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Hasti Molavian wurde 1988 in Teheran geboren und studierte Gesang an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Sie war Mitglied des Opernstudios der Oper Dortmund und bis 2020 Ensemblemitglied am Theater Bielefeld. Zudem beschäftigt sie sich intensiv mit zeitgenössischer Musik. Seit 2020 gehört sie zum Ensemble des Volkstheaters.

Hasti Molavian wurde 1988 in Teheran geboren und studierte Gesang an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Sie war Mitglied des Opernstudios der Oper Dortmund und bis 2020 Ensemblemitglied am Theater Bielefeld. Zudem beschäftigt sie sich  intensiv mit zeitgenössischer Musik. Seit 2020 gehört sie zum Ensemble des Volkstheaters.
Foto: Raphael Just

Spiel im Spiel

Volkstheater

Im spartenübergreifenden Abend „Calls of Duty: Jeanne d’Arc“ bewegen sich die heiligen Johannas unserer Zeit durch verschiedene Videospielwelten. Sie begegnen dabei auch Schiller, Verdi, Tschaikowski und anderen.

Wie viele Leben habe ich noch? Wer sich diese Frage im Laufe einer Videospielsession noch nie gestellt hat, hat nicht gelebt. Oder gespielt. Wie auch immer. Eines steht fest: Johanna von Orléans gehört definitiv zu jenen historischen Figuren, denen mehr als nur einmal neues Leben eingehaucht wurde. Je nachdem, wer sich gerade mit ihrer Geschichte beschäftigte, musste sie dabei jedoch unterschiedliche Rollen annehmen – von der Liebenden bis zur Nationalheldin und Märtyrerin. Ihr Potenzial als Projektionsfläche wurde von Schiller ebenso erkannt wie von Verdi.

Was das nun alles mit Videospielen zu tun hat, werden Sie sich nun berechtigterweise fragen. Wir versuchen ein wenig Licht in die Sache zu bringen: In
seiner Auseinandersetzung mit dem Stoff bringt Regisseur Paul-Georg Dittrich die berühmte Kriegerin nicht nur szenisch und musikalisch, sondern auch als Video­spielfigur auf die Bühne. Wobei es in „Calls of Duty: Jeanne d’Arc“ (Premiere am 13. April in der Dunkelkammer des Volkstheaters) mehr als nur eine Johanna geben wird, wie Sängerin und Schauspielerin Hasti Molavian festhält.

„Wir haben nach den Johannas unserer Zeit gesucht“, fügt Molavian hinzu, die sich nach „Ich bin Carmen und das ist kein Liebeslied“ erneut in einem spartenübergreifenden Soloabend mit einer berühmten Frauenfigur aus der Kulturgeschichte auseinandersetzen wird. „Bei ‚Carmen‘ gab es den Bezug zu meinem eigenen Leben. Hier war es so, dass wir uns mit Frauenfiguren beschäftigen wollten, für die es hier in Mitteleuropa kaum Interesse gibt“, setzt sie nach einer kurzen Pause nach. So treffen die Zuschauer*innen in drei eigens von Lukas Rehm für die Inszenierung programmierten Jeanne d’Arc-Levels auf die schwarzen Witwen der Tschetschenien-Kriege, die kurdischen Widerstandskämpferinnen in Syrien und die 1880 verstorbene Afghanin Malalai Noorzai von Maiwand, die aufgrund ihres mutigen Voranschreitens im Zweiten Anglo-Afghanischen Krieg als „afghanische Johanna von Orléans“ bezeichnet wurde.

Nach „Ich bin Carmen und das  ist kein Liebeslied“ ist mit „Calls of Duty: Jeanne d’Arc“ nun zum zweiten Mal eine Arbeit von Paul-Georg Dittrich im Volkstheater zu sehen.
Foto: Teresa Rothwangl
Nach „Ich bin Carmen und das ist kein Liebeslied“ ist mit „Calls of Duty: Jeanne d’Arc“ nun zum zweiten Mal eine Arbeit von Paul-Georg Dittrich im Volkstheater zu sehen.

Oper trifft Gaming

„Ich stelle mir oft die Frage, wie relevant das für die Welt da draußen ist, was wir hier in diesen Theater- und Opernräumen, die sich hin und wieder schon sehr abgekoppelt anfühlen, eigentlich machen“, so Molavian. Sie setzt nach: „Mir ist es auch in dieser Arbeit ein großes Anliegen, nicht von oben herab auf den Mittleren Osten zu blicken, sondern einen anderen Blickwinkel zu kreieren als jenen, den man in Hollywoodfilmen und auch in Computerspielen häufig bekommt. Man macht es sich viel zu einfach, wenn man sagt: Das sind die, die im Elend leben und bei denen es Kriege und Krisen gibt, und das sind wir. Die Frage sollte auch lauten, wie viel Anteil wir hier im Westen eigentlich an diesen Kriegen haben.“

Wie auch schon „Ich bin Carmen und das ist kein Liebeslied“ ist „Calls of Duty: Jeanne d’Arc“ ein Abend, der sich nicht in eine Genre-Schublade stecken lässt. „Text, Musik und Video begegnen einander auf Augenhöhe“, bringt es Paul-Georg Dittrich auf den Punkt. „So wie im Schauspiel, wo der Text als Steinbruch verstanden wird, wollen wir hier mit dem musikalischen Material umgehen. Wir haben uns aus den verschiedenen musikalischen Adaptionen des Stoffes unterschiedliche Motive, Arien und Duette herausgenommen und bringen diese in bearbeiteter Form auf die Bühne. Auch die aus dem Gaming bekannte Soundästhetik wird eine Rolle spielen. Und unser Komponist Christopher Scheuer steht als Live-Musiker auf der Bühne.“

Könnte man also sagen: Die beiden haben „Jeanne d’Arc“ einmal komplett durchgespielt? Wohl kaum, denn das würde ja bedeuten, dass alle Fragen beantwortet sind. Und Antworten liefern möchte Paul-Georg Dittrich keinesfalls. Lieber die Zuschauer*innen berühren und Fragen aufwerfen. „Und Leben verkörpern – mit allem, was dazugehört“, ergänzt Hasti Molavian, bevor sich die beiden auf den Weg in die Probe machen.

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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