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„Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“: Ab 29. Jänner im Probenzentrum Aigen / Salzburger Landestheater.

„Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“: Ab 29. Jänner im Probenzentrum Aigen / Salzburger Landestheater.
Foto: SLT Raffael Holzinger

Salzburger Landestheater: Ein Maulwurf auf Spurensuche

Salzburg

Wie klingt eigentlich ein herabplatschender Kuhfladen? Und war es tatsächlich eine Kuh, die dem ebenso neugierigen wie hartnäckigen Maulwurf auf den Kopf gemacht hat? Regisseur Richard Panzenböck inszeniert den Kinderbuchklassiker „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ als Oper für alle ab 5. Die Komposition stammt von Elisabeth Naske.

BÜHNE: Der Kinderbuchklassiker „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ wurde 2022 vertont. Wie bist du darauf gestoßen?

Richard Panzenböck: Das Salzburger Landestheater ist mit dem Vorschlag an mich herangetreten, dieses Stück zu inszenieren, und es hat mich sofort angesprochen. „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ ist zeitlos, wird seit Generationen gelesen und weitergegeben – und es ist erstaunlich, wie unmittelbar Kinder auch heute noch darauf reagieren. Als ich mich mit der Partitur beschäftigt habe, hat mich besonders die musikalische Anlage von Elisabeth Naske fasziniert: Die Viola übernimmt hier eine Rolle, die weit über eine bloße Begleitung hinausgeht. Sie „spricht“ förmlich, kommentiert das Geschehen nicht nur, sondern tritt in einen echten Dialog mit dem Maulwurf und wird so zu einer eigenen Figur auf der Bühne. Dieser musikalische Eigencharakter verleiht dem Stück eine große theatrale Kraft. Gleichzeitig verlangt diese Anlage unserem Musiker Dowon Kim sehr viel ab, da er alles auswendig spielt und vollständig in das szenische Geschehen eingebunden ist.

War dir von Anfang an klar, dass der Maulwurf durch eine Klappmaulpuppe verkörpert werden soll? Was hat dich zu dieser Entscheidung bewogen?

Relativ früh, ja. Der Maulwurf ist eine sehr körperliche, unmittelbare Figur – klein, neugierig, hartnäckig. Eine Klappmaulpuppe erlaubt es, genau diese Qualitäten sichtbar zu machen. Sie schafft Nähe, Lebendigkeit und eine Direktheit im Spiel, die gerade für junge Zuschauer*innen wichtig ist. Außerdem erlaubt sie ein präzises Zusammenspiel von Sprache, Bewegung und Musik. Gleichzeitig ist diese Entscheidung natürlich auch eine besondere Herausforderung für die Sängerin Hazel McBain (bzw. Electra Lochhead), die nicht nur singen, sondern zugleich die Puppe führen und ihr Leben einhauchen muss. Genau aus dieser Mehrfachaufgabe entsteht aber eine große Präsenz und Intensität auf der Bühne. Hinzu kommen auch noch acht Masken, mit denen unsere Schauspielerin Tina Eberhardt unterschiedliche Figuren verkörpert: Jedes Tier erhält einen eigenen Charakter, eine eigene Haltung und Energie. Das ist körperlich und stimmlich äußerst anstrengend, verlangt große Konzentration und Ausdauer.

Dowon Kim und Tina Eberhardt in den Proben für „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“.
Foto: SLT Raffael Holzinger
Dowon Kim und Tina Eberhardt in den Proben für „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“.

Was hat dich inhaltlich an dieser Geschichte gereizt?

Mich reizt vor allem die Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Die Geschichte ist komisch, manchmal sogar derb, aber darunter liegt ein zutiefst menschliches Bedürfnis: gehört zu werden, Gerechtigkeit zu erfahren und Antworten zu finden. Im Kern ist es nämlich auch ein Kriminalfall: Es gibt ein Rätsel, eine Spurensuche, eine richtige Entdeckungsreise. Der Maulwurf bleibt beharrlich, stellt Fragen und gibt nicht auf. Diese Haltung ist Kindern ganz selbstverständlich vertraut – und für Erwachsene oft eine wertvolle Erinnerung daran, wie wichtig Neugier sein kann. Für diese Spurensuche hatte ich zudem ein wunderbares Team an meiner Seite: gemeinsam mit unserem musikalischen Leiter Tobias Meichsner und der Ausstatterin Geraldine Massing haben wir uns inhaltlich und künstlerisch auf Entdeckungsreise begeben. Besonders schön war es zu erleben, wie intensiv und engagiert alle Abteilungen des Hauses diese aufwändige Produktion unterstützt haben – erst dadurch konnte diese Produktion in ihrer Vielfalt und Detailfreude entstehen.

Der Abend ist für alle ab 5. Was ist dir besonders wichtig, wenn es darum geht, Musiktheaterproduktionen für so junge Menschen zu inszenieren?

Mir ist Ehrlichkeit extrem wichtig. Kinder merken sofort, wenn man sie unterschätzt oder belehren will. Musiktheater für junge Menschen darf verspielt sein, aber es muss klar, rhythmisch und emotional nachvollziehbar bleiben und sollte mehrere Ebenen anbieten – sodass jede Generation etwas Eigenes darin entdecken kann, also ein Erlebnis für die ganze Familie. Gleichzeitig sollten Bilder, Klänge und Figuren genug Tiefe haben, um Fantasie anzuregen und Raum für eigene Gedanken zu lassen.

Richard Panzenböck führt Regie. Er studierte u.a. Theater-; Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien, seine Puppenspielausbildung erhielt er in London bei Nigel Plaskitt. Sieben Jahre lang war er als Hauptpuppenspieler für Sendungen des ORF tätig. Seine Theaterarbeit führte ihn an Häuser wie das Burgtheater, Akademietheater, Theater der Jugend, Wiener Festwochen, Salzburger Festspiele, Salzburger Landestheater, Vienna’s English Theatre, Theater an der Wien, Hamakom/Nestroyhof, Prinzregententheater, Theater Drachengasse, European Shakespeare Days etc., sowie zu diversen Festivals.
Fotos: Geraldine Massing, Grafik: Richard Panzenböck
Richard Panzenböck führt Regie. Er studierte u.a. Theater-; Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien, seine Puppenspielausbildung erhielt er in London bei Nigel Plaskitt. Sieben Jahre lang war er als Hauptpuppenspieler für Sendungen des ORF tätig. Seine Theaterarbeit führte ihn an Häuser wie das Burgtheater, Akademietheater, Theater der Jugend, Wiener Festwochen, Salzburger Festspiele, Salzburger Landestheater, Vienna’s English Theatre, Theater an der Wien, Hamakom/Nestroyhof, Prinzregententheater, Theater Drachengasse, European Shakespeare Days etc., sowie zu diversen Festivals.

In deiner Idealvorstellung: Welche Gedanken und Gefühle nimmt das Publikum aus den Vorstellungen mit nach Hause? 

Idealerweise geht das Publikum mit dem Gefühl nach Hause, eine spannende und lebendige Zeit erlebt zu haben. Vielleicht bleibt auch der Mut, weiter nachzufragen, wenn etwas unklar ist. Vor allem wünsche ich mir, dass das Erlebte Gespräche anstößt – über Neugier, über Hartnäckigkeit, über Fragen, die man stellen sollte, und vielleicht auch über ganz alltägliche, praktische Dinge. Für die Erwachsenen wünsche ich mir, dass sie dabei einen liebevollen, neuen oder anderen Blick auf kindliche Beharrlichkeit und Neugier mitnehmen. Wenn nach der Vorstellung Gespräche zwischen Kindern und Erwachsenen entstehen, dann hat die Produktion für mich genau das erreicht, was Theater sein kann: ein Ort der Kommunikation, des Erfahrungsaustausches und des gemeinsamen Nachdenkens.

 

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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