Die Möwe von Anton Tschechow

Eine tragisch anmutende Story, die aber eigentlich eine Komödie sein soll. „Die Möwe“ ist eines von Tschechows meistgespielten Stücken und ein großer Publikumserfolg. Doch worum geht es eigentlich?

Inhalt

Russland um 1895: Die Gäste auf einem Landsitz langweilen sich und machen einander aufgrund dieser Ödheit das Leben schwer.

Konstantin, ein junger Schriftsteller, plant, sein neuestes Stück im Garten des Anwesens aufzuführen. Als Hauptdarstellerin soll seine Freundin Nina auf der Bühne stehen. Konstantin leidet unter den ständigen Sticheleien seiner Mutter, die nicht an seine Karriere und sein Talent glaubt und selbst einen Freund hat, der bereits erfolgreicher Schriftsteller ist – Boris Alekseevič Trigorin. In ihn verliebt sich Nina und geht schließlich sogar mit ihm fort, um als Schauspielerin an seiner Seite leben zu können.

Jahre später ist Konstantin zu einem erfolgreichen, aber einsamen Schriftsteller geworden, als Nina – von Trigorin verlassen – wieder vor seiner Türe steht. Sie verlässt ihn jedoch erneut, woraufhin sich Konstantin das Leben nimmt.

Werkgeschichte

Tschechow stellte das Stück in nur zwei Monaten im Jahr 1895 fertig. 1896 übergab er das Schriftstück einem Verleger, um eine Buchausgabe drucken zu lassen. Er betitelte sein Werk ausdrücklich als Komödie und wollte keine sentimentalen Reaktionen hervorrufen, was ihm aber nicht immer ganz gelang.

Ein Stück in einer Minute: Die Möwe
Dunja Sowinetz, Paula Nocker, Anton Widauer, Martin Schwab und Sandra Cervik in „Die Möwe“ in Reichenau. Foto: Lalo Jodlbauer

Aufführungsgeschichte

1896 fand die Uraufführung in Sankt Petersburg statt, die sich als totaler Misserfolg entpuppte. Tschechow traf danach auf den Regisseur Konstantin Stanislawski, der das Theater revolutionieren wollte, indem er die Einfühlung des Schauspielers in seine Rolle in den Fokus rückte, um mehr Wahrhaftigkeit zu erreichen. Er führte „Die Möwe“ 1898 unter diesen Voraussetzungen in Moskau mit großem Erfolg auf.

Die deutsche Erstaufführung fand 1902 in Breslau statt. 2000 inszenierte Luc Bondy das Stück für die Wiener Festwochen, die Inszenierung erhielt dreimal den Nestroy-Theaterpreis.

„Die Möwe“ wurde häufig verfilmt, zuletzt 2018 unter dem Titel „Seagull – Eine unerhörte Liebe“ von Michael Mayer.

Prominente Interpreten

In der Josefstadt waren Gerti Drassl und Florian Teichtmeister zu sehen, in der ausgezeichneten Inszenierung von 2000 spielten Gert Voss und Johanna Wokalek.

In der amerikanischen Verfilmung Mayers wird Nina von Saoirse Ronan gespielt, Elisabeth Moss, die aus Serien wie „Mad Men“ und „The Handmaid’s Tale“ bekannt ist, spielte ebenfalls mit.

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