Zum Inhalt springen

Lotte de Beer, Volksopern-Direktorin, zum Relaunch der BÜHNE.

Lotte de Beer, Volksopern-Direktorin, zum Relaunch der BÜHNE.
Foto: Andreas Jakwerth

Das sagen die Direktor*innen zum Relaunch der BÜHNE

Auf Wiener Bühnen

Die BÜHNE im neuen Gewand: Das sagen die Direktor*innen der großen Theater- und Opernhäuser zum Relaunch der BÜHNE.

Das sagt Lotte de Beer, Direktorin der Volksoper Wien, zum Relaunch der BÜHNE:

Die BÜHNE erlebt einen Relaunch. Das ist erst einmal ein seltsames Wort. „Launch“ erinnert mich an einen Stapellauf, an ein In-See-Stechen, an das Abheben einer Rakete ins All. Aber „Relaunch“? Also: wieder in See stechen, noch mal abheben, neu in die Luft gehen? Macht man das alles nicht nur einmal? Nein, nicht im Bereich der Kultur, auch dort startet man einmal – und dann ein zweites Mal neu, ein drittes Mal und immer so weiter. Immer wieder neu anfangen – und sich dabei treu bleiben –, das ist eine Aufgabe, die sich in der Kultur ganz besonders drängend stellt. Die Volksoper wurde 1898 gegründet. Ganz so alt ist die BÜHNE zwar noch nicht, doch auch ihre Geschichte lässt sich bis ins Jahr 1924 zurückverfolgen. Eine Geschichte, die sich über so viele Jahre erstreckt, verläuft nie ohne Brüche und Umbrüche, ohne Fehler und frische Anfänge. Wir an der Volksoper begreifen das als Auftrag. Zu Beginn meiner Intendanz habe ich als einen meiner zentralen Gedanken definiert: „Zwischen Damals und heute“. Was habe ich damit gemeint? Theater findet immer im Jetzt statt. Aber die meisten Noten und Texte, die wir spielen, stammen von früher. Dieses Spannungsfeld ist genau die Bühne, auf der wir spielen. Man könnte auch sagen, es ist die BÜHNE, die wir bespielen, denn das gleichnamige Kulturmagazin war uns immer ein treuer Begleiter, wenn wir neu in See gestochen sind, um bei diesem Bild zu bleiben.

Ebenfalls zu Beginn meiner Intendanz habe ich gesagt: „Die Volksoper soll ein Haus der Künstler*innen sein.“ Und im nächsten Satz ergänzt: „Die Volksoper soll ein Haus des Publikums sein.“

Warum ein Haus der Künstler*innen? Wir an der Volksoper suchen nach herausragenden Künstler*innen, um gemeinsam Geschichten zu erzählen, um Fragen zu stellen, zu bezaubern, zu entzaubern, zum Denken anzuregen, Schönheit miteinander zu teilen. Und die BÜHNE stellt diese Künstler*innen in den Mittelpunkt, wie es kein anderes Medium kann. In Interviews, Porträts und in Formaten, die genauso vielfältig sind wie unser Haus, werden ihre Geschichten erzählt, ihre Fantasie geteilt und ihre Visionen vorgestellt. Dafür braucht es Zeit und Raum und beides wird in unserer Gegenwart und in unserer Medienlandschaft immer knapper. Gut, dass es noch Orte dafür gibt!

Und gleichzeitig ist die Volksoper ein Haus des Publikums – wir stehen nicht umsonst am Wiener Gürtel. In einer Gegend also, in der Menschen wirklich wohnen und in der die vielfältige Stadtgemeinschaft aufeinandertrifft. Die Volksoper ist ein Ort, an dem sich unterschiedliche Menschen begegnen können. Das passt zur Ausrichtung der BÜHNE. Auch diese wendet sich konsequent an das Publikum, also an die Menschen, die wirklich in unseren Theatern sitzen. Mit ihnen wird ein Dialog gestartet. Und Dialoge brauchen wir heute dringender denn je. Unser Weg führt mit Künstler*innen und Publikum in eine vielfältige, immer neue, sich dauernd ändernde Zukunft. Auf diesem Weg ist es schön, Begleiter zu haben, die mit uns – und mit Begeisterung! – immer wieder „relaunchen“.

Herbert Föttinger, Direktor des Theater der Josefstadt, zum Relaunch der BÜHNE.
Foto: Lukas Gansterer
Herbert Föttinger, Direktor des Theater der Josefstadt, zum Relaunch der BÜHNE.

Herbert Föttinger, Direktor des Theaters in der Josefstadt, zum Relaunch der BÜHNE:

Für uns Theatermacher gibt es ja bekanntlich nichts Wichtigeres als – nun ja – das Theater. Das ist für uns das Allerwichtigste auf der Welt. Und es gibt nur ein Medium, das das Theater, uns und unsere Arbeit ebenso ernst nimmt wie wir selbst: die BÜHNE. Diese wunderbare „Spinnerei“ verbindet uns, Seelenverwandtschaft im besten Sinne. Hier werden wir wertgeschätzt. Man hört uns mit echtem Interesse zu, verfolgt unsere Arbeit mit Zuneigung und Freude.

Wenn das BÜHNE-Team zum Interviewen und Fotografieren in unsere Häuser kommt, sind wir zwar nicht vor unbequemen Fragen gefeit – aber wir treffen immer auf echtes Verständnis für die Komplexität eines Theaterbetriebs und für die Feinheiten künstlerischer Arbeit. Deshalb darf die Redaktion ihre Nase auch in die verborgensten Winkel des Theaters stecken, darf diese Redaktion überall hin – in die Kantine, hinter die Bühne, manchmal sogar in die Intendanz (wenn man freundlich fragt).

Und das Schöne ist: Sie will wirklich wissen, was uns umtreibt – nicht nur, wer schuld war. Denn die BÜHNE ist mehr als nur ein Magazin – sie ist das wichtigste Verbindungsmedium zu unserem Publikum, zu unseren treuesten Begleitern. Die BÜHNE ist das einzige Magazin, das unser Theaterleben mit derselben Mischung aus Begeisterung, Nachsicht und leiser Ironie begleitet, mit der wir es selbst betrachten. Darum: Möge sie uns weiterhin auf die Finger schauen, in die Herzen blicken – und ab und zu die eine oder andere Eitelkeit charmant streicheln. Die BÜHNE bleibt unser treuester Komplize.

Musical-Intendant der Vereinigten Bühnen Christian Struppeck zum Relaunch der BÜHNE.
Foto: Andreas Jakwerth
Musical-Intendant der Vereinigten Bühnen Christian Struppeck zum Relaunch der BÜHNE.

Christian Struppeck, Musical-Intendant der Vereinigten Bühnen, zum Relaunch der BÜHNE:

Ich freue mich sehr, dass mit dem Relaunch der BÜHNE ein wichtiges Medium der Kulturberichterstattung in neuem Erscheinungsbild zurückkehrt. Für die Vereinigten Bühnen Wien, deren Musicaltheater Raimund Theater und Ronacher seit vielen Jahrzehnten prägende Häuser des Genres und fixer Bestandteil der Wiener Kulturlandschaft sind, ist ein kritischer, kompetenter und zugleich neugieriger Blick von außen unverzichtbar. Musical lebt von Vielfalt, Emotion und höchster Präzision. Es braucht Medien, die mit demselben Engagement berichten, künstlerische Entwicklungen begleiten und die kreative Arbeit sichtbar machen, die vor, auf und hinter der Bühne entsteht. Indem die BÜHNE diesen Austausch zwischen Kunstschaffenden und Publikum fördert, trägt sie zur lebendigen Diskussion über das Musical in Wien bei. Ich gratuliere dem Team der BÜHNE ganz herzlich zum Neustart und wünsche inspirierende Recherchen und auch weiterhin klare, unabhängige und engagierte Berichterstattung.

Stefan Herheim, Direktor des Musiktheaters an der Wien, zum Relaunch der BÜHNE.
Foto: Hilde van Mas
Stefan Herheim, Direktor des Musiktheaters an der Wien, zum Relaunch der BÜHNE.

Stefan Herheim, Direktor des Musiktheaters an der Wien, zum Relaunch der BÜHNE:

Am frisch renovierten MusikTheater an der Wien freuen wir uns, dass nun auch BÜHNE im neuen Glanz erstrahlt, und gratulieren herzlich zum gelungenen Relaunch des analogen und digitalen Forums des Wiener Bühnenvereins. Kulturjournalismus ist kein Beiwerk, sondern ein Nähr- und Resonanzboden für das Schaffen und Rezipieren von Kunst und somit ein unverzichtbarer Bestandteil des Kulturbetriebs an einer seiner wichtigsten Schnittstellen. Indem die BÜHNE einordnet, vermittelt und hinterfragt, was sich auf und hinter den Bühnen Wiens so tut, stellt sie nicht nur die Beweggründe und Sehnsüchte von Kulturschaffenden, sondern auch die Bedürfnisse des Publikums ins Rampenlicht und feuert so den öffentlichen Diskurs an. Möge ihre neue Erscheinung ein Zeichen der Hoffnung und ein Signal zum mutigen Aufbruch setzen in einer Zeit, in der die Werte mehr denn je geprüft werden, auf denen die Freiheit der Kunst und die Kunst der Freiheit beruhen.

Neugierig auf die vielseitigen Begegnungen, die die BÜHNE unmittelbar ermöglicht und zu denen sie auf unseren Bühnen einlädt, drücke ich ihrem Team und uns allen die Daumen!

Stefan Bachmann zur neuen BÜHNE. Am Bild: der Burg-Direktor in der Kulisse von "Elisabeth!".
Foto: Marcel Urlaub
Stefan Bachmann zur neuen BÜHNE. Am Bild: der Burg-Direktor in der Kulisse von "Elisabeth!".

Burg-Direktor Stefan Bachmann zum Relaunch der BÜHNE:

Eine Bühne für die Bühnen: In diesem scheinbar einfachen Bild liegt das ganze Versprechen der BÜHNE. Monat für Monat widmet sich das Magazin jenem vielstimmigen Kosmos, der zwischen Theaterräumen, Orchestergräben und Probebühnen entsteht – einem Raum, in dem Ideen Form annehmen, Zweifel sichtbar werden, Haltungen verhandelt und Träume ausprobiert werden. Theater will Geschichten erzählen, spielerisch Themen und Meinungen Raum geben, lustvolle Perspektivenwechsel ermöglichen, verzaubern, irritieren, anregen.

Jede neue Ausgabe der BÜHNE hat mit einer neuen Theaterinszenierung mehr gemeinsam, als man denkt. Sie öffnet Türen zu jenen Geschichten, die auf der Bühne meist unsichtbar bleiben, und lässt Leser*innen an jenen Schritten teilhaben, die dem Applaus vorausgehen. Österreich sei eine Kulturnation, wird oft und gern gesagt. Ein Land, das ein beinahe inniges Verhältnis zu Musik, Theater und Literatur pflege. Ein Beweis dafür könnte das monatlich erscheinende Magazin sein. Auch, dass es Abend für Abend viele Menschen in die Theater, Opernhäuser und Konzertsäle zieht, unterstreicht dieses Selbstbild. Das Interesse an Kunst und ihrer Berichterstattung scheint groß. Österreich als Insel der Seligen? Bei Weitem nicht. Gerade hier – in Zeiten drohender Kürzungen - ist die Berichterstattung besonders notwendig. Gerade, wenn Debatten immer schneller, schärfer und oft auch ärmer an Zwischentönen werden, braucht es Räume, die entschleunigen und differenzieren.

Räume, die nicht reflexhaft reagieren, sondern reflektieren. Räume, die Komplexität nicht scheuen, sondern aus ihr schöpfen und ihr damit erst gerecht werden. Wenn Theater ein Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen ist, dann sollte Journalismus nicht bloß die Ausschläge registrieren, sondern ihre Bedeutung befragen. Kulturjournalismus ist nicht nur der Kommentar zum Theater; er ist Teil des großen Gesprächs darüber, wer wir sind und wie wir sein wollen. Fundierte Auseinandersetzung mit Kunst bedeutet, ihrer Wirkung nachzugehen, ihren Kontext zu beleuchten und die Fragen ernst zu nehmen, die sie stellt – und zugleich Lust zu machen, weiterzudenken, sich anregen und bewegen zu lassen.

Das wünschen wir der BÜHNE für die Zukunft: dass sie weiterhin Geschichten über Theater-/Menschen erzählt – über ihre Beweggründe, ihre Intentionen, ihre Wünsche. Dass sie sichtbar macht, wie Kunst entsteht und warum sie entstehen muss. Dass sie ein Ort bleibt, an dem Theater weiterklingt, lange nachdem der letzte Vorhang gefallen ist. Eine Bühne für die Bühnen, die ihre eigene unverwechselbare Stimme behält.

Jan Philipp Gloger auf der Probebühne des Volkstheaters
Foto: Marcella Ruiz Cruz
Jan Philipp Gloger auf der Probebühne des Volkstheaters

Ein Essay von Jan Philipp Gloger, Künstlerischer Direktor des Volkstheaters:

Ich habe mich nur einmal in meinem Leben so richtig verlaufen. Zu meinem Unglück war das lange, bevor es Smartphones gab. 1999 war ich mit meiner Schulklasse auf Exkursion, und zwar – Sie erraten es – in Wien. Zum ersten Mal in Wien, und gleich führte mich diese Stadt unausweichlich auf Um- und Abwege, auf denen ich etwas mehr als 25 Jahre später wieder hier angekommen bin! Wie schön. Hätte ich damals geahnt, wie die Geschichte für mich ausgeht, ich wäre der feixenden Klasse und dem verärgerten Lehrer, die im längst abreisefertigen Bus auf mich warteten, etwas lässiger gegenübergetreten. Denn, kein Witz: Weil ich völlig die Orientierung verloren hatte, setzte mich die Polizei (!) dort ab. Das Volkstheater, das ich mir wünsche, ist ein Haus, das uns auf Um- und Abwege bringt, ein Theater der Flanierenden – für Menschen, die sich nicht nutzbar machen lassen, die offen und überrascht wahrnehmen, die zulassen, dass wir sie abholen und woandershin mitnehmen. Irrweg und Irrsinn eingeschlossen (aber am besten ohne Polizei, ich weiß, wovon ich rede, Anm.).

Ich finde, das Volkstheater verdient seinen Namen vor allem dann, wenn es gelingt, möglichst viele und möglichst unterschiedliche Menschen auf diesem Weg mitzunehmen. Wer in den vergangenen Monaten hier war, weiß, dass wir das aus Überzeugung mit einem extrem breiten stilistischen Spektrum versuchen: Hochvirtuoser Westend-Blödsinn hat hier genauso seinen Platz wie ein Haneke-Drehbuch als Multimedia-Thriller, Jura Soyfers hoffnungsvolle Untergangsstücke, die vor 100 Jahren heutige Krisen erspürten, eine queere Konversationskomödie und ein Ödipus, erzählt von zwei Frauen. Die 20 Schauspieler*innen unseres Ensembles sind dabei der rote Faden und das Kraftzentrum.

Eine andere Überzeugung ist, dass wir Haltung beziehen müssen und die Offenheit da aufhört, wo unsere Demokratie infrage gestellt wird. Diese Haltung spiegeln viele unserer Stücke wider, sie ist für uns ein Anlass, Theater zu machen. Ich bin mit meinem Team nach Wien gekommen, um die Wirklichkeit spielerisch zu untersuchen – wenn dabei manchmal auch eine erspielte Alternative zur Wirklichkeit aufscheint, umso besser. Neben elf Premieren haben wir in den vergangenen Monaten einen Dramatik-Preis für politische Komödie gegründet, das Volkstheater Bezirke als starke Bewegung in der Stadt weiterentwickelt, die Programmlinie Open House als Einladung für alle ins Leben gerufen, ein Schulnetzwerk aufgebaut und viel Diskurs und Party in der Roten Bar veranstaltet. Warum das alles? Um uns mit allen schon gewonnenen und allen potenziellen Theaterzuschauenden, mit Ihnen allen, gemeinsam auf Um- und Abwege zu begeben und uns gründlich und lustvoll zu verlaufen. Mitten in Wien.

Erschienen in
Bühne 01/2026

Zum Magazin

Redaktion
Mehr zum Thema
1 / 11