Tosca im Grünen
Das Festival Glyndebourne in der britischen Grafschaft East Sussex glänzt mit exzellenten Opern und exzentrischen Usancen. Zur Pause gibt es Picknick im Garten. Neben Weltstars und Schafen.
An diesem idyllischen Ort begann einst Luciano Pavarottis Weltkarriere. Und Diven wie Joan Sutherland oder Teresa Berganza erfreuten sich schon in den 1960er-Jahren an der malerischen Kulisse. Hier trifft alljährlich im Sommer die erste Liga der internationalen Opernwelt auf ein gut gelauntes Publikum, dessen unbedingten Willen zur Eleganz man nur goutieren kann.
Und das seit 1934. Ein Jahr davor legte John Christie, seines Zeichens wohlhabender Grundbesitzer und Musikliebhaber, im Garten seines etwa zwei Autostunden südlich von London gelegenen und aus dem 16. Jahrhundert stammenden Landhauses das Fundament für ein Opernhaus. Seine innig geliebte junge Ehefrau, die überschaubar erfolgreiche Sopranistin Audrey Mildmay ihre Hochzeitsreise führte die beiden 1931 zu den Salzburger und den Bayreuther Festspielen – unterstützte die Pläne ihres kunstsinnigen Gatten. Schon bei der Eröffnungspremiere am 28. Mai 1934 war sie in „Le nozze di Figaro“ als Susanna zu erleben. Ein Auftritt, dem noch viele folgen sollten.
Innerhalb weniger Jahre etablierte sich das nach höchsten Qualitätskriterien strebende Festival, dessen Erstauflage sechs ausverkaufte Wochen lang dauerte, zum international bedeutenden Opernevent. Nach mehreren Erweiterungen des Theaters wurde 1994 das neue, fast zur Gänze aus Spenden finanzierte, 1200 Sitzplätze zählende und 34 Millionen Pfund teure Opernhaus eröffnet. Sein Foyer orientiert sich elegant zum Garten des Landhauses hin, was ein sehr wichtiges Kriterium darstellt.
Lustwandeln und Dinieren
Denn in Glyndebourne dauern die Pausen eineinhalb Stunden und finden bevorzugt im weitläufigen Grüngebiet statt. Im Hintergrund grasen die Schafe, im Vordergrund trinkt man Champagner und erfreut sich an kulinarischen Raffinessen, die man entweder selbst mitbringt oder in einem der drei Restaurants vor Ort bestellt. Damen im Abendkleid und Herren im Smoking auf Gartenstühlen beim Picknick – ein Bild, wie es britischer kaum sein könnte.
Die ausgelassene Stimmung spiegelt sich in den Gesichtern der jährlich bis zu 90.000 Gäste wider, die nicht nur zur Zelebrierung höchstklassiger Opern, sondern auch zur Kultivierung eines Lebensstils anreisen. Bevorzugt übrigens mit dem Zug aus London, der im nahen Lewes hält. Von dort bieten die Veranstalter einen Shuttle-Dienst an, der die Besucher eine Stunde vor Vorstellungsbeginn am Bahnhof abholt und 20 Minuten nach dem Schlussapplaus wieder dorthin zurückbringt. Der Transfer kostet zehn Pfund und sollte unbedingt vorab gebucht werden. Oder man bleibt gleich für ein Wochenende in East Sussex, checkt in einem der gediegenen Landhotels ein und besucht den weltberühmten, von Nathaniel Lloyd angelegten Garten Great Dixter in Northiam.
Sechs mal Oper
2026 dauert das Glyndebourne Festival – dessen Vorstandsvorsitzender Gus Christie, Enkel des Gründerpaares, ist – von 21. Mai bis 30. August. Drei Neuproduktionen – Puccinis „Tosca“, Monteverdis „L’Orfeo“ und Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ – sowie drei Wiederaufnahmen – Rossinis „Il Turco in Italia“, Brittens „Billy Budd“ und Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ – stehen auf dem Programm. Seit Jahrzehnten pflegt Glyndebourne eine enge Beziehung mit dem London Philharmonic Orchestra, das 2026 vier Produktionen übernehmen wird.
Der offizielle Kartenverkauf für das Festival 2026 startet am 8. März. Die Chance auf Tickets erhöht sich, wenn man eine Mitgliedschaft erwirbt. Diese gibt es in unterschiedlichen Kategorien – von der teuersten Variante „Funding Membership“ mit garantiertem Zugang zu Opernkarten über eine „Associate Membership“, die einen beim Kauf zumindest bevorzugt, bis hin zu eigenen Mitgliedschaften für „Under 40s“ und „Under 30s“ mit jeweils einer Reihe an Vergünstigungen.
Und für alle, die Glyndebourne lieber im Spätherbst besuchen möchten, bietet sich von 11. Oktober bis 14. Dezember die „Autumn Season“ mit Highlights wie Puccinis „La bohème“ oder Händels „Messiah“ an.
Alle Infos zum Festival: glyndebourne.com
HOTELS
Broadacres
Inmitten eines großen Grundstücks liegt dieses aus dem 17. Jahrhundert stammende Fünf-Sterne-Landhaus mit eleganten Zimmern und vielfach ausgezeichnetem Service. Das Hotel bietet sowohl ein Glyndebourne- Picknick als auch einen Transportservice zum acht Kilometer entfernten Festival an.
Laughton, East Sussex
Crink House Hideaways
Die beiden umweltfreundlichen Luxusferienhäuser liegen etwa zwölf Autominuten außerhalb von Glyndebourne und wurden erst vor Kurzem hochwertig renoviert. Jedes Cottage verfügt über zwei Schlafzimmer für jeweils zwei Personen. Die Betreiber bieten Besuchern Unterstützung beim Transport zum Festival an.
Barcombe, East Sussex
Old Whyly
Ein royales, denkmalgeschütztes Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, umgeben von einem wunderschönen Park mit Pool und Tennisplatz. In den Zimmern prägen antike Möbel und Gemälde die Atmosphäre; die Fahrzeit nach Glyndebourne beträgt 15 Minuten. Auch hier kann ein Picknick geordert werden.
East Hoathly, East Sussex
The Alfriston
Das charmante Landhotel inmitten des malerischen Dorfs Alfriston in den South Downs liegt etwa 15 Taximinuten von Glyndebourne entfernt. Dieses denkmalgeschützte Hotel verfügt über 38 individuell gestaltete Zimmer und Suiten, Brasserie, Bar und Frühstücksorangerie sowie das ruhige „Signet Spa“ mit Außenpool.
Alfriston, East Sussex
Blue Door Barns
Um einen zauberhaften Innenhof wurden zeitgemäß umgebaute Scheunen angeordnet, die man entweder zur Gänze mieten oder in denen man Doppelzimmer oder eine Suite buchen kann. Das unkonventionelle B&B liegt nur fünf Auto-/ Taximinuten von Glyndebourne entfernt und ist zudem hundefreundlich.
Beddingham, East Sussex