20 Jahre in 2 Stunden
Alle einsteigen, bitte! Am 27. Juni blickt das Ensemble mit der Theaterrevue „Station Josefstadt“ auf die letzten 20 Jahre zurück. Pointiert, herzlich, ehrlich. Kimberly Rydell und Claudius von Stolzmann fungieren als ideengebende Zeremonienmeister.
Eine Ankunftshalle. Ein Kommen und Gehen. Reisende tauschen sich aus. Über ihre bisherige Fahrt. Unter ihnen sowohl Figuren aus Stücken, Schauspieler*innen als auch Publikumsmitglieder. Einer erzählt von seinem Leben im „Wald“. Die andere schwärmt vom „Mädel aus der Vorstadt“. Eine weitere schildert erschöpft vom „Warten auf Godot“. Liebevoll, aber nicht selbstgefällig. Kein Eigenlob, nur dankbarer, ehrlicher Rückblick. Vom Ensemble. Für uns. Die Josefstadt. Fiktiv. Mit distanziertem Blick auf wahre Begebenheiten. Humorvoll und bodenständig. So steht es auf der Homepage des Theaters zu lesen, wenn man „Station Josefstadt“ anklickt.
„Das Ziel ist, ein spielfreudiges Memorandum entstehen zu lassen“, erklärt Claudius von Stolzmann diesen besonderen Abend. „Wir versuchen, uns daran zu erinnern, was in den letzten zwanzig Jahren alles passiert ist.“ Das bedeute, so Kimberly Rydell: „Es ist ein Zusammenkommen aller Beteiligten des Kosmos Theater, an einem fiktiven Bahnhof, um sich über Vorkommnisse der Josefstädter Theaterwelt zu unterhalten.“ Komisches habe dabei genauso Platz wie Tragisches. Bei 288 Premieren, die es in den vergangenen zwei Dekaden in der Josefstadt gegeben habe – Sonderveranstaltungen noch gar nicht mitgezählt – sei das Füllhorn prall gefüllt, so Claudius von Stolzmann. Von ihm stammt der Impuls für diesen Abend. Er hat dann Kimberly Rydell „als weitere kreative Kraft mit ins Boot geholt“, wie sie selbst erklärt. Sie verfasst das Buch, die künstlerische Leitung obliegt Claudius von Stolzmann.
Warum das Ganze? „Weil ich eine alte Kitschnudel bin, wie ich ehrlich zugeben muss. Ich bin nun seit neun Jahren an diesem Haus und habe in dieser Zeit unweigerlich eine intensive Verbindung zu vielen Menschen, mit denen ich direkt oder indirekt zusammengearbeitet habe, aufgebaut. Und ich habe bei vielen Kolleg*innen den Wunsch gespürt, auf diesen letzten Metern der Intendanz Föttinger noch etwas Besonderes zu machen. Das kommt ganz klar vom Ensemble, nicht von der Direktion“, so Claudius von Stolzmann.
Kimberly Rydell ist noch nicht so lange am Theater in der Josefstadt. „Dass ich recht neu bin, empfinde ich beim Schreiben aber als großen Vorteil, weil ich eine größere Distanz habe und dadurch mehr Objektivität reinbringen kann. Mir macht es wahnsinnig Spaß, kreativ sein zu dürfen, und die Intention hinter diesem Stück – denn ein solches ist es – ist einfach schön. Bei einem Beruf, in dem man häufig gebeten wird, Visionen anderer auszuüben, und dann die Chance und das Vertrauen bekommt, eigene Ideen umzusetzen, ist es nahezu unmöglich, Nein zu sagen.“ Zum Glück.
KNACKIGE PRODUKTION
Anfang März kam die Zusage für „Station Josefstadt“ – zwei Wochen später war klar, dass genügend Menschen daran teilhaben wollten. „Und zwar nicht nur Schauspieler*innen, sondern auch Techniker*innen, Maskenbildner*innen und andere Mitarbeiter*innen. Eine Souffleuse und eine Regieassistentin werden wahrscheinlich zum ersten Mal selbst auf der Bühne stehen, ein weiterer Regieassistent hat uns seine Dienste angeboten, Leute aus den Kammerspielen nehmen sich extra frei, um am 27. Juni im Theater in der Josefstadt mithelfen zu können.
Um das Projekt auf die Beine zu stellen, haben wir alle Ressourcen des Theaters zur Verfügung gestellt bekommen. Die Kostümabteilung fragt zum Beispiel: ,Was braucht ihr für Kleider? Wollt ihr ein Originalkostüm von diesem oder jenem Stück? Dann sagt uns Bescheid.‘ Diese Hilfe ist enorm. Es ist wundervoll, wie viel Unterstützung wir erfahren“, erzählt Claudius von Stolzmann, der mit allen auf der Bühne Stehenden vorab lange Interviews geführt hat. Viel Zeit zum Proben wird auch nicht bleiben, da alle Beteiligten ja noch fix in der Theatermaschinerie eingespannt sind.
„Die Dramaturgie war ebenfalls sehr hilfreich“, ergänzt Kimberly Rydell, „aus dieser Abteilung haben wir nicht nur eine lange Best-of-Liste der Produktionen erhalten, denn in zwanzig Jahren großer kreativer Bemühungen gibt es sowohl Highlights als auch Lowlights. Die gehören ebenfalls zu diesem Kosmos.“ Auch zahlreiche Kritiken und insgesamt 90 Seiten Publikumsmeinungen in Form von Briefen standen dem Kreativduo zur Verfügung.
„Zuschauer*innen haben ja oft noch einmal ganz andere Probleme“, so Claudius von Stolzmann, „zum Beispiel, dass der Nachbar stinkt und man sich deshalb nicht konzentrieren kann.“ Auch solches zähle zum Planeten Josefstadt. Man darf sich also auf einen kurzweiligen Abend freuen und sollte sich aufgrund der Einmaligkeit des Ereignisses wohl rasch Karten besorgen. Wer ist eher geneigt, am 27. Juni ein Tränchen zu verdrücken? „Wahrscheinlich ich“, so Claudius von Stolzmann. „Wenn ich mir vorstelle, mit wie viel Liebe hier 30 Kolleg*innen auf der Bühne zugange sind und wer aller im Publikum sitzt, werde ich schon emotional.“
Und Kimberly Rydell? „Ich finde es schön, dass das Letzte, was wir gemeinsam in dieser Konstellation machen, keine Dernière ist, sondern eine einmalige große Umarmung.“
TONIO ARANGO
RAPHAEL VON BARGEN
ROBERT JOSEPH BARTL
SABRINA BERGER
MARCUS BLUHM
SANDRA CERVIK
MICHAEL DANGL
MARTINA EBM
MELANIE HACKL
ALMA HASUN
ANDREA JONASSON
MARKUS KOFLER
MARIA KÖSTLINGER
ALEXANDRA KRISMER
JULIETTE LARAT
MARIKA LICHTER
SONA MACDONALD
ULLI MAIER
LAURA MANCUSI
EVA MAYER
SILVIA MEISTERLE
MARIANNE NENTWICH
MARTIN NIEDERMAIR
DOMINIC OLEY
VALENTIN PANHANS
ANDRÉ POHL
JULIAN VALERIO REHRL
TOBIAS REINTHALLER
KIMBERLY RYDELL
JOHANNES SEILERN
KATHARINA STRASSER
CLAUDIUS VON STOLZMANN
MARTIN ZAUNER
Alle Informationen zu "Station Josefstadt" finden Sie hier!