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Szene aus der Inszenierung von Willy Decker.

Szene aus der Inszenierung von Willy Decker.
Foto: Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Die tote Stadt von Erich Wolfgang Korngold

Wiener Staatsoper
Ein Stück in einer Minute

Ein Psychothriller wurde zur erfolgreichsten Oper des Komponisten, der auch in Hollywood reüssierte. Eine Zusammenfassung.


Inhalt

Paul lebt in Brügge ganz im Gedenken an seine tote Frau Marie, die jung verstorben ist. Er hat ihr sogar ein Erinnerungszimmer eingerichtet, wo er mit Blumen geschmückte Fotos, ihre Laute und eine Flechte ihres Haares unter einem Glassturz aufbewahrt. Auf einem Spaziergang sieht er die Tänzerin Marietta, die ein komplettes Ebenbild Maries ist. Trotz der Warnungen seines Freundes Frank gibt er sich ganz der Faszination dieses Traumbildes hin. Immer mehr vermischt er Vorstellung und Wirklichkeit. Als Marietta ihn besucht, gibt er ihr auch Schal und Laute Maries. Sie singt mit ihm das Lied "Glück, das mir verblieb" und begleitet sich selbst auf dem Instrument. Für Paul fließen die Bilder der beiden Frauen immer mehr ineinander. Marietta ist eine Tänzerin, die in Brügge mit Meyerbeers Oper "Robert der Teufel" gastiert, in der sie eine von den Toten Auferstandene spielt.

Einige Wochen später ist sie Pauls Geliebte geworden. Als sie ihn jedoch eifersüchtig macht, sagt er, er habe immer nur die Tote geliebt. Marietta will nun erst Recht den Kampf mit Marie aufnehmen und verführt ihn. Nach der gemeinsamen Nacht plagen Paul Schuldgefühle. Als draußen eine Prozession vorbeizieht, Marietta Paul wegen seiner Frömmigkeit verhöhnt und sich Maries Haar um den Hals legt, erwürgt Paul sie mit der Haarflechte. Verwirrt kommt er zu sich, alles war ein böser Traum. Er beschließt, die Stadt mit Frank für immer zu verlassen.

Werkgeschichte

Die Vorlage für Erich Wolfgang Korngolds Oper ist der Roman des belgischen Symbolisten Georges Rodenbach "Bruges-la-morte" aus dem Jahr 1892 und dessen Dramenfassung. Als ein Bekannter Korngold auf das Werk hinwies, war er sofort begeistert. Bereits mit 19 Jahren begann er mit der Arbeit daran, unterbrach diese wegen des Ersten Weltkriegs und nahm sie 1919 wieder auf. Das Libretto stammt von Paul Schott, hinter diesem Pseudonym steckt in Wahrheit Korngolds Vater Julius, der es in Zusammenarbeit mit seinem Sohn verfasste. Der Kunstname setzt sich aus jenem des Theaterverlags und jenem des Protagonisten der Oper zusammen.

Aufführungsgeschichte

Kaum ließ Korngold wissen, dass er mit seiner "Toten Stadt" fertig war, interessierten sich gleich mehrere Opernhäuser für die Uraufführung. Wien, Köln und Hamburg bekamen den Zuschlag, das Werk am gleichen Abend aus der Taufe zu heben, Wien musste letztlich aber absagen. Von der Uraufführung am 4. Dezember 1920 an wurde "Die tote Stadt" bejubelt und kurz danach an zahlreiche andere Bühnen gebracht, darunter die Metropolitan Opera New York, wo Maria Jeritza als Marietta gefeiert wurde. Nachdem die Oper ein Jahrzehnt lang Dauerbrenner war, machte die Nazi-Herrschaft dem ein plötzliches Ende. Korngolds Werke wurden mit Aufführungsverbot belegt. In den 70er Jahren erlebte "Die tote Stadt" eine Renaissance, heute ist das Werk im internationalen Repertoire etabliert. Es ist die bekannteste Oper des Komponisten, der beispielsweise auch "Das Wunder der Heliane" schuf.

Zum Komponisten

Erich Wolfgang Korngold, geboren 1897 in Brünn und aufgewachsen in Wien, war der Sohn eines Musikkritikers und wurde schon in jungen Jahren als Wunderkind gefeiert. Als "Die tote Stadt" ihn berühmt machte, war er erst 23 Jahre alt. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung ging er in den 30er Jahren in die USA, dort hatte er einen Vertrag bei Warner Brothers. Es folgte eine erfolgreiche, zwei Mal mit Oscars gekrönte Karriere als Hollywood-Filmkomponist. Aber auch symphonische Werke brachte Korngold heraus. Er starb 1957 in Hollywood.

Theresa Steininger
Autor
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