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„Dream Machine“ von Anke Retzlaff ist eine. Musikperformance aus dem kollektiven Traumarchiv. In einer einzigartigen Mischung aus Theater, Performance und Konzert wird die Welt der Träume bei vollem Bewusstsein gemeinschaftlich erlebbar.

„Dream Machine“ von Anke Retzlaff ist eine. Musikperformance aus dem kollektiven Traumarchiv. In einer einzigartigen Mischung aus Theater, Performance und Konzert wird die Welt der Träume bei vollem Bewusstsein gemeinschaftlich erlebbar.
Foto: Thomas Rabsch

Musiktheatertage Wien: „Neues Musiktheater ist immer auch ein Abenteuer“

Zeitgenössische Musik

Seit 2015 entführen Georg Steker und Thomas Desi ihr neugieriges Publikum im Rahmen der Musiktheatertage Wien in die Welt des zeitgenössischen Musiktheaters. Ein Unterfangen, das nach wie vor Abenteuercharakter hat, sind sich die beiden einig. Heuer finden die MTTW von 18. bis 28. September an verschiedenen Spielorten statt.

BÜHNE: Für alle, die noch nie von den Musiktheatertagen gehört haben: Was passiert da? 

Thomas Desi & Georg Steker: Zehn zeitgenössische Musiktheater-Produktionen samt Rahmen- und Vermittlungsprogrammen in circa 30 Vorstellungen in zehn Tagen jährlich im September an verschiedenen etablierten wie auch überraschenden Spielorten in Wien.

Warum „Musiktheatertage“ und nicht „Tage für zeitgenössische Oper“? 

Musiktheater ist der Überbegriff für ein von musikalischen Qualitäten (z.B. Klang, Rhythmus) bestimmtes Theater. Darin enthalten sind alle denkbaren Dimensionen und Fakturen eines solchen Theaters. Die Oper ist nur eine davon, wenn auch historisch vor allem bedeutsame. Die KomponistInnen und TheatermacherInnen dieser Tage denken offen und arbeiten nicht eine bestimmten Form zu sondern entwickeln diese aus der künstlerischen und thematischen Motivation. Die MTTW sind ein Festival für diese offene Form.

Es gibt zwar kein großes Überthema, ziehen sich dennoch einzelne Themen durch? 

In einem Festival-Programm für künstlerische Projekte, die sich zur spezifischer Zeit in der sie entstehen verhalten, braucht es eine thematische Breite. Ein Festivalthema würde diese Breite nicht zulassen. Und doch verdichten sich jährlich thematische Aspekte im Programm – das passiert, wenn KünstlerInnen den aktuellen „gesellschaftlichen Puls“ fühlen – woraus wir thematische Schwerpunkte gestalten. 2024 ist das ökologische Nachhaltigkeit.

Wie wählt ihr Gastspiele aus? 

Unser Netzwerk an künstlerischen Partnern sowie international tätigen Festivals und Theatern im Bereich Musiktheater hat sich in den letzten zehn Jahren gut entwickelt. Wir bekommen Auftritts-Anfragen, wir sehen tolle Produktionen bei anderen Festivals und wir wissen, was wir in Wien zeigen wollen, weil es die Lücke dafür gibt. Wir entscheiden nach Themen, nach künstlerischen Formaten, und nach Qualität.

Neues Musiktheater bleibt immer auch ein Abenteuer, eine Begegnung mit dem Unbekannten.

Georg Steker und Thomas Desi

Welche Produktion empfehlt ihr Menschen, die bislang noch wenig Berührungspunkte mit Musiktheater hatten? 

Ich empfehle, sich von den Begleittexten im Programmfolder oder auf der Website inspirieren und neugierig machen zu lassen. Es gibt weder eine Erfüllungsgarantie noch sonst eine Garantie. Neues Musiktheater bleibt immer auch ein Abenteuer, eine Begegnung mit dem Unbekannten.

Welche Rolle spielt die Vermittlungsarbeit? 

Die Herausforderung des Theaters, sich die notwendige Aufmerksamkeit von den digitalen Medien zurückzuholen – oder zumindest im Wettstreit um die begrenzten Zeitressourcen im Freizeit-Geschehen der Menschen etwas aufzuholen –, ist eine beachtlich große. Wir haben uns vorgenommen besonders die „jungen Erwachsenen (14-18 Jahre)“ mit Initiativen wie Workshops und Lectures anzusprechen. Übrigens nicht nur GymnasialschülerInnen, sondern auch Lehrlinge, MusikschülerInnen, etc. Darüber hinaus geht es immer auch darum, den Musikinteressierten neue Formate und Stücke ohne Elfenbeinturm-Zurückhaltung näherzubringen. Stückeinführungen, KünstlerInnen-Gespräche, Themen-Workshops. Die Projekte selbst sind letztlich auch Vermittlungs-Instrumente. Denn mit Musiktheater-Formaten in den öffentlichen Raum zu gehen und ohne Eintritt auch für das dort befindliche „Zufallspublikum“ zu performen, macht die Kunst angreifbar, im besten Sinne.

Thomas Desi und Georg Steker sind die Künstlerischen Leiter der MTTW.
Foto: Ian Ehm
Thomas Desi und Georg Steker sind die Künstlerischen Leiter der MTTW.

Was hat es mit dem Format „Kollapsologie“ auf sich? 

Die „Konzeptförderung“ der Stadt Wien, auf der das Festival finanziell aufbaut, ist auf vier Jahre angelegt. Aus diesem Umstand entstand die Idee, ein Projekt zu entwickeln, das sich ebenfalls über vier Jahre erstreckt, und an einem großen Thema gemeinsam mit einem aktiv mitwirkenden Publikum pro Jahr jeweils ein Stück kreiert. Die „Kollapsologie“ selbst beschäftigt sich mit zusammenbrechenden Systemen. Als Gesellschaft sind wir Zeugen solcher Systemzusammenbrüche und versuchen, aus dem Wissen über den Status Quo eine poetische Antwort zu finden – Wege, Lösungen, Resilienz.

2015 fanden die ersten Musiktheatertage statt. Merkt ihr, dass ihr nun in einem größeren Pool fischen könnt? Gibt es mehr Künstler*innen, die sich in Bereiche „hineintrauen“, die abseits des Mainstreams liegen? 

Georg Steker: Es ist nicht einfach zu beantworten, ob objektiv mehr KünstlerInnen im Bereich der zeitgenössischen Musik arbeiten als noch vor zehn Jahren. Subjektiv hat sich für uns der Pool der künstlerischen Optionen merklich erweitert. Das mag auch an der wachsende Bekanntheit des Festivals liegen, denn auch das Interesse anderer Kulturinstitutionen, mit uns zusammenzuarbeiten, wächst.

Thomas Desi: Das neue Musiktheater gibt es seit über fünfzig Jahren. Durch die Veränderungen unserer Gesellschaft nach der Jahrtausendwende mit Jugendkult und veränderten Zuteilungen finanzieller Mittel für „Kunst“, haben sich die weniger kostspieligen, mobileren, wenn auch flüchtigeren musiktheatralen Initiativen aus dem einstigen Schatten der großen „Staatsoper“ herausbewegt und wurden sichtbarer. Die Vermischung aller Stilrichtungen, Genres, Inhalte lassen sich in diesem Bereich besser unterbringen. Es ist eher die Frage, wie diese schwer fassbaren und schwer zuzuordnenden Projekte einem zahlenmäßig nicht zu marginalen Publikum attraktiv zu machen sind.

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