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Auf der Bühne essen? Geht gar nicht, so ein gängiger Theater-Aberglaube. Es sei denn, es gehört – wie bei der „Zauberflöte“ im Burgtheater – zur Inszenierung.

Auf der Bühne essen? Geht gar nicht, so ein gängiger Theater-Aberglaube. Es sei denn, es gehört – wie bei der „Zauberflöte“ im Burgtheater – zur Inszenierung.
Foto: Marcella Ruiz Cruz

Aberglaube im Theater: Da pfeift fast niemand darauf

Wissenswertes

Wer sich bei „Toitoitoi“ bedankt, auf der Bühne isst oder gar in Mantel und Hut auf die Bühne kommt, hat Schlimmstes zu befürchten. Viele dieser Rituale und Aberglauben haben sich bis heute gehalten. Doch woher kommen sie eigentlich?

„Von all den Spielarten des Theateraberglaubens nehme ich eigentlich nur eine einzige ernst: nie auf der Bühne pfeifen! Das stammt übrigens aus einer Zeit, als es noch Gasleuchten im Theater gab. Ein pfeifender Ton konnte einfach verraten, dass Gas aus einer defekten Leitung ausströmte. Da konnte das ‚Pfeifen‘ tatsächlich großes ­Unglück bedeuten“, erzählte uns Josefstadt-Ensemblemitglied Sandra Cervik vor einigen Jahren in einem Interview. Ein anderer möglicher Ursprung des bekannten Theater-Aberglaubens sei, dass sich die Bühnenarbeiter im Schnürboden früher mit Pfiffen verständigen mussten. „Und wenn jemand unten gepfiffen hat, hätte das fatale Folgen haben können, weil etwas ausgelöst wird“, berichtet Josef E. Köpplinger, Intendant des Münchner Gärtnerplatz Theaters, gegenüber BR Klassik.

„Grosse merde!“

Das Pfeifen auf der Bühne unweigerlich zu Unglück führt, ist jedoch nicht der einzige am Theater gängige Aberglauben. Wer sich hin und wieder in einem theatralen Umfeld bewegt, wird mit Sicherheit mitbekommen haben, dass man Schauspieler*innen vor der Vorstellung keinesfalls „Viel Glück“ wünscht. Stattdessen sagt man „Toitoitoi“ und darf sich als Schauspieler*in keinesfalls dafür bedanken. Eher heißt es: „Wird schon schiefgehen“, manche Künstler*innen antworten auch mit „Ich nehme es mit“ oder ähnlichem auf die am Theater übliche Glückwunschformel.

Anders sieht die Situation in Frankreich aus. In französischen Garderoben und Hinterbühnen wünscht man sich „Merde!“, also „Scheiße!“ und unter Umständen sogar „Grosse merde!“. Das rührt vermutlich daher, dass das Publikum vor den Theatern des 19. Jahrhunderts von Kutschen abgesetzt wurde, und dass die Menge der Pferdeäpfel, die sich so vor der Aufführung bildete, als Indikator dafür gesehen wurde, wie viele Menschen sich an diesem Abend wohl im Saal einfinden würden.


Nie in Mantel und Hut

Außerdem verpönt: Die eigene Garderobe auf der Bühne zu tragen – insbesondere Hut und Mantel. Eine Erklärung dafür findet sich im Jahrbuch der „Deutschen Oper für Freunde des Musiktheaters“ von 1996: Wenn früher fristlose Kündigungen ausgesprochen wurden, kam die Theaterleitung dafür in Hut und Mantel auf die Bühne. Es könnte aber auch etwas mit der großen, im Mittelalter bestehenden Symbolhaftigkeit der beiden Bekleidungsgegenstände zu tun haben.

Immer wieder entwickeln Schauspieler*innen auch eigene Rituale, die sie vor Vorstellungen konsequent durchziehen. „Zähneputzen“, meinte einmal Schauspieler Jonas Graber, der zuletzt im Stück „Moby Dick“ im Theater der Jugend zu sehen war.

„Ich bin eine ‚Bühnentigerin‘“, antwortete Sandra Cervik auf die Frage nach ihrem Bühnenritual. „Das heißt, solange der eiserne Vorhang noch herunten ist und die Kolleginnen und Kollegen noch in den Garderoben sind, gehe ich gerne intensiv die Bühne ab. Da versuche ich, die jeweilige Atmosphäre einzuatmen, und das stellt mich gut auf den bevorstehenden Abend ein.“

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