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Philipp Hochmair ist seit Anbeginn dabei und wollte trotz seines Engagements als „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen auch heuer nicht fehlen. Er wird Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ interpretieren. Und danach ins Becken springen.

Philipp Hochmair ist seit Anbeginn dabei und wollte trotz seines Engagements als „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen auch heuer nicht fehlen. Er wird Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ interpretieren. Und danach ins Becken springen.
Alex Felten

Kafka, Bernhard, Artmann und Didion: Literarische Wonnen beim „Schwimmenden Salon“

Bad Vöslau

Von Verena Altenberger bis Philipp Hochmair, von Caroline Peters bis Michael Maertens, von Stefanie Reinsperger bis Roland Koch: Das Who is Who des heimischen Theaters trifft sich auch heuer wieder im Thermalbad Vöslau zur sommerlichen Kunstausübung.

Was man sich als Jugendlicher noch gesetzeswidrig durch Überwindung hoher Zäune erschleichen musste, lässt sich nun nach Kauf einer Eintrittskarte ganz legal erleben: eine Nacht im Freibad. Oder sogar sechs, denn auf ebenso viele Abende erstreckt sich das heurige Programm des von Angelika Hager ins Leben gerufenen und an eben diesem gehaltenen „Schwimmenden Salon“.

Den Anfang macht am 29. Mai jener Mann, der mit seinen elektrisierenden Performances seit der Erstausgabe dabei ist: Philipp Hochmair. Der aktuelle Jedermann-Darsteller bei den Salzburger Festspielen ist auch ein bekennender Adorant Franz Kafkas und eröffnet das Festival anlässlich dessen 100. Todestages mit einer sehr persönlichen Interpretation des Jahrhundertromans „Der Prozess“. Man muss wohl kein großer Hellseher sein, um zu prophezeien, dass Hochmair danach baden gehen wird.

Auch Max Simonischek, ab nächster Saison neu am Burgtheater, und seine Burg-Kollegin Katharina Lorenz widmen sich dem Genie Franz Kafka, nähern sich diesem mit der Lesung „Ich elender Mensch!“ allerdings von einer persönlicheren Seite. Angelika Hager rückt anhand von Briefen, Tagebuchnotizen und Zeitzeugenberichten das Bild des Schriftstellers ein wenig zurecht. „Kafka besaß einen ungeheuren Humor und großen Sinn für das Absurde, er war nicht nur der weltentrückte Melancholiker, als den ihn die Literaturgeschichte lange dargestellt hat“, so die Kuratorin und Intendantin. Katharina Lorenz und Max Simonischek freuen sich überdies, dass ihr Auftritt auf den 3. Juli, also Franz Kafkas Geburtstag, fällt.

Ebenfalls ein langjähriger Stammgast beim „Schwimmenden Salon“ ist Burgtheater-Schauspieler Roland Koch, der sich heuer gemeinsam mit Ex-Buhlschaft und Filmschauspielerin Verena Altenberger der „Musenverweigerung“ – so der Titel des Abends – widmet. Es geht einerseits um Camille Claudel, Geliebte von Auguste Rodin und geniale Bildhauerin, die Jahrzehnte in einer psychiatrischen Anstalt verbrachte und erst posthum künstlerische Würdigung erfuhr – und andererseits um Françoise Gilot, Lebensgefährtin von Pablo Picasso, Mutter seiner Kinder, die sich allerdings sehr bald vom Status der Muse emanzipierte und zur weltweit gefeierten Malerin avancierte.

Thomas Bernhards von Hassliebe, Abhängigkeiten, Neurosen und sexuellen Sublimierungen geprägtes Geschwister-Stück „Ritter, Dene, Voss“ nehmen sich Regina Fritsch, Mavie Hörbiger und Michael Maertens in einer szenischen Lesung vor. Gerne würde man Selbiges in ebendieser personellen Anordnung auch einmal auf der Bühne sehen!

Erneut freuen darf man sich auch auf Burg-Heimkehrerin Stefanie Reinsperger, die bereits 2023 gemeinsam mit Sebastian Wendelin das Publikum zu Begeisterungsbekundungen hinriss. Heuer verneigen sich die beiden unter dem Titel „Gemein und geliebt!“ literarisch vor Wien. Neben Texten von Heimito von Doderer, H.C. Artmann und Helmut Qualtinger darf man sich auch auf ein paar Lieder aus den Tiefen der Stadt-Seele freuen.

Last but not least, Caroline Peters. Der langjährige Burgtheaterstar wird im Herbst an ihre angestammte Wirkungsstätte zurückkehren und beschließt das Festival in Bad Vöslau mit Texten der US-amerikanischen Journalistin, Schriftstellerin, Essayistin und Drehbuchautorin Joan Didion. Titel der Textcollage: „Jahre des magischen Denkens“. Begleitet werden die literarischen Roadmovies von Songs des Amerikaners Ian Fisher, der lange in Wien gelebt hat.

Sebastian Wendelin und Stefanie Reinsperger wussten schon im vergangenen Jahr das Publikum auf ihrer Seite. Heuer verneigen sie sich mit Texten von Artmann, Qualtinger und von Doderer sowie seelentiefen Liedern vor Wien.
Sedrick Kollerics
Sebastian Wendelin und Stefanie Reinsperger wussten schon im vergangenen Jahr das Publikum auf ihrer Seite. Heuer verneigen sie sich mit Texten von Artmann, Qualtinger und von Doderer sowie seelentiefen Liedern vor Wien.

Schwimmender Salon 2024 – das Programm

 

Mittwoch, 29. Mai 2024
„Der Prozess“ von Franz Kafka: Philipp Hochmair

 Mittwoch, 3. Juli 2024
„Ich elender Mensch“ – Franz Kafka in Tagebüchern, Briefen, Romanauszügen: Katharina Lorenz, Max Simonischek

 Donnerstag, 11. Juli 2024
„Musenverweigerung“ – Texte von und über Camille Claudel, Auguste Rodin, Francoise Gilot, Pablo Picasso: Verena Altenberger, Roland Koch

 Mittwoch, 24. Juli 2024
„Ritter, Dene, Voss“ von Thomas Bernhard: Regina Fritsch, Mavie Hörbiger, Michael Maertens

 Dienstag, 30. Juli 2024
„Gemein und geliebt!“ – Texte von H.C. Artmann, Heimito von Doderer, Helmut Qualtinger über Wiener Gemütslagen: Stefanie Reinsperger, Sebastian Wendelin

 Donnerstag, 29. August 2024:
„Jahre des magischen Denkens“ – Texte von Joan Didion: Caroline Peters, Ian Fisher

Tickets & Informationen

Karten sind sowohl an der Kassa des Thermalbades Vöslau als auch über Ö-Ticket, www.oeticket.at, erhältlich. Pro Person können maximal sechs Tickets erworben werden. Alle Veranstaltungen des „Schwimmenden Salons“ beginnen um 20.30 Uhr, bei Schlechtwetter entfallen die Veranstaltungen und der Ticketpreis wird rückerstattet (keine Ersatztermine).

 

Thermalbad Vöslau

Maital 2

2540 Bad Vöslau

thermalbad-voeslau.at

Klaus Peter Vollmann
Klaus Peter Vollmann
Autor
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