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Nico Dorigatti ist seit dieser Spielzeit in "Warten auf Godot" im Theater in der Josefstadt zu sehen.

Nico Dorigatti ist seit dieser Spielzeit in "Warten auf Godot" im Theater in der Josefstadt zu sehen.
Foto: Anna Breit/Max Reinhardt Seminar

Nico Dorigatti: In der Naturgewalt Becketts

Theater in der Josefstadt

Im Wechselbad der Gefühle zwischen dem Ende seines Schauspielstudiums und auf der Bühne in der vielgelobten Inszenierung „Warten auf Godot“ im Theater in der Josefstadt – der junge Schauspieler Nico Dorigatti schafft den Spagat. Über die Herausforderungen seiner Rolle „Lucky“ und die Zusammenarbeit mit Regisseur Claus Peymann.

Es ist ein Dienstagabend in Wien-Penzing. Wir folgen Nico Dorigatti, der sich einen Abend für uns Zeit genommen hat, und uns durch die verschiedenen Räumlichkeiten des Max-Reinhardt-Seminars führt. Währenddessen schalten sich im Gebäude nach und nach die Lichter aus.

Wir betreten mit Dorigatti einen Raum, die hohen Wände sind geschmückt von Ornamenten, in der Mitte hängt ein Kronleuchter. Der junge Schauspieler deutet auf zwei Zitate, die an den Wänden links und rechts stehen. Das linke zitiert: „Nicht Verstellung ist die Aufgabe des Schauspielers, sondern Enthüllung.“ Beide sind von Max Reinhardt, der die Schauspielschule 1928 gründete.

Respekteinflößend. So hat er diesen Raum wahrgenommen, als er hier zum ersten Mal hereinkam, erzählt uns Dorigatti. Und das zu recht: Hier kommen Jahr für Jahr aufstrebende Jungschauspieler*innen her, um ihr Glück bei der Aufnahmeprüfung des Max Reinhardt-Seminars zu versuchen.

Von Leidenschaft zum Beruf

Wir gehen weiter durch die Gänge, Räume und Theatersäle. Dabei erzählt Nico Dorigatti uns gestikulierend einige Anekdoten. Man merkt, da steckt viel Leidenschaft in seinen Erzählungen. Vier Jahre hat der 2001 geborene Schauspieler bereits hier verbracht. Es ist sein letztes Jahr an der renommierten Schauspielschule.

Interesse für Schauspiel hegte Dorigatti bereits in jungen Jahren und trat während der Volksschulzeit in Schulmusicals auf. In seiner Jugend begann er in diversen freien Gruppen zu inszenieren und selbst Theatertexte zu schreiben. Nach der Matura entschloss er sich, dem Schauspielberuf einen Versuch zu geben – und erhielt sofort einen Platz am Max-Reinhardt-Seminar. Und danach? „Mal sehen, was auf mich zukommt.“

Dabei könnte man eigentlich meinen, dass Dorigatti bereits einen Fuß in der Tür hat. Immerhin ist der gebürtige Wiener Neustädter derzeit in „Warten auf Godot“ im Theater in der Josefstadt zu sehen.

Beckett als Naturgewalt

Nico Dorigatti verkörpert im Beckett-Stück den Knecht Lucky. Von der Kritik kamen bereits zahlreichende lobende Stimmen, dennoch bleibt der Schauspieler bescheiden. „Ich glaube, dass der Text von Beckett, der so komplex und facettenreich geschrieben ist, wie eine Naturgewalt daherkommt, der sowohl Spieler als auch Publikum gleichermaßen überwältigt und einsaugt. Ich denke, dass schon allein der Text einen großen Eindruck machen kann“, meint er.

Hin und wieder hält Dorigatti beim Reden inne. In der Stille, die folgt, spürt man die Bedachtheit, mit der er seine Formulierungen wählt.

Übrigens führt niemand geringerer als Claus Peymann in „Warten auf Godot“ Regie. Wie er die Zusammenarbeit mit dem Großmeister des Theaters beschreiben würde? „Abenteuerlich bis zum Schluss und intensiv bis zur letzten Minute vor der Premiere. Aber überraschend – und das sage ich mit dem größten Respekt – inspirierend und frisch. Man begegnet da einem Menschen, der mit jeder Faser im sogenannten hohen Alter für das Theater brennt und diese Liebe mit allen Mitteln verteidigt.“

Auch für seine Figur Lucky findet er gute Worte. „Ich habe noch nie eine Figur gespielt, die in jeder Facette so unglaublich unangenehm für mich als Spieler ist. Das geht von den Requisiten, den Koffern und Körben, die ich mitschleppen muss, bis hin zum tatsächlichen Kostüm, das an allen Ecken und Enden zu eng ist und zwickt. Holzschuhe, in denen man nicht richtig gehen kann. Schminke, die einem von Kopf bis Fuß zuklebt und jede Pore verschließt.“

Keine leichte Rolle also, mit der der Seminarist betraut wurde. Dennoch wirkt er dieser Rolle gewachsen. „Das ist für mich das schwierigste, aber auch das größte Geschenk als Spieler, weil es mir ermöglicht in eine Figur zu schlüpfen, die an sich schon so viel erzählt, dass es wirklich eine Freude ist, Abend für Abend reinschlüpfen zu können“, fügt Dorigatti hinzu.

Es ist spät geworden in Wien-Penzing. Wir bedanken uns bei Nico Dorigatti, der in wenigen Monaten die Seminar-Räume hinter sich lassen darf für die bekannten Bretter, die die Welt bedeuten.

Wer Nico Dorigatti auf ebenjenen sehen möchte – in der Josefstadt kann man ihn jetzt schon erleben. Ganz in der Naturgewalt Becketts.

Hier die Spieltermine für Warten auf Godot!

Bernadette Sarman
Bernadette Sarman
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