Zum Inhalt springen

Das Unsägliche zeigen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs feiert die NS-Elite im burgenländischen Rechnitz ein rauschendes Fest. Im Zuge dieser Nacht werden 180 jüdische Zwangsarbeiter erschossen. Das Theater in der Josefstadt zeigt das Stück in der Saison 2021/2022.

Das Unsägliche zeigen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs feiert die NS-Elite im burgenländischen Rechnitz ein rauschendes Fest. Im Zuge dieser Nacht werden 180 jüdische Zwangsarbeiter 
erschossen. Das Theater in der Josefstadt zeigt das Stück in der Saison 2021/2022.
Foto: Philine Hofmann

Rechnitz (Der Würgeengel) von Elfriede Jelinek

Ein Stück in einer Minute

Elfriede Jelinek setzt mit ihrem Stück Rechnitz (Der Würgeengel) dem kollektiven Verschweigen und Verdrängen einen sprachgewaltigen und eindringlichen Text entgegen.


Inhalt

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, die Rote Armee stand bereits vor der Tür, feiert die Gräfin Batthyány im burgenländischen Rechnitz ein großes Fest, bei dem auch ranghohe NSDAP-Mitglieder dabei sind. Im Laufe des Abends werden Waffen verteilt und 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter erschossen. Bis heute ist nicht geklärt, wie der Tathergang genau war. Zeugen wurden ermordet, die Bevölkerung schwieg und vertuschte. Elfriede Jelinek setzt sich in ihrem Werk, in dem auch zahlreiche Zeitzeugen zu Wort kommen, just mit dem Verschweigen und Verdrängen auseinander.

Werkgeschichte

Jelinek baut das Werk über das Massaker von Rechnitz, das bis heute ungeklärt ist, so auf, dass fünf Boten erzählen. Deren Aussagen widersprechen sich auch und weisen immer wieder darauf hin, dass man doch nichts gesehen habe. Auch Luis Buñuels surrealistischer Film „Der Würgelengel“ diente ihr als Basis. Jelinek bekam für ihr Werk 2009 den Mülheimer Dramatikerpreis zugesprochen.

Aufführungsgeschichte

„Rechnitz (Der Würgeengel)“ wurde 2008 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Jelinek-Spezialist Jossi Wieler führte Regie. Zuerst hatte Jelinek eine Aufführung in Österreich nicht erlaubt. Die österreichische Erstaufführung fand dann 2012 am Schauspielhaus Graz statt. 2016 brachte Miloš Lolić eine Inszenierung am Volkstheater Wien heraus.


Prominente Namen

Elfriede Jelinek wurde 1946 in Mürzzuschlag geboren. 2004 erhielt sie den Literaturnobelpreis. All ihre Werke sind von sprachlicher Wucht und von dem Aufzeigen gesellschaftlicher und politischer Missstände gekennzeichnet.

Die Gräfin Margit von Batthyány, die Hauptfigur in Rechnitz (Der Würgeengel), stammte aus der Industriellenfamilie Thyssen-Bornemisza. Ihr Schloss in Rechnitz wurde während des Zweiten Weltkriegs als Erholungsort für Mitglieder der Waffen-SS genutzt. Nach dem Einmarsch der Roten Armee floh sie in die Schweiz. Nach dem Krieg wurde sie der Mittäterschaft verdächtigt. Es wurde aber nie Anklage erhoben.

Weiterlesen: Ein Stück in einer Minute: Tristan und Isolde von Richard Wagner

Theresa Steininger
Autor
Mehr zum Thema
  • Unter Tieren
    Selbst die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern: Die Welt geht vor die Hunde und der freie...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Reichenau Calling
    Moritz Mausser langweilt sich schnell. Das eint ihn mit seiner Rolle in „Die Fledermaus“. Warum...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Heavy Rotation
    Die Fassade bröckelt, alles dreht und verändert sich. Da hilft nur: zu berauschenden Klängen ein...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Maria Happel, Reichenau-Intendantin, Volksschauspielerin.
    Die Frau Chef
    Maria Happel hat in Reichenau ein kluges, elegant-feines Programm zusammengestellt. Stars treffen...
    Von Atha Athanasiadis
  • Ab ins Grüne
    Gras anfassen? Für Regisseurin Claudia Waldherr kein Problem. Das Bühnenbild ihrer Inszenierung...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Stimmungsbild
    In „Mythen des Alltags“ verdichten Regisseur Mattias Andersson und Dramaturg Tobias Schuster...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Der Ton macht die Macht
    Was haben Macht und Musik miteinander zu tun? In „Das tragische Schicksal der Sonate Nr. 2“...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Die Cervik
    Ein sehr persönliches Gespräch mit Sandra Cervik über Erschöpfung, Ausbruch und Weltangst,...
    Von Atha Athanasiadis
1 / 12