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Verena Holztrattner ist Regisseurin. Zuletzt inszenierte sie die Uraufführung des Stückes „Bleib“ im Schauspielhaus Salzburg, das „NEINhorn“ am Landestheater Niederösterreich und „Dschabber“ an den Vereinigten Bühnen Bozen.

Verena Holztrattner ist Regisseurin. Zuletzt inszenierte sie die Uraufführung des Stückes „Bleib“ im Schauspielhaus Salzburg, das „NEINhorn“ am Landestheater Niederösterreich und „Dschabber“ an den Vereinigten Bühnen Bozen.
FOTO: CHRISTIAN BORCHERS

Sechs Fragen an Verena Holztrattner

Interview

In Felicia Zellers temporeichem Stück „Der Fiskus“ kommen die Figuren mehrfach in Steuererklärungsnot. Regisseurin Verena Holztrattner bringt den lustvoll mit Sprache umgehenden Text ab 8. Mai im Schauspielhaus Salzburg auf die Bühne.

BÜHNE: Ein Finanzamt ist nicht gerade das naheliegendste Setting für ein Theaterstück. Was ist das Spannende an diesem Ort, wie Felicia Zeller ihn beschreibt?

HOLZTRATTNER: Das Finanzamt ist, gelinde gesagt, kein Sehnsuchtsort. Zeller lädt das Publikum dazu ein, in eine Welt einzutauchen, mit der wir als Steuerzahler*innen zwar alle zu tun haben, die wir aber für gewöhnlich. Das Amt, in dem sich Zellers Figuren, allesamt Finanzbeamt*innen, bewegen, wird im Stück als eine heruntergekommene Bruchbude, eine glorifizierte Baustelle beschrieben – eine interessante Metapher für ein fehlerhaftes oder zumindest fehlbares Steuersystem, in dem Bürokratie einen größeren Stellenwert einnimmt als Steuergerechtigkeit.

BÜHNE: Gibt es so etwas wie einen roten Faden?  

HOLZTRATTNER: Das Stück ist sehr episodenhaft, man stolpert von einem Büro ins nächste, beziehungsweise von einer fehlerhaften Steuererklärung zur nächsten. Es gibt wiederkehrende Handlungsstränge, einen großangelegten und millionenschweren Steuerbetrug – Stichwort Cum-Ex-Skandal –, zum Beispiel; aber das Stück lebt vor allem von den vielen kurzweiligen Episoden, den schnellen Wechseln, die sowohl die Spielende als auch die Figuren gekonnt an die Grenze zur Überforderung treiben. Die Regie im Übrigen auch.

BÜHNE: Welche Themen treiben die Figuren im Stück um?

HOLZTRATTNER: Im Zentrum des Stücks stehen in unserer Fassung vier Finanzbeamt*innen, die sich mit sehr unterschiedlichen Mitteln und Motivationen an den kontinuierlich eingehenden Steuererklärungen, aber auch an der Bürokratie, in der sie gefangen sind, abarbeiten. Während Reiner und Elfi, das junge Ehepaar im Büro, sich in erster Linie dafür begeistern, Steuerschlupflöcher ausfindig zu machen, um die eigenen Finanzen aufzustocken, blüht die Dienstälteste Bea erst richtig auf, wenn sie Steuerbetrug wittert. Die Leiterin und selbst ernannte Social- Media-Expertin des Büros, Nele, strebt höhere Ziele an: Sie möchte das Finanzamt zu einem, wie sie sagt, „sexy“ und wirtschaftlich lukrativen Betrieb machen. Von einem verstaubten Büroalltag kann im „Fiskus“ jedenfalls nicht die Rede sein.

BÜHNE: Wie würden Sie die Sprache beschreiben?

HOLZTRATTNER: Die Sprache der Figuren ist stark rhythmisiert und wirkt dadurch oft künstlich. Wenn sich die Finanzbeamt*innen nicht gerade selbst unterbrechen – kaum ein Satz wird zu Ende gesprochen – wiederholen sie ihre Gedanken gerne einmal über mehrere Absätze hinweg in leichten Variationen. Je näher wir die Figuren in den Proben kennenlernen, desto nachvollziehbarer wird ihr Sprachgebrauch. Wer hat schon Zeit einen Satz zu beenden, wenn die nächste große Erkenntnis, das nächste Ärgernis, die nächsten mit „Fett- und Kaffeeflecken übersäten“ Steuererklärungen nahen?

BÜHNE: Und den Humor?

HOLZTRATTNER: Der Humor entsteht für uns vor allem durch die Ernsthaftigkeit, mit der die Figuren ihre persönlichen Ziele verfolgen: sei es der berufliche Aufstieg, die Jagd nach Steuerbetrüger*innen oder nach privatem Profit – den Figuren geht es immer um alles. Wir haben entschieden, das Finanzamt als ein geschlossenes Universum zu zeigen, in dem Zellers Finanzbeamt*innen weitestgehend unter sich bleiben. Das ermöglicht einen sehr konzentrierten Blick auf die Figuren und ihren teils sehr absurden Alltag im Amt. Man kann ihnen ganz unvermittelt dabei zusehen, wie sie sich nicht nur an Aktenbergen, sondern auch an ihren eigenen Sehnsüchten abarbeiten.

BÜHNE: Kann man sich das Stück auch anschauen, wenn man Angst davor hat, Post vom Finanzamt zu öffnen?

HOLZTRATTNER: Unbedingt. Sonst könnte ich es gar nicht inszenieren …

Weitere Informationen finden Sie hier

Erschienen in
Bühne 05/2026

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Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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