Wer ist Nils Arztmann?
Er hat bereits einen NESTROY im Regal, kommt heuer als junger Bruno Kreisky ins Kino, startet mit einer TV-Serie durch und ist der Shootingstar am Theater in der Josefstadt. Demnächst zu sehen in „SOPHIA oder Das Ende der Humanisten“ . Wer ist Nils Arztmann? Und wie tickt er?
Das versuche er selbst immer wieder herauszufinden, beantwortet Nils Arztmann sichtlich amüsiert die Frage, wer er eigentlich sei. „Und es ist jedes Mal schön, keine konkrete Antwort darauf zu finden.“ Fakt ist, dass der 26-jährige Schauspieler kaum jemanden kalt lässt. Weder als Kostja in „Die Möwe“ noch als Hugo in „Die schmutzigen Hände“ – und schon gar nicht in der Doppelrolle des behüteten Jungschauspielers Adam und des Strichjungen Leo in Matthew López’ siebenstündigem Homosexuellen-Generationen-Drama „Das Vermächtnis“. Die Szene, in der Adam Leo, Nils Arztmann also sich selbst, umarmt, zählt zum Berührendsten, was man seit Langem auf einer Bühne gesehen hat.
Für die Leistung im Stück wurde er 2025 hochverdient mit dem NESTROY als „Bester Schauspieler“ ausgezeichnet. „Als bei der Gala mein Name genannt wurde, dachte ich: Das ist absurd. Ich war noch nie so nervös auf einer Bühne wie an diesem Abend. Ich dachte nur: Ich will etwas sagen. Ich muss etwas sagen! Aber in diesem Moment war beinahe alles weg.“ Er schaffte auch spontan eine charmante Dankesrede. Das Schöne am Schauspiel sei, dass man für kurze Zeit eine Parallelwelt erschaffen könne.
„Man fällt erzählend in eine Geschichte hinein – und das überträgt sich bestenfalls auf alle anderen im Raum.“ Den Dingen auf den Grund gehen zu können, sei motivierend. Schon als kleines Kind habe er es geliebt, Geschichten erlebbar zu machen. „Die Vorhänge aufzuziehen und verkleidet aus dem Fensterrahmen zu springen, um etwas darzustellen, kam noch vor dem Lesen.“ Eltern und Großeltern nahmen ihn früh mit ins Theater. Reclamhefte seien für ihn fast ein Erweckungserlebnis gewesen. „Die bloße Existenz von Theaterliteratur hat mich fasziniert. Das Haptische. Und natürlich, dass ich alles, was mich interessiert hat, nachlesen konnte.“
Mit 12 Jahren kam er zu „gutgebrüllt“, dem Jugendensemble von Maria Köstlinger, die er bis heute „Theatermama“ nennt. „Meine erste Rolle war der Dicke Vetter im ,Jedermann‘. Wir sind mit einem Theaterwagen herumgereist und haben Peter Turrinis ,Der tollste Tag‘, Ödön von Horváths ,Geschichten aus dem Wiener Wald‘ oder Franz Molnárs ,Liliom‘ gespielt.“ Noch während des Zivildiensts sprach er am Max Reinhardt Seminar vor und wurde prompt genommen. Seit 2023 ist er Ensemblemitglied im Theater in der Josefstadt.
Als bei der Gala mein Name genannt wurde, dachte ich: Das ist absurd. Ich war noch nie so nervös auf einer Bühne wie an diesem Abend.
– Nils Arztmann, Schauspieler
KANZLER UND CLOWN
Neben der Bühnenarbeit macht sich Nils Arztmann kontinuierlich auch als Film- und Fernsehschauspieler einen Namen. 2026 kommt endlich das Biopic „Bruno – der junge Kreisky“ mit ihm in der Titelrolle ins Kino. Beinahe zeitgleich soll auch die neue ORF-Serie „Pflegeleicht“ starten. „Die Handlung ist in einem Krankenhaus angesiedelt und erinnert ein wenig an ,Scrubs‘. Wir sind alle junge Pfleger*innen in Ausbildung und durften beim Dreh viel im- provisieren. Ich spiele einen Sonnyboy und habe sogar eine Clownnummer.“
Vom Bundeskanzler in spe zum Kasperl. Ganz das Richtige für einen, dessen größte Angst darin besteht, er könnte im Beruf stagnieren. Weitere Filmprojekte stehen an, bedürfen aber noch der Verschwiegenheit. Dem Theater in der Josefstadt wird er trotzdem erhalten bleiben, auch unter der ab Herbst agierenden neuen Direktorin. Hier steht als nächste Premiere „SOPHIA oder Das Ende der Humanisten“ in den Kammerspielen an. In Moritz Rinkes gar nicht so futuresker Komödie (mehr dazu in der März-Ausgabe der BÜHNE) spielt Nils Arztmann einen nerdigen Informatiker, der vom analogen Leben träumt und – weil er sich am System des humanoiden Androiden Sophia zu schaffen macht – die Dinge ins Rollen bringt.
In Moritz Rinkes Stück schenkt sich der Wissenschaftler Wolfgang Bergmann zum 60er den humanoiden Androiden Sophia. Das Leben scheint wieder perfekt. Bis Sophias System beginnt, sich autonom umzuprogrammieren, und das harmlose Experiment zusehends außer Kontrolle gerät.
MEISTERHAFTER SPIELER
Als Jugendlicher war Nils Arztmann Kärntner Meister im Schach und nahm an mehreren Europameisterschaften teil. „Ich habe damit aufgehört, weil es ein Einzelsport ist, bei dem einem die sozialen Kontakte wegbrechen. Schach ist so zeitaufwendig, dass man schnell raus ist aus dem Leben.“ Das rationale, analytische, mathematische Denken ist ihm geblieben. Er setzt es heute nur anders ein.
„Ich habe mit drei Freund*innen ein Brettspielteam gegründet. Wir sind bereits zweifache österreichische Meister, bei der EM im Oktober 2025 haben wir Platz sechs geschafft, und in der individuellen Wertung bin ich auf Platz eins gelandet.“ Wow. Mit Glück hat das aber nichts zu tun. Drei Monate vor einem Turnier erfährt man, welche vier Brettspiele zum Einsatz kommen werden. Auf diese bereitet sich jedes Team dann akribisch vor. „Man muss sich Strategien überlegen, um ein Spiel zu knacken.“ Was bringt ihm das? Nils Arztmann lacht. „Man verbringt lustige Abende, an denen man gemeinsam tüfteln kann. Und man hat mal eine Auszeit vom Theater.“
Hier geht es zu den Spielterminen von „SOPHIA oder Das Ende der Humanisten“ in den Kammerspielen der Josefstadt!