Zum Inhalt springen

Alexander Jagsch gilt als einer der besten Komödiendarsteller des deutschsprachigen Raums.

Alexander Jagsch gilt als einer der besten Komödiendarsteller des deutschsprachigen Raums.
Foto: Michaela Fidanzia/F6 - The Open Factory

Die Komödien-Präzisionsmaschine Alexander Jagsch

Sechs Tanzstunden

Alexander Jagsch berührt im Film und auf der Bühne. Jetzt gibt der Schauspieler einen Tanzlehrer an der Seite von Doris Weiner, die mit dem Hit „Sechs Tanzstunden“ ihren Volkstheater-Abschied feiert.

Die Leut’ wollen zurzeit einfach nur lachen“, sagt er. Wir treffen Alexander Jagsch, den alle nur „Ali“ rufen, in einem kleinen Espresso im 7. Bezirk in Wien. Wir haben ihm gerade zu seinen erfolgreichen letzten Monaten gratuliert: Sommertheater Kobersdorf ausverkauft. „Sargnagel – Der Film“ erfolgreich angelaufen, davor der Independent-Streifen „Lovecut“. Wir kennen Dutzende Schauspieler:innen, die nach so einem Sommer um zwanzig Zentimeter mehr Ego hätten.

Ali Jagsch ist anders. Er gehört zu den komödiantischen Ausnahmetalenten, die auf der Bühne nur schauen müssen, und der Saal lacht oder ist berührt. „Ich hab halt das Glück, dass ich ‚Funny Bones‘ und ein spielendes Gesicht habe.“

Jagsch grinst: „Der Schottenberg hat mal gesagt: ‚Mach nix! Hör einfach auf zu schauen, weil das ist schon zu viel.‘“ Damals spielte er mit Maria Bill und Heribert Sasse „Noch ist Polen nicht verloren“. 

Ich versuche, an Komödienrollen so ranzugehen, als wäre es das ernsteste Stück der Welt, und damit bekommt es eine andere Tiefe."

Alexander Jagsch

Der Unterschied zu anderen schauspielerischen Größen ist ein entscheidender: Alexander Jagsch schmiert nicht. Wo andere ein Pfurzkissen (metaphorisch gemeint) bemühen, um Lacher zu generieren, dosiert Jagsch sein komödiantisches Spiel. Es ist ein sehr englischer Zugang, den der gebürtige Wiener pflegt, und den hat er sich hart erarbeitet. „Irgendwann haben meine gelernten Schubladen funktioniert, der Applaus war da. Es wurde technisch. Der Spaß ging verloren.“ Und dann trifft er auf den Regisseur Henry Mason: „Er hat von der ersten Probe an gesagt: ‚Nein, so nicht.‘ Es war, als würde ich erneut in die Schauspielschule gehen. Das war schmerzhaft.“ 

Und jetzt? „Ich versuche, an Komö­dienrollen so ranzugehen, als wäre es das ernsteste Stück der Welt, und damit bekommt es eine andere Tiefe. Zusammengefasst kann man sagen: kein Outrieren und die Komik nur aus der Situation entstehen lassen und nicht aus dem Hosenrunterlassen.“

Boulevard-Knaller

Zurzeit schreibt Jagsch mit Gregor Seberg an einem Drehbuch, im nächsten Frühjahr spielt er in Klagenfurt „Was ihr wollt“ und dann im Sommer „Das seltsame Paar“ gemeinsam mit Gregor Seberg in Berndorf. Ein paarmal hat er schon Regie geführt – „Ich will nicht, dass man mich mit 90 von der Bühne zerren muss“ –, und jetzt eben spielt er im Oktober „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ gemeinsam mit seiner ehemaligen Lehrerin Doris Weiner und unter der Regie von Multitalent Andy Hallwaxx, der ebenfalls ein erfolgreiches Gewächs des Hauses an der 2er-Linie ist.

Ein bisserl wichtig hab ich mich immer g'macht."

Doris Weiner

Nach 43 Jahren auf der Bühne des Volkstheaters verabschiedet sich „die“ Weiner mit einem Boulevard-Knaller. „Als ich vor fünf Jahren meinen offi­ziellen Pensionsantrag gestellt habe, hat der Beamte gesagt: ‚Warum kommen Sie erst jetzt, Sie könnten schon seit sechs Jahren in Pension sein!‘ Darauf hab ich gesagt: ‚Lieber Herr, bei uns am Theater ist alles ein bisserl anders …‘“ Jetzt ist endgültig Schluss, zumindest mit den offiziellen Ämtern: „Ab sofort bin ich freischaffende Künstlerin und hoffe auf Engagements.“ Das Stück passt zwar nicht mehr ganz in die neue Ausrichtung des neuen Volkstheaters, aber Kay Voges verneigt sich damit vor der Frau, die an seinem Theater als Balletttänzerin begann, dann Schauspielerin wurde, später Leiterin der Volkstheater-­Studios, Leiterin der Schauspielschule, Leiterin des Volkstheaters in den Bezirken, Betriebsrätin oder wie die Grande Dame lakonisch sagt: „Ein bisserl wichtig hab ich mich immer g’macht.“

Foto: Michaela Fidanzia/F6 - The Open Factory
Zur Person: Alexander Jagsch

Alexander Jagsch spielte in über 50 Filmen und TV-Serien, lernte am Volkstheater und gilt als einer der besten Komödiendarsteller des deutschsprachigen Raums: „Ich gehe an ­Komödien ran, als wären es die ernstesten Stücke der Welt. Das schafft eine andere Tiefe.“

Zum Spielplan des Volkstheaters

Atha Athanasiadis
Atha Athanasiadis
Autor
Mehr zum Thema
  • Theater der Jugend
    Wo Gras wächst, ist Hoffnung
    Es summt und brummt auf der ins Renaissancetheater gezimmerten Wiese. Regisseur Peter Lund und sein...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Wiener Staatsoper
    Wenn das Licht mitdenkt
    Es ist die Mischung aus Tradition und Innovation, aus Handwerk und Hightech, die die Oper lebendig...
    Von Atha Athanasiadis
  • Theater in der Josefstadt
    Die Bühne. Ein Leben.
    Marianne Nentwich gehört dem Ensemble des Theaters in der Josefstadt seit 62 Jahren an. Nun...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Volkstheater
    In neuem Licht
    Die Musicbanda Franui und der Circa Contemporary Circus laden an zwei Abenden dazu ein, die...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Burgtheater
    4 Fragen an Roman Senkl
    In „Solaris“ wird der Psychologe Kris Kelvin auf einen Planeten geschickt, der Lebewesen...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Festspiele Reichenau
    Kleiner Prinz, große Magie
    Antoine de Saint-Exupérys Erzählung „Der kleine Prinz“ ist eine Aufforderung, die...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Johanna Lakner
studierte Fashion
und Visual Arts, ehe
sich ihr Interesse
in Richtung Theater
und Oper verlagerte.
    Festspiele Reichenau
    Jedes Stück braucht ein Zuhause
    Johanna Lakner verantwortet Bühne und Kostüm für Joseph Roths „Die Legende vom heiligen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Festspiele Reichenau
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
1 / 12