Zum Inhalt springen

Martin Reinke als König Lear im Burgtheater.

Martin Reinke als König Lear im Burgtheater.
Foto: Kraft Angerer

König Lear von William Shakespeare

Burgtheater
Ein Stück in einer Minute

Ein Stück, das für das Publikum zu Shakespeares Zeiten fast unzumutbar war und später unzählige Inszenierungen und Adaptionen nach sich zog. Die vertrackte Geschichte König Lears ist hier in einer Zusammenfassung zu lesen.

Inhalt

Das Stück enthält zwei Handlungsstränge. Der erste dreht sich um König Lear, der abdanken und sein Erbe an seine drei Töchter verteilen will. Dafür will er von ihnen wissen, wie sehr sie ihn lieben. Zwei der Töchter, die bereits verheiratet sind, antworten zufriedenstellend, die dritte, noch ledige Cordelia allerdings, will sich nicht an diesem Wettstreit beteiligen und wird enterbt. Der König von Frankreich will sie dennoch zur Frau haben. Die beiden anderen Töchter müssen im Gegenzug für ihr Erbe nun jeweils ein Monat ihren Vater mitsamt 100 Rittern beherbergen. Das führt zum Streit, woraufhin Lear auch sie verstößt.

Der zweite Plot dreht sich um die Gebrüder Edgar und Edmund, einem Bastard Grafen Gloucesters. Der intrigiert gegen seinen Bruder, um ihn als Erben loszuwerden und schafft es, dass er den Hof verlässt. Gloucester will indessen König Lear helfen, der von seinen Töchtern abgewiesen wurde, ihm werden jedoch beide Augen ausgestochen und er irrt blind umher.

Draußen treffen sich die Ausgestoßenen, der verrückt gewordene Lear, Edgar und Gloucester und werden zu Cordelia gebracht, die sich mit ihrem Vater versöhnt. Inzwischen erscheinen die Truppen der beiden Schwestern unter der Führung Edmunds, Lear und Cordelia beseitigen lassen will. Edmund kann besiegt werden, doch Cordelias Schwester hat sie bereits vergiftet, bevor sie sich selbst tötet. Da Lear selbst nicht mehr regieren kann, wird Edgar zum Nachfolger.

Werkgeschichte

Vermutlich entstand das Stück zwischen 1603 und 1606, eine exakte Datierung gibt es nicht. 1605 wird häufig als Entstehungsdatum genannt aufgrund möglicher Parallelen zu dem 1605 erschienen Stück The True Chronicle History of King Leir und Anspielungen im Text auf Naturphänomene in diesem Jahr.

Die Titelfigur ist orientiert an König Leir, einem legendären König Brittaniens aus der vorrömischen Zeit, der vor allem in der Historia Regum Britanniae erwähnt wird, aber auch in den Chronicles of England, Scotland and Ireland, die Shakespeare häufig als Quelle nutzte.

Aufführungsgeschichte

Die früheste belegte Aufführung fand 1608 in Whitehall vor König James I. statt, vermutlich wurde das Stück aber schon vorher im Globe Theatre gespielt. Das Stück galt durch die vielen grausamen Szenen auch lange Zeit als unzumutbar für das Publikum. In den deutschsprachigen Raum kam es schon früh durch englische Wanderschauspieler.

In einer Inszenierung von 1990 durch Robert Wilson wurde die Titelfigur von einer Frau, Marianne Hoppe, gespielt. Im Burgtheater schlüpften bereits Klaus Maria Brandauer als auch vor ihm Gert Voss in die Titelrolle.

Wie viele andere Shakespeare-Stücke wurde auch dieses mehrfach verfilmt, beispielsweise auch von Akira Kurosawa. Auch literarische Adaptionen sind bekannt, allen voran Honoré de Balzacs Roman Le Père Goriot oder der 1991 erschienene Roman Thousand Acres von Jane Smiley, wovon es auch eine Verfilmung gibt.

Prominente Interpret*innen

Die Verfilmung von Smileys Roman glänzt mit Michelle Pfeiffer und Colin Firth. Orson Welles war in einer Verfilmung 1953 zu sehen, Paul Scofield 1971.

Redaktion
Autor
Mehr zum Thema
  • Theater der Jugend
    Wo Gras wächst, ist Hoffnung
    Es summt und brummt auf der ins Renaissancetheater gezimmerten Wiese. Regisseur Peter Lund und sein...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Wiener Staatsoper
    Wenn das Licht mitdenkt
    Es ist die Mischung aus Tradition und Innovation, aus Handwerk und Hightech, die die Oper lebendig...
    Von Atha Athanasiadis
  • Theater in der Josefstadt
    Die Bühne. Ein Leben.
    Marianne Nentwich gehört dem Ensemble des Theaters in der Josefstadt seit 62 Jahren an. Nun...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Volkstheater
    In neuem Licht
    Die Musicbanda Franui und der Circa Contemporary Circus laden an zwei Abenden dazu ein, die...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Burgtheater
    4 Fragen an Roman Senkl
    In „Solaris“ wird der Psychologe Kris Kelvin auf einen Planeten geschickt, der Lebewesen...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Festspiele Reichenau
    Kleiner Prinz, große Magie
    Antoine de Saint-Exupérys Erzählung „Der kleine Prinz“ ist eine Aufforderung, die...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Johanna Lakner
studierte Fashion
und Visual Arts, ehe
sich ihr Interesse
in Richtung Theater
und Oper verlagerte.
    Festspiele Reichenau
    Jedes Stück braucht ein Zuhause
    Johanna Lakner verantwortet Bühne und Kostüm für Joseph Roths „Die Legende vom heiligen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Festspiele Reichenau
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
1 / 12