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Im Theater in der Josefstadt agieren Raphael von Bargen in der Rolle des Karsten Bernick und Silvia Meisterle in der seiner Frau Nora als „Die Stützen der Gesellschaft“.

Im Theater in der Josefstadt agieren Raphael von Bargen in der Rolle des Karsten Bernick und Silvia Meisterle in der seiner Frau Nora als „Die Stützen der Gesellschaft“.
Moritz Schell

Stützen der Gesellschaft von Henrik Ibsen

Theater in der Josefstadt
Ein Stück in einer Minute

Erfolg und Ansehen – gebaut auf Lebenslüge und Betrug. In „Stützen der Gesellschaft“ seziert Henrik Ibsen anhand geschäftlicher Machenschaften und privater Verfehlungen die Diskrepanz zwischen Sein und Schein.

Das 1877 veröffentlichte Stück des norwegischen Dramatikers gilt als Meilenstein seines Schaffens und greift dessen vorherrschende Themen auf: Bürgerliche Fassaden, die ins Bröckeln geraten. Moralisches Fehlverhalten, das in Heuchelei mündet. Gesellschaftliche Umbrüche, aus denen kaum Zukunftshoffnungen erwachsen. Das erste „Gesellschaftsdrama“ Ibsens ist auch beinahe 150 Jahre nach seiner Uraufführung von markanter Aktualität.

Inhalt

Im Mittelpunkt des Dramas steht der Werftbesitzer Konsul Karsten Bernick, der, gemeinsam mit seinen mächtigen Freunden, die wirtschaftlichen Geschicke seiner heimatlichen Kleinstadt bestimmt und sich auch moralisch als eine der Stützen der Gesellschaft versteht. Er versucht, ein Eisenbahnprojekt zu realisieren, das er ursprünglich bekämpfte, das ihm nun aber – nach dem Kauf billiger Grundstücke entlang der geplanten Strecke – viel Geld einbringen soll.

In dieser Phase kündigt sich Besuch an: Der Bruder seiner Frau Betty, Johan Tønnesen, und dessen Halbschwester Lona kommen nach vielen Jahren aus Amerika zurück. Angeblich ist Johan deshalb ausgewandert, weil er einst Geld aus der Werft gestohlen und mit einer verheirateten Schauspielerin ein Kind gezeugt haben soll. Dieses mittlerweile erwachsene Kind, Dina, wuchs im Hause von Karsten und Betty Bernick auf, da Karstens alleinstehende Schwester Marta es nach dem Tod seiner leiblichen Mutter adoptiert hatte.

Dina verliebt sich in Johan und beschließt, mit ihm nach Amerika zu gehen. In Wahrheit ist allerdings Karsten der Vater Dinas und auch derjenige, der das Geld einst aus wirtschaftlicher Not veruntreute. Johan nahm aus Freundschaft damals alles auf sich, droht nun aber damit, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Ein noch nicht fertig repariertes und damit seeuntüchtiges Schiff aus Bernicks Werft soll Johan und Dina nach Amerika bringen – womit Karstens Probleme wahrscheinlich auf dem Grund des Atlantiks gelöst würden. Doch zum Glück haben die beiden, wie sich herausstellt, ein anderes Schiff genommen. Am Ende lässt Ibsen den Konsul seine Schuld bekennen und so Johan rehabilitieren.


Geschichte des Werks

„Stützen der Gesellschaft“ ist Henrik Ibsens erstes Prosaschauspiel und gleichzeitig das erste seiner „Gesellschaftsdramen“. Es entstand zwischen 1875 und 1877 und ist inspiriert vom thematisch ähnlichen Stück „Ein Bankrott“ des norwegischen Nobelpreisträgers Bjørnstjerne Bjørnson, das 1875 uraufgeführt wurde.

Ibsens Drama fällt in die Kategorie des Naturalismus, einer Strömung Ende des 19. Jahrhunderts, die nicht nur auf exakter Gesellschafts- und Naturbeobachtung großen Wert legte, sondern auch die Darstellung aktueller Zeitprobleme in den Mittelpunkt stellte. Im Falle von „Stützen der Gesellschaft“ werden auch die zunehmende Industrialisierung, das Aufkeimen der Gewerkschaften, die Lebensverhältnisse des Proletariats oder die Stellung der Frau thematisiert.

Das Stück feierte vor allem in Deutschland große Erfolge, wo es 1878 in Berlin an fünf unterschiedlichen Bühnen gezeigt wurde und nur ein Jahr darauf deutschlandweit 26 Inszenierungen erfuhr. Heute zählt es zu den eher selten gespielten Dramen von Ibsen.

Klaus Peter Vollmann
Klaus Peter Vollmann
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