Der Kapitalismus hat ein dickes Fell
Wie dick es tatsächlich ist, überprüft Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in ihrem jüngsten Theatertext „Unter Tieren“. Bevor Regisseur Nicolas Stemann das Stück in Salzburg auf die Bühne bringt, gibt es im Burgtheater eine Urlesung mit dem Ensemble.
Vor der Premiere von „Unter Tieren“ bei den Salzburger Festspielen und der Wien-Premiere im September im Burgtheater gewährt Regisseur Nicolas Stemann bereits einen kleinen Einblick in seinen Theaterzauberkasten. Das gesamte Ensemble der Produktion wird Elfriede Jelineks jüngsten Theatertext von der ersten bis zur letzten Zeile lesen. Wer sich nun eine Lesung im klassischen Sinn vorstellt, liegt jedoch mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit weit daneben. Gemeinsam mit dem Ensemble wird der Regisseur und Jelinek-Spezialist live auf der Bühne stehen, das Geschehen anleiten und auch Musik machen. Das bedeutet: Alles war hier passiert, ist spontan und unberechenbar. Landet ein Helikopter auf der Bühne? Marschiert eine riesige Blaskapelle durchs Bild? Reitet Branko Samarovski einen Elefanten? (Noch) ist alles offen.
Sicher ist nur, dass es sich bei der Urlesung am 27. Mai im Burgtheater um ein einmaliges und daher unwiederholbares Ereignis handelt. Wer 2009 dabei war, wird sich jetzt vielleicht an die Urlesung der „Kontrakte des Kaufmanns“, ebenfalls geschrieben von Elfriede Jelinek, erinnern können. Damals brachte Nicolas Stemann den Text vor der Uraufführung in Köln auf die Bühne des Akademietheaters. BÜHNE-Kolumnistin Angelika Hager denkt voller Freude an den Abend zurück: „Herrlich waren die Zeiten, als im Akademietheater die Gang rund um den Regisseur Nicolas Stemann eine Mammut-Jelinek-Lesung veranstaltete, die man immer wieder mit einem Kantinenbesuch unterbrechen konnte.“