Zum Inhalt springen

Stefano Bernardin wurde 2005 als "Bester Nachwuchs" mit dem NESTROY ausgezeichnet.

Stefano Bernardin wurde 2005 als "Bester Nachwuchs" mit dem NESTROY ausgezeichnet.
Foto: Dieter Steinbach

5 Fragen an: Stefano Bernardin

MusikTheater an der Wien

In Erich Wolfgang Korngolds „Die stumme Serenade“ spielt er sowohl den Ministerpräsidenten Benedetto Lugarini als auch dessen Attentäter Carlo Marcelini. Warum er dennoch in keinen Interessenkonflikt gerät, erklärt der Publikumsliebling im Interview.

Stefano Bernardin studierte Schauspiel am Konservatorium der Stadt Wien und wurde 2005 als „Bester Nachwuchs“ mit dem NESTROY ausgezeichnet. 2013–15 war er Conférencier im Kabarett Simpl; breite Bekanntheit erlangte er durch zahlreiche TV-Filme wie den „Bozen-Krimi“.

1. Beide Rollen sind von kleiner Statur, und Sie spielen zum Teil auf Knien. Ist das nicht sehr anstrengend?

Nein, es geht. Die Kostümabteilung hier ist sehr umsichtig, ich hatte bei der ersten Anprobe mehr Leute um mich als bei den meisten Theaterproduktionen. Im Prinzip sind beide kleine Männer, die auf diese Weise ihre Komplexe ausleben müssen, was gut zu unserer momentanen Innenpolitik passt, wie ich finde. Interessant ist, dass der Bombenleger Marcelini auf der linken Seite genauso ein Extremist ist wie Lugarini im rechten Spektrum.

2. Kommt man da nicht in einen Interessenkonflikt?

Nein, wichtig für das Stück ist, dass man bei aller Lächerlichkeit auch eine Gefahr ausstrahlt. Das ist ein schmaler Grat und manchmal schwierig. Am Anfang denkt man, dass man mit dem linken Bombenleger sympathisiert, der den Despoten stürzen will. Aber im Laufe des Stücks merkt man, dass auch der ein Chauvinist ist. Ein Trottel und – an der Macht – genauso gefährlich.

3. Wird man Sie auch singen hören?

Ich musste immer wieder singen, etwa in Trash-Musicals im Metropol, aber dieses Mal werde ich nur spielen, womit ich mich auch wesentlich wohler fühle.

4. Wo liegt diese Arbeit auf einer Spaßskala von 0 bis 10?

Ich würde sagen: bei 12.

5. Was kommt nach „Die stumme Serenade“ auf Sie zu? Eines der vielen Sommertheater?

Ich mache schon lange kein Sommertheater mehr. In dieser Zeit haben meine Söhne schulfrei, und ich werde wahrscheinlich mit dem einen Französisch und mit dem anderen Mathematik lernen müssen. Ansonsten toure ich weiter mit meiner „Hamlet – one man show“ und trete gemeinsam mit Bernhard Murg im Kabarettprogramm „… bis einer weint!“ auf. Ich war nie in einem Ensemble, sondern immer frei und möchte das auch so. In der Kammeroper genieße ich zwar den Komfort, aber auf lange Sicht brauche ich dauernde Veränderung.

Klaus Peter Vollmann
Klaus Peter Vollmann
Autor
Mehr zum Thema
  • Volksoper
    Queer Twist
    Im Juni feiert die LGBTQIA+ Community Lebensfreude und Widerstand. Und in der Volksoper wirft...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Große Stimmen: Piotr Beczała
    Der Ausnahme-Tenor Piotr Beczała wird am 16. August in Grafenegg auftreten. Ein BÜHNE-Gespräch.
    Von Atha Athanasiadis
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Große Stimmen: Asmik Grigorian
    Sie hat die Opernwelt im Eiltempo erobert. Asmik Grigorian ist der Rockstar unter den großen...
    Von Atha Athanasiadis
  • Kammeroper
    Szenen zweier Ehen
    Brandbeschleuniger Eifersucht. In den Einaktern „Lady Magnesia“ und „Zweimal Alexander“...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Wiener Staatsoper
    Was ist für Sie schön?
    Sie ist erst 26 und bereits nah dran am Gipfel der Opernwelt: Die aserbaidschanische...
    Von Atha Athanasiadis
  • Wiener Staatsoper
    Opernperle
    George Bizets Frühwerk „Die Perlenfischer“ ist ein musikalisches Meisterwerk voll großer...
    Von Atha Athanasiadis
  • MusikTheater an der Wien
    Unbefugte Eifersucht
    Geistreicher Schachzug. Regisseur Vasily Barkhatov verlegt Verdis „Stiffelio“ zu den Amish...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Volksoper
    Clemenza 4.0
    Die Milde als Machtmittel in einem System aus Korruption und Mord. Die Volksoper lässt ihr...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • "Manon" in der Wiener Staatsoper.
    Wiener Staatsoper
    Stück in einer Minute: Manon
    Ein Leben in Luxus wünscht sich die junge Manon – und genau das wird ihr zum Verhängnis. Das...
    Von Theresa Steininger
  • Volksoper
    Zarewitsch live gebastelt
    Mehr Poesie geht nicht: Steef de Jong inszeniert Lehárs „Der Zarewitsch“ mit live gezeichnetem...
    Von Atha Athanasiadis
1 / 12