
Dort wurde kritisiert, dass ein „externer Verein, der ein freiwilliger Zusammenschluss von Opern- und Ballett-Theater-Interessierten darstelle, den Markt der Kleinförderer abschöpfe“. Der Verein erhielt damals seitens der Staatsoper in großem Ausmaß (bis zu 10.000 Tickets pro Spielzeit) bevorzugte Zuteilung von Ticketkontingenten für besonders nachgefragte Vorstellungen, die auch am freien Markt verkauft werden hätten können, ohne dass das Haus davon einen echten Mehrwert, wie Sponsoring, eine Förderung oder eine sonstige Unterstützung erhielt. Eben dieser Umstand wurde vom Rechnungshof scharf kritisiert und man empfahl, selbst ein Angebot für Kleinförderer zu entwickeln. Dazu kam es in der Ära Dominique Meyer jedoch nicht mehr. Die Gründung des Offiziellen Freundeskreises war 2020 eine der ersten Taten von Bogdan Roščić.
Die bevorzugte Kartenvergabe an den Verein der Freunde der Wiener Staatsoper wurde umgehend eingestellt. Pikantes Detail: Präsident des „falschen“ Vereins ist heute niemand Geringerer als Dominique Meyer.
VORTEILE: BEVORZUGT ZU KARTEN KOMMEN
Freundschaft ist stets ein Geben und Nehmen. Was also erhalten Mitglieder des Offiziellen Freundeskreises? Die Antwort ist klar: Das hängt im Detail und Umfang von der Höhe des Mitgliedsbeitrages ab, in jedem Fall aber gibt es bevorzugte Kartenzuteilungen für ausgewählte Veranstaltungen, jeweils noch vor dem offiziellen Verkaufsstart sowie – in unregelmäßigen Abständen – vergünstigte Eintrittskarten für unterschiedliche Vorstellungen. Ein guter Weg also, sich die begehrten und umkämpften Tickets für die Wiener Staatsoper zu sichern.
Eine Mitgliedschaft in den Freundeskreisen ermöglicht aber auch, das gesellschaftliche und kulturelle Geschehen des Hauses aktiv mitzuerleben: So werden Treffen mit Künstlerinnen und Künstlern, Führungen, Begegnungen mit Leading-Teams sowie Trainings- und Probenbesuche organisiert. Auch Einladungen zur jährlichen Spielzeitpräsentation, zu Empfängen der Direktion oder zu Premierenfeiern stehen – je nach Mitgliedsstufe – auf dem Programm.
Für alle, die noch nie bei einer Spielplanpräsentation waren: Das sind von Bogdan Roščić moderierte Matineen mit Gesangs- und Ballettdarbietungen sowie Gesprächen mit Regisseur*innen und Dirigent*innen, bei denen man einen perfekten Einblick in die nächste Saison bekommt. Dasselbe gilt für die großartigen, spannenden und sehr launig gestalteten Diskussionsveranstaltungen und Talkrunden, die von den fast schon legendären Láng-Brüdern (Andreas und Oliver Láng sind Dramaturgen in der Wiener Staatsoper) vorbereitet und moderiert werden. Hier kommt man Opernstars nahe und erfährt von prominenten Regisseuren aus erster Hand und im sehr kleinen Kreis die Ideen hinter den Regiekonzepten.
FREUNDESKREIS & OPERNBALL
Auch im Rahmen des Wiener Opernballs spielt der Offizielle Freundeskreis der Wiener Staatsoper eine besonders wichtige Rolle: Die Mitgliedsstufen Donator oder Benefactor Plus beinhalten – neben vielen anderen Leistungen – das Vorkaufsrecht für eine der Rang- oder Bühnenlogen. Oder - um es anders zu sagen: Aufgrund des riesigen Andrangs auf die Logen kommen mittlerweile nahezu ausschließlich Mitglieder des Freundeskreises bei der Vergabe der Logen zum Zug.
JETZT MITGLIED WERDEN.
Am 12. April präsentiert die Wiener Staatsoper ihr Programm für die Saison 2026/27. Um diese Präsentation zu besuchen, aber auch um sich zeitgerecht Vorkaufsrechte zu sichern, ist jetzt also der perfekte Zeitpunkt für eine Mitgliedschaft.
Ab 120 Euro pro Saison (bzw. ab 60 Euro für alle unter 35) sind Sie dabei.