Zum Inhalt springen

Charlotte Zorell ist in einem Haushalt voller Clowns (Theater Olé) in Wien-Landstraße aufgewachsen. Sie hat sich in der freien Szene durch Werk X, Theater Arche etc. gespielt und ist Teil des freien Performance-Ensembles „ensemble ehrlos“. Zorell schreibt u. a. großartig-witzige Dramolette, Theaterstücke, kann Tanz, Klavier und Ukulele.

Charlotte Zorell ist in einem Haushalt voller Clowns (Theater Olé) in Wien-Landstraße aufgewachsen. Sie hat sich in der freien Szene durch Werk X, Theater Arche etc. gespielt und ist Teil des freien Performance-Ensembles „ensemble ehrlos“. Zorell schreibt u. a. großartig-witzige Dramolette, Theaterstücke, kann Tanz, Klavier und Ukulele.
Foto: Petra Rautenstrauch

Kurzsatire-Theater: Getrennt! (Ein Liebeslied in Steuerklasse I)

Theatertexte

Grüß Gott, ich ertrinke! Ein Minidrama von Charlotte Zorell über Kapitalismus, ein U-Boot als Wohnung, ein Baby zum Fixpreis und ein Date, das in Ausdruckstanz endet.

Ein Gespräch aus dem wirklichen Leben

Ich: Ich hab ja letztens einen Podcast gehört über den Kapitalismus, und die haben gesagt in dem Podcast – oder vielleicht war das auch eine Doku, die ich gesehen habe ... also jedenfalls: Darin haben sie gesagt, dass es ja so ist, dass der Kapitalismus, also dass der ja wirklich.

Freund 1: Uns äh.

Ich: Ja. Genau. Und eben, dass wir eigentlich.

Freundin 2: Also, was ich letztens gelesen habe über sozusagen, also dass es, quasi, also mit der Konol-, Kalon-.

Ich: Kolonialisierung. Ja. Genau. Also was ich sagen wollte wegen dem – wegen des Kapitalismusses, also, wie man dagegen vorgehen kann, auch momentan.

Freundin 3: Du meinst.

Freundin 2: Nein, ich habe das in einem Buch gelesen, in dem es auch um den Faschismus ging, da stand – und ich zitiere das jetzt.

Ich: Wegen der Erbschafts-?

Freundin 2: Nein also in einer Doku über Hitler.

Freund 1: Jan Böhmermann?

Freundin 2: Ich glaube auf arte.

Ich: Der Vermögens-.

Freundin 2: Nein also über den Nationalsozialismus.

Ich: Ja meine ich ja.

Telefonat 1

Handy: Tut tut. Tut. Ja grüß Gott, ÖWTB (Österreichische Weltraum-Tiefsee-Behörde) spricht, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?

Ich: Grüß Gott, ich würde gerne umziehen, meine Wohnung (40 Quadratmeter, Souterrain, 1.200 Euro Kaltmiete) ist mir ein wenig zu räusper ein wenig zu räusper – na ja! Hätten Sie eventuell etwas Günstigeres für mich?

Handy: Ja grüß Gott, gerne! Da hätten wir zum Beispiel unser U-Boot „Titanic“, schöner Ausblick, Fenster gut gedichtet, kühl im Sommer, marginale Explosionsgefahr – oder, gegenteilige Lage, unsere Rakete „New Shepard“, erhältlich auch auf Amazon, Ausblick direkt auf den Untergang der Welt. Grüß Gott!

In meinem Traum (das Boot ist voll, aber ich bin Rose)

Leonardo DiCaprio: You are too old for me, sorry! (Lässt mich fallen, ich ertrinke nebst der Titanic.)

Telefonat 2

Handy: Tut tut. Tut. Ja grüß Gott, ÖBB (Österreichische Baby-Behörde), was kann ich für Sie tun?

Ich: Ja grüß Gott, ich bin schon lange im gebärfähigen Alter und eigentlich schon fast wieder draußen, also fast dreißig, also schon fast in der Menopause.

Handy: Menopause, ha ha ha. Was soll DAS denn sein!

Ich: Na ja, ich wollte Sie fragen, weil ich ja eigentlich keine Zeit mehr habe, mit Selbstverwirklichung und Geld, Sie wissen. Und Wohnung und romantische Liebe und mein Körper und Kindbettdepression.

Handy: Kindbettdepression, ha ha ha. Was soll DAS denn sein!

Ich: Na ja, ich wollte Sie fragen, wie viel mich so ein Baby in etwa kostet?

Handy: Grüß Gott, ein Baby kostet Sie etwa 300 bis 400 Euro monatlich, ab 14 Jahren 600 bis 700 Euro, und ab der Volljährigkeit können Sie dann mit 1.000 Euro rechnen. Grüß Gott!

Rückblick

Eine Oma: Heirate einfach einen reichen Mann!

Auf einem ersten Date (auf seinem Online- Dating-Profil stand, er mag Natur und Kunst).

Er: Ich mag verrückte Frauen, die sich selbst nicht so ernst nehmen.

Ich: Oh.

Bedienung: Zusammen oder getrennt?

Ich (mit gellendem Schrei): Getrennt!

Es beginnt eine Ausdruckstanznummer zu Katy Perrys Song „Hot n Cold“. Ich werfe mich hierzu auf den Boden und kreische „getrennt, getrennt“, als würde ich daran verenden. Alle, die mich so sehen, müssen vor Rührung weinen. Er ruft mir zu: „Oh mein Gott, heirate mich!“ Ich glaube, er ist Steuerberater, was perfekt ist, denn mit Steuern kenn ich mich nicht aus. Oma, ich bin glücklich.

Redaktion
Autor
Mehr zum Thema
  • 4 Fragen an Roman Senkl
    In „Solaris“ wird der Psychologe Kris Kelvin auf einen Planeten geschickt, der Lebewesen...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Glückliche Heimkehr
    Als Harras in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ erlebte Stefan Jürgens nach vielen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • 20 Jahre in 2 Stunden
    Alle einsteigen, bitte! Am 27. Juni blickt das Ensemble mit der Theaterrevue „Station...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Theater ohne Auffangnetz
    Stefan Zweigs Novelle „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ ist eine Geschichte über den...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Theater ist ein One-Taker
    Kristina Sprenger über Theater im Sommer, gesellschaftliche Verantwortung und die Unsterblichkeit...
    Von Atha Athanasiadis
1 / 12