Zum Inhalt springen

Felix Metzner kann Bühnenbild, Videodesign und Regie. Seit Jahren arbeitet er erfolgreich am Theater der Jugend, ist aber auch am Burgtheater tätig. Für die BÜHNE posierte er auf der Wiener Neubaugassse, unweit des Theater der Jugend.

Felix Metzner kann Bühnenbild, Videodesign und Regie. Seit Jahren arbeitet er erfolgreich am Theater der Jugend, ist aber auch am Burgtheater tätig. Für die BÜHNE posierte er auf der Wiener Neubaugassse, unweit des Theater der Jugend.
Foto: Atha Athanasiadis

Sechs Fragen an den Regisseur: Wie macht man Kindertheater?

Theater der Jugend

Man kann Kindern bei Theateraufführungen mehr zumuten, als man denkt, sagt Regisseur Felix Metzner. Shakespeare eignet sich zum Beispiel besonders gut für Kinder.

Wie bekommt man die Aufmerksamkeit von Kindern? Wie vermittelt man Kindern schwierige Themen im Theater? Und wie unbarmherzig sind Kinder als Publikum? Kaum jemand ist besser geeignet darüber Auskunft zu geben als Regisseur Felix Metzner. Er inszeniert seit Jahren am Theater der Jugend in Wien. In dieser Woche hat zum Beispiel "Das große Shakespeare-Abenteuer" Premiere, bei dem er Regie führt. Der 36-Jährige ist aber auch im Burgtheater als Regieassistent tätig, zuletzt in Franzobels Adaptierung von "Der Leichenverbrenner".

BÜHNE: Eignet sich Shakespeare für Kinder?

Metzner: Das würde ich schon sagen! Das sind ja sehr zeitlose Themen und er transportiert sie so, dass für alle Altersgruppen etwas dabei ist. Er erschuf Ebenen und Figuren, die sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene spannend sind.

Schreien, freuen, langweilen

Wer ist kritischer: Kinder oder Erwachsene?

Auf jedenfall Kinder. Die sind nicht so höflich und zeigen unmittelbar ihre Meinung und ihre Emotionen: Freude, Angst oder Langeweile. Und sie schreien auch und rufen dazwischen.

Wie hält man das Interesse von Kindern im Theater?

Wichtig ist zunächst einmal eine gute Geschichte. Beim Theater ist sie für Kinder vielleicht wichtiger als für viele Erwachsene. Die Szenen müssen zudem ein gewisses Tempo haben. Das muss nicht immer Geschwindigkeit bedeuten. Es kann auch sein, dass man sich bewusst für einen Moment Zeit nimmt. Und die Konflikte und die Figuren müssen klar hervortreten, damit sich die Kinder gut mit ihnen identifizieren können.

Gute Geschichten und klare Charaktere

Ist Theater für Kinder einfacher zu inszenieren?

Das würde ich nicht sagen. Denn man ist beim Theater für Kinder mit anderen Aspekten konfrontiert. Kinder haben oft eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne, sind kritischer in ihrer unmittelbaren Äußerung. Die Inszenierung muss gut durchgebaut und strukturiert sein, damit ihnen nicht langweilig wird.

Man kann Kindern im Theater mehr zumuten, als man oft denkt."

Wurden Sie von den Kindern schon einmal überrascht, wie sehr sie bei Aufführungen mitfiebern?

Ich bin oft überrascht, wie gut Kinder Konstellationen gleich verstehen. Die Dramaturgen zweifeln vielleicht noch, ob zum Beispiel Sechsjährige ein bestimmtes Thema oder Dynamiken verstehen. Aber da sind die Kinder meistens viel wacher als man denkt. Das gilt auch für Erwachsenenthemen. Wir haben zum Beispiel die „Weiße Rose“ mal auf die Bühne gebracht. Da waren die Kinder auch sehr nah dran. Ich glaube, man kann Kindern im Theater mehr zumuten, als man oft denkt.

Apropos zumutbar: Wie geht man beim Theater für Kinder mit schweren Themen wie dem Tod um?

Gerade wenn es den Kindern nahestehende Figuren sind und Vater- oder Mutterfiguren oder etwa auch Tiere sterben, dann wird es schwierig. Ich denke da zum Beispiel an das Pferd in der Unendlichen Geschichte. Wir haben im Theater der Jugend Theaterpädagoginnen, die bei der Umsetzung mitarbeiten. Zudem gibt es auch oft Gespräche vor oder nach Aufführungen.

Zur Person: Felix Metzner

Alter 36
Wohnort: Wien
Er kommt aus Nürnberg. Metzner arbeitet als Regisseur, Bühnenbildner und Videodesigner seit Jahren für das Theater der Jugend. Zudem inszeniert er am Wiener Burgtheater.

Karten und Termine

„Das große Shakespeare-Abenteuer“ (ab 6 Jahren), 9. Oktober bis 21. November 

Theater der Jugend

Weiterlesen: Herr Birkmeir, wie bekomme ich mein Kind vom Handy weg?

Julia Schilly
Autor
Mehr zum Thema
  • Theater der Jugend
    Wo Gras wächst, ist Hoffnung
    Es summt und brummt auf der ins Renaissancetheater gezimmerten Wiese. Regisseur Peter Lund und sein...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Wiener Staatsoper
    Wenn das Licht mitdenkt
    Es ist die Mischung aus Tradition und Innovation, aus Handwerk und Hightech, die die Oper lebendig...
    Von Atha Athanasiadis
  • Theater in der Josefstadt
    Die Bühne. Ein Leben.
    Marianne Nentwich gehört dem Ensemble des Theaters in der Josefstadt seit 62 Jahren an. Nun...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Volkstheater
    In neuem Licht
    Die Musicbanda Franui und der Circa Contemporary Circus laden an zwei Abenden dazu ein, die...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Burgtheater
    4 Fragen an Roman Senkl
    In „Solaris“ wird der Psychologe Kris Kelvin auf einen Planeten geschickt, der Lebewesen...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Festspiele Reichenau
    Kleiner Prinz, große Magie
    Antoine de Saint-Exupérys Erzählung „Der kleine Prinz“ ist eine Aufforderung, die...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Johanna Lakner
studierte Fashion
und Visual Arts, ehe
sich ihr Interesse
in Richtung Theater
und Oper verlagerte.
    Festspiele Reichenau
    Jedes Stück braucht ein Zuhause
    Johanna Lakner verantwortet Bühne und Kostüm für Joseph Roths „Die Legende vom heiligen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Festspiele Reichenau
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
1 / 12