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Zuschauerraum und Bühne im Wiener Volkstheater.

Zuschauerraum und Bühne im Wiener Volkstheater.
Foto: Emil Blau//Martin Geyer

Schnell erklärt: Was ist die vierte Wand eigentlich?

Wissenswertes

Obwohl jede Bühne nur drei davon hat, ist häufig von der sogenannten vierten Wand die Rede. Doch was verbirgt sich dahinter und gab es die vierte Wand schon immer? Wir haben uns mit der unsichtbaren Trennlinie zwischen Publikum und Spielenden beschäftigt.

Ein Zimmer hat vier Wände. So eindeutig, so gut. Eine Bühne hat drei Wände. Auch klar. Und warum ist in Zusammenhang mit Theater trotzdem immer wieder von der vierten Wand die Rede? Vereinfacht ausgedrückt: Weil sich dahinter die imaginäre Trennwand zwischen den Spieler*innen auf der Bühne und dem Publikum verbirgt. Die Spielenden können diese jedoch auch durchbrechen – aus ihren Rollen aussteigen und mit dem Publikum interagieren.

Doch zunächst zur vielleicht offensichtlichsten Frage: Gab es die vierte Wand schon immer? Die Antwort lautet: nein. Im Theater der griechischen Antiken standen die Personen auf der Bühne oft in Interaktion mit dem Chor, der als Bindeglied zwischen den Spielenden und dem Publikum fungierte. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde diese Trennlinie auch nicht klar gezogen. Solange Theater auf Jahrmärkten stattfand, war es auch gar nicht möglich, die beiden Bereiche klar voneinander zu trennen. Und auch in den Häusern mit sogenannter „Guckkastenbühne“ wandten sich die Spieler*innen häufig dezidiert ans Publikum. Erst das „geschlossene Theater“ der französischen Klassik vermied solche Illusionsbrüche.

Der Anfang des 18. Jahrhunderts geborene Schriftsteller und Philosoph Denis Diderot forderte: „Stellen Sie sich am Vorderrand der Bühne eine große Mauer vor, die Sie vom Parterre trennt, und spielen Sie so, als würde sich diese Wand nicht wegbewegen.“ Mit dem Aufkommen des Naturalismus verschwanden sämtliche Brechungen der vereinbarten Illusion. Man sollte sich dieser voll und ganz hingeben. Gerhart Hauptmann erklärte, dass er seine Stücke schriebe, „ohne an das Publikum nur zu denken, als ob die Bühne nicht drei, sondern vier Wände hätte.“

Mit Bertolt Brecht fand eine erneute Brechung der vierten Wand statt. Damit ging auch eine Kritik am Naturalismus einher. Schon allein dadurch, dass er einen leicht aufziehbaren Vorhang als Trennelement zwischen Publikum und Spielenden einsetzte, kam es zu einer Öffnung. Gleichzeitig stellte er mit seinen Verfremdungseffekten das Theater als Illusionsmaschinerie in Frage. Das epische Theater war geboren. Und damit die vierte Wand erneut durchbrochen.

Heute gibt es verschiedene Varianten, die Trennung zwischen Publikum und Spielenden aufzuheben. Auch die Bühnenbildner*innen können mit ihrer Arbeit in dieser Hinsicht viel bewirken.

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