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Rebecca Nelsen als Konstanze in der Inszenierung der Volksoper Wien mit Murat Seven als Bassa Selim.

Rebecca Nelsen als Konstanze in der Inszenierung der Volksoper Wien mit Murat Seven als Bassa Selim.
Foto: Barbara Pálffy

Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang A. Mozart

Wiener Staatsoper
Ein Stück in einer Minute

„Gewaltig viele Noten“ habe das Singspiel, wurde einst angeblich kritisiert. Wer das sagte und worum es in jenem Werk, das bald als Nationaloper galt, geht, lesen Sie hier.


Inhalt

Der Edelmann Belmonte versucht, seine von Piraten verschleppte Geliebte Konstanze zu finden und zu retten. Sie ist auf einem Sklavenmarkt verkauft worden und gemeinsam mit ihrer Zofe Blonde und dem Diener Pedrillo in den Palast von Bassa Selim gekommen. Dieser macht Konstanze den Hof, doch sie will auf Belmonte warten. Osmin passt für Bassa Selim auf die Gefangenen auf und bedrängt Blonde. Die Frauen bleiben standhaft. Durch eine List gelingt es Pedrillo, Osmin mit Wein außer Gefecht zu setzen. Fast sind die vier Liebenden schon geflohen, machen ihnen Bassa Selim und Osmin doch einen Strich durch die Rechnung. Letztlich aber lässt Bassa Selim Gnade walten und macht mit der Befreiung die Ungerechtigkeit gegenüber den Paaren wieder gut.

Werkgeschichte

Wolfgang Amadeus Mozart hatte sich 25-jährig gerade aus dem Dienst des Fürsterzbischof Colloredo von Salzburg befreit – und sich von der väterlichen Fürsorge und Dominanz Leopold Mozarts entfernt –, als Kaiser Joseph II. im Zuge seiner Theaterreform bei ihm ein National-Singspiel in Auftrag gab. Gemeinsam mit dem Textautor Johann Gottlieb Stephanie kreierte Mozart „Die Entführung aus dem Serail“ basierend auf dem Stoff der Operette „Belmont und Constanze“ von Christoph Bretzner, wobei Mozart auch am Libretto mitarbeitete. „Ich freu mich recht auf diese Oper, muss ich Ihnen gestehen“, schrieb er an seinen Vater Leopold.

Aufführungsgeschichte

Ist es eine wahre Anekdote oder gut erfunden? „Gewaltig viele Noten, lieber Mozart“, soll der Kaiser Joseph II. gesagt haben, als er „Die Entführung aus dem Serail“ erstmals hörte. „Gerade so viele Noten, Euer Majestät, als nötig sind“, soll der Komponist geantwortet haben. Ob sich dieser Dialog nun so zugetragen hat oder nicht, ist nicht verbürgt. Die Worte des Kaisers stehen aber stellvertretend für manche Vorbehalte der Zeitgenossen. Das Singspiel, das am 16. Juli 1782 uraufgeführt wurde, soll wegen der komplexen Partitur und der musikalischen Überfülle nicht ausschließlich auf Wohlwollen gestoßen sein. Doch rasch wurde „Die Entführung aus dem Serail“ Mozarts zu Lebzeiten mit Abstand erfolgreichstes, an vielen Theatern nachgespieltes Stück. Eine bis heute ungebrochene Aufführungstradition nahm ihren Anfang. An der Wiener Staatsoper wurde dieses Singspiel von der Uraufführung bis zur Jahrtausendwende fast in jeder Saison gespielt.


Prominente Namen

Hinter der Zuneigung von Belmonte für Constanze im Stück steckt in Wahrheit Mozarts eigene große Liebe als Vorbild: Er hatte sich, als er das Werk komponierte, in Constanze Weber verliebt. Sie war die Schwester der Sopranistin Aloysia Weber, der er schon früher einen Heiratsantrag gemacht hatte, den diese jedoch abgelehnt hatte. Als er nach Wien kam, traf er die „Weberischen“ wieder und verguckte sich nun in Constanze. Allein die Mutter, Cäcilia Weber, gab nicht sofort ihre Einwilligung. Die Benennung der Hauptfigur in „Die Entführung aus dem Serail“ kommt also nicht von ungefähr, Belmontes Liebesschwüre dürften vom Komponisten tief empfunden gewesen sein. Kurze Zeit nach der Premiere heiratete Mozart Constanze.

Theresa Steininger
Autor
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