4 Fragen an Amélie Niermeyer

Vor vier Jahren hat Amélie Niermeyer begonnen, an ihrer Bühnenfassung von „Anna Karenina“ zu arbeiten. Nach einigen Verschiebungen ist das Stück ab 13. September endlich im Theater in der Josefstadt zu sehen.

Anna Karenina“ wurde in der Pandemie mehrfach verschoben. Wie hat sich dadurch Ihre Arbeit am Stück verändert?

Natürlich denkt man seit Kriegsbeginn nochmals anders über Russland und seine Geschichte nach. Und das Stück ist gewachsen: Vor 4 Jahren habe ich angefangen an der Fassung zu schreiben, nun hatten wir schon 4 Probenblöcke in den letzten eineinhalb Jahren. Auch die Figuren wachsen mit der Erfahrung der gemeinsamen Zeit. Das ist ganz wunderbar. 

Worin bestehen die Aktualitätsbezüge dieser Dramatisierung des Klassikers von Tolstoi?

Wir erzählen nicht nur die spannenden, sehr heutigen Beziehungskonstellationen in Tolstois Roman. Uns interessiert auch Lewins Suche nach der Daseinsberechtigung auf dieser Welt. Er hinterfragt, wie das Gute in die Welt zu bringen wäre. Das fragt sich gerade jeder, glaube ich.

Die Titelrolle wurde mit Silvia Meisterle besetzt. Was zeichnet sie für diese Figur aus?

Einfach alles!

Haben Sie ein besonderes Faible für Eiskunstlauf?

Ich kann selber nicht gut laufen, liebe es aber, Eiskunstlauf zu schauen. Die SchauspielerInnen trainieren schon seit 15 Monaten. Doch die Abstürze auf dem Eis sind eigentlich noch wichtiger. Die Eisfläche ist eher als Metapher zu sehen. Die Fläche, auf der wir uns bewegen, ist wackelig und glatt. Und darunter gähnt ein Abgrund.

Zur Person: Amélie Niermeyer

Amélie Niermeyer inszenierte u.a. am Thalia Theater Hamburg, am Schauspiel Frankfurt, am Deutschen Theater in Berlin, in Basel und Los Angeles, am Residenztheater München und im Theater in der Josefstadt. Die in Bonn geborene Regisseurin inszeniert auch Opern und leitet am Salzburger Mozarteum den Studiengang für Schauspiel und Regie, das Thomas Bernhard-Institut.

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