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„Geister in Princeton“: Ab 11. April im Schubert Theater.

„Geister in Princeton“: Ab 11. April im Schubert Theater.
Foto: Julia Braunegger

Geistreiche Zeitreise: „Geister in Princeton“ im Schubert Theater

Schubert Theater

Das Schubert Theater bringt „Geister in Princeton“, Daniel Kehlmanns Stück über den Mathematiker Kurt Gödel, auf die Bühne. Manuela Linshalm und Simon Meusburger haben uns erklärt, warum sich gerade das Puppen- und Figurentheater so gut als Geisterbeschwörungsanstalt eignet. Am 11. April findet die Premiere statt.

Ist es theoretisch möglich, durch die Zeit zu reisen? 1949 fand der Mathematiker und Logiker Kurt Gödel eine Lösung der allgemeinen Relativitätstheorie, die ein Universum beschreibt, in dem Zeitreisen möglich sind. Aber auch Theater können solche Universen sein, wie das Schubert Theater mit der Produktion „Geister in Princeton“ zeigt. Der Theaterabend von Simon Meusburger und Manuela Linshalm lädt die Zuschauer*innen jedoch nicht nur zu einer Reise in die Zeit Kurt Gödels ein, sondern auch zu einem Ausflug in seinen Kopf. Und in dem geisterte so einiges herum, wie Meusburger und Linshalm im Laufe unseres Interviews mehrfach betonen. Wir sitzen im Foyer des auf Figuren- und Puppentheater spezialisierten Hauses im 9. Bezirk.

„Geister in Princeton“, von Daniel Kehlmann geschrieben und 2011 in Graz uraufgeführt, beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken des 1906 in Brünn geborenen Mathematikers, wie auch mit seiner Frau Adele, seinem Freund Albert Einstein und weiteren für ihn wichtigen Menschen. Mit seinem „Unvollständigkeitssatz“ revolutionierte Gödel als junger Wissenschaftler die mathematische Logik, im Laufe seines Lebens verlor er sich jedoch immer mehr in der Welt der Geister und litt zunehmend an einer ausgeprägten Form von Verfolgungswahn.

Albert Einstein gehörte zu den wichtigsten Vertrauten Kurt Gödels.
Foto: Julia Braunegger
Albert Einstein gehörte zu den wichtigsten Vertrauten Kurt Gödels.

Geisterbeschwörungsanstalt 

Ein Freund und Kollege hätte ihr das Stück empfohlen, erzählt Manuela Linshalm, die sich sofort sicher war, dass sich der Text gut mit Puppen umsetzen lässt. „Im Stück vermischen sich Realität und Fiktion, es kommt zu einer Aufhebung von Zeit und Raum und zu seinem Spiel mit Wirklichkeiten. All diese Dinge suchen und bedienen wir im Figuren- und Puppentheater ja ständig“, erklärt sie ihre sofortige Begeisterung für das Stück.

Darüber hinaus hat sich das Schubert Theater in der Vergangenheit schon mehrmals mit Stücken über reale, historische Persönlichkeiten einen Namen gemacht – Anna Demel, Nikolai Tesla, Hedy Lamarr und Ludwig van Beethoven sind nur einige historische Charaktere, mit denen sich Simon Meusburger und viele andere Künstler*innen bereits künstlerisch auseinandergesetzt haben. „Ich finde, dass historische Figuren mit Puppen noch lebendiger werden“, hält Manuela Linshalm fest. „Es ergeben sich so viele unterschiedliche Ebenen. Man kann sich entweder auf die Sprache konzentrieren, Dinge überzeichnen oder einzelne Charakteristika oder Sprechweisen herausheben.“

„Manuela ist beispielsweise ein unglaublich toller Einstein“, fügt Simon Meusburger, Leiter und Gründer des Schubert Theaters, lachend hinzu. Auch bei der Frage, wie tief sie eigentlich in den Kopf und das Universum Kurt Gödels eingetaucht seien, muss Meusburger schmunzeln. „Wir sind alle keine Mathematiker. Von mir selbst würde ich sogar behaupten, dass ich ein Anti-Mathematiker bin, was aber nichts daran ändert, dass ich Menschen, sie sich auf fast schon philosophische Weise mit Mathematik beschäftigten, irrsinnig faszinierend finde. Insgesamt interessiert uns aber schon vor allem der Mensch Kurt Gödel und seine zwischenmenschlichen Beziehungen.“

Wir kommen noch einmal darauf zu sprechen, warum sich insbesondere das Figurentheater so gut als Geisterbeschwörungsanstalt eignet. „Ich finde, dass es schon eine besonders geisterhafte Weise des Theatermachens ist, wenn man Menschen davon überzeugen möchte, dass eine Puppe beseelt ist“, bringt es Manuela Linshalm auf den Punkt. Er fände es spannend, zu erfahren, was Gödel dazu sagen würde, hält Simon Meusburger daraufhin fest. „Die Vereinbarung zwischen dem Publikum und dem, was wir tun, ist noch offener und noch sichtbarer als beim klassischen Sprechtheater. Dadurch ist es eine sehr ehrliche Art der Geisterbeschwörung.“

Manuela Linshalm und Angelo Konzett spielen. Linshalm führt außerdem gemeinsam mit Simon Meusburger Regie und hat die Textfassung mitgeschrieben. Konzett hat das Bühnenbild konzipiert.
Foto: Julia Braunegger
Manuela Linshalm und Angelo Konzett spielen. Linshalm führt außerdem gemeinsam mit Simon Meusburger Regie und hat die Textfassung mitgeschrieben. Konzett hat das Bühnenbild konzipiert.

Abstrakter Raum 

Die Komik entstünde bei dem Stück unter anderem aus der Überzeichnung, erklären die beiden, bevor wir uns verabschieden und ihr Probentag beginnt. „Aber auch daraus, dass wir einen Menschen beobachten, der im sozialen Umgang ziemlich inkompetent war, woraus sich wiederum eine schöne Situationskomik ergibt“, ergänzt Manuela Linshalm. Die Puppen hat Soffi Povo entwickelt und gebaut. „Sie hatte eine großartige Idee, um die Wichtigkeit der einzelnen Figuren für Kurt Gödel zu verdeutlichen“, so Meusburger. „Menschen, die auf emotionaler Ebene keine wirklich große Rolle für ihn gespielt haben, wirken verpixelt – als hätten sie eine kleinere Auflösung.“

Als kurz darauf der Schauspieler Angelo Konzett in seinem Kurt Gödel-Kostüm hereinschaut, sprechen wir noch über das Bühnenbild, das ebenfalls von Konzett gestaltet wurde. Um der Fantasie der Zuschauer*innen ausreichend Raum zu geben, hätten sie sich für ein abstraktes Bühnenbild entschieden. „Es hätte sich nicht richtig angefühlt, für ein Stück über Kurt Gödel ein konkretes Bühnenbild zu entwerfen. Auch beim Thema Zeit hat er nicht linear gedacht. Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der er und seine Frau Adele – da sind sie gerade auf der Flucht – auf einem Bahnhof mitten in Sibirien stranden und auf zwei russische Beamte treffen, die sie nicht weiterreisen lassen wollen. Während sich Adele furchtbar aufregt, sagt Kurt Gödel ganz lapidar, dass es doch egal sei, ob sie hier sind oder in Princeton. Insofern war ihm der konkrete Raum nicht so wichtig.“

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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