Zum Inhalt springen

Am 23. Juli feiert Franz-Xaver Mayrs Inszenierung des „Reigen“ bei den Festspielen Gmunden Premiere.

Am 23. Juli feiert Franz-Xaver Mayrs Inszenierung des „Reigen“ bei den Festspielen Gmunden Premiere.
Foto: Alexis Pelekanos

Reigen von Arthur Schnitzler

Ein Stück in einer Minute

Arthur Schnitzlers „Reigen“ führte zu einem der größten Skandale der Theatergeschichte. Das von Schnitzler selbst ausgerufene Aufführungsverbot wurde erst 1982 aufgehoben.


Inhalt

Die Dirne und der Soldat, der Soldat und das Stubenmädchen. Später die Schauspielerin und der Graf, am Ende der Graf und wieder die Dirne, sodass der Kreis sich schließt: Arthur Schnitzlers „Reigen“ schildert, wie fünf Frauen und fünf Männer flirten, einander näherkommen. Was folgt, sind Gedankenstriche anstatt der Beschreibung des sexuellen Akts, wobei die Lust auf Beischlaf ebenso zur Sprache kommt wie die Ernüchterung danach. Gleichzeitig beschreibt Schnitzler in den Szenen auch die doppelbödige Sexualmoral der Wiener Gesellschaft der Jahrhundertwende: Damals sollten die Stubenmädeln zum Amüsement der jungen Herren da sein. Ehefrauen setzten mit Seitensprüngen ihre bürgerliche Existenz aufs Spiel. Schnitzler deckte somit auch soziale und moralische Missstände auf.


Werkgeschichte

Bereits im Winter 1896/97 verfasste Arthur Schnitzler das Stück, das er selbst jedoch für „undruckbar“ und für etwas „Unaufführbares“ hielt. Da auch sein Verleger und dessen Anwalt den Vorwurf der „Unsittlichkeit“ scheuten, wurde das ursprünglich „Liebesreigen“ genannte Werk 1900 unter dem Titel „Reigen“ vorerst nur im Privatdruck herausgebracht. Tatsächlich sorgte das Buch für großes Aufsehen, wurde beschlagnahmt – und später umso erfolgreicher.


Aufführungsgeschichte

Die Uraufführung von „Reigen“ fand 1920 in Berlin statt, obwohl das Stück vorübergehend gerichtlich verboten wurde. Als es 1921 in Wien erstmals auf die Bühne kam, sorgte es für einen Medienrummel und einen handfesten Skandal. Wohl einen der größten in der Theatergeschichte überhaupt. Tumulte, Saalschlachten und Beschimpfungen, nicht zuletzt antisemitischer Natur in Richtung Schnitzler, waren die Folge. Auch zu einer Anklage wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses kam es. Ein in der Folge von Schnitzler selbst auferlegtes Aufführungsverbot wurde erst 1982 aufgehoben. Seither erfreut sich das Stück großer Beliebtheit.


Prominente Namen

Arthur Schnitzler unterhielt bis kurz vor Verfassen des „Reigens“ eine Affäre mit der bekannten Burgtheater-Schauspielerin Adele Sandrock, die wohl in der Figur der Schauspielerin Niederschlag fand. Den Typus des „süßen Mädels“ gibt es in zahlreichen seiner Werke. Sigmund Freud fand eigene Beobachtungen und Gedanken sichtlich im „Reigen“ wieder: Denn er gestand in einem Brief an Schnitzler, dass er diesen als eine Art literarischen Doppelgänger seiner selbst sehe. Schnitzlers Werke waren immer wieder für einen Skandal gut. Auch der Selbstmord eines Soldaten in „Leutnant Gustl“ und jener von „Fräulein Else“ sorgten für solche.

Theresa Steininger
Autor
Mehr zum Thema
  • Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Glückliche Heimkehr
    Als Harras in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ erlebte Stefan Jürgens nach vielen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • 20 Jahre in 2 Stunden
    Alle einsteigen, bitte! Am 27. Juni blickt das Ensemble mit der Theaterrevue „Station...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Theater ohne Auffangnetz
    Stefan Zweigs Novelle „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ ist eine Geschichte über den...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Theater ist ein One-Taker
    Kristina Sprenger über Theater im Sommer, gesellschaftliche Verantwortung und die Unsterblichkeit...
    Von Atha Athanasiadis
  • Unter Tieren
    Selbst die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern: Die Welt geht vor die Hunde und der freie...
    Von Sarah Wetzlmayr
1 / 12