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Jona Rausch wird am 3. Februar mit vier weiteren Stipendiat*innen ihren Stückentwurf im Schauspielhaus Wien präsentieren.

Jona Rausch wird am 3. Februar mit vier weiteren Stipendiat*innen ihren Stückentwurf im Schauspielhaus Wien präsentieren.
Foto: Michèle Yves Pauty

Hans-Gratzer-Stipendium: 6 Fragen an Jona Rausch

Schauspielhaus Wien

Jona Rausch ist für das diesjährige Hans-Gratzer-Stipendium nominiert. Am 3. Februar stellt sie mit vier anderen Nominierten im Schauspielhaus Wien ihren Stückentwurf vor. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Du bist für das diesjährige Hans-Gratzer-Stipendium nominiert, am 3. Februar 2024 stellt ihr eure erarbeiteten Texte im Schauspielhaus Wien vor. Wie fühlst du dich, deinen Stückentwurf einer so großen Öffentlichkeit zu präsentieren?

Ich bin aufgeregt. Es ist das allererste Mal, dass ich einen Theatertext geschrieben habe. Und jetzt kann ich dabei zu sehen, wie andere Menschen diesen Text lesen, hören, wahrnehmen, rezipieren.  Das Schauspielende den Text bei der Werkstattlesung lesen, das finde ich am aufregendsten, wenn ich ehrlich bin.

Was kann sich das Publikum von diesem Abend erwarten?

Es wird 20 Minuten Sneak-Peeks geben von unseren fünf Stücken. Sie werden von Schauspielenden gesprochen und durch eine*n Dramaturg*in inszeniert. Ich bin selbst sehr gespannt, was aus unseren Texten geworden ist und freue mich darauf, hinterher ein Getränk mit allen zu schlürfen, die an diesem Abend anwesend sind.

Alle Nominierten haben zwischen Oktober 2023 und Jänner 2024 ihre Werke in Workshops erarbeitet, begleitet von einem Mentorat. Wie liefen diese Workshops ab, was kann man sich darunter vorstellen?

Textbesprechung, Textbesprechung, viel Wertschätzung, Kritik, Referenztexte, Lesen, snacken. Gemeinsam am Tisch sitzen. Die ersten Eindrücke teilen. Kritisieren. Dann liebevoll sein. Dann Rollen einnehmen. Weiterspinnen. 3 Stunden intensives Arbeiten. Fragen zurückstellen. Tipps für das Weiterarbeiten geben, Schreiben, frische Luft schnappen. Über Politik reden. Über Utopien reden. Den Betrieb kritisieren. Fußball spielen ab und an. Ein Symposium besuchen. Das Schauspiel hinter den Kulissen betrachten. Zu einer Premiere gehen. Begeisterung teilen. Sich in die Arme schließen. Gemeinsam Tanzen und Getränke schlürfen.

Du schreibst auch viel Prosa und veröffentlichst deine Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften. Hattest du davor schon Berührungspunkte zu dramatischen Texten? Wie geht man auf dramatische Texte anders zu?

Theater kannte ich vorher nur vom Selbst spielen. Ich habe letztes Jahr einen Unikurs zum szenischem Schreiben belegt, zu dem ich nie wirklich erschienen bin – shame on me - aber da haben wir wirklich ganz viele tolle Stücke gelesen. Da hab ich mich verliebt in Theatertexte. „Get deutsch or die tryin'“ (Anm. von Necati Öziri) war meine erste Liebe. „Die Schutzbefohlenen" (Anm. von Elfriede Jelinek) meine zweite. Die Stücke meiner Kommilition*innen meine dritte. Ich hab dabei gemerkt, dass ist genau das, was ich machen möchte. Texte schreiben, die man laut hört. Die ein Erlebnis sind und nicht nur in einem Bücherregal verschwinden. Texte, mit denen andere Menschen noch etwas machen. Kollektives Arbeiten bevorzuge ich eh, da bietet Theater einfach viel mehr Raum für.

Was inspiriert dich?

Meine beste Freundin, die ihr ganzes Leben für politischen Aktivismus opfert. Meine schreibenden Freund*innen, die ehrlich sind mit ihrer Kunst und nur dabei bleiben, was ihnen wichtig ist und nicht, was der Betrieb von ihnen will. Die Frauen um mich herum, die laut sind und Dinge für sich einfordern. Die Menschen um mich herum, die eher einer eigenen Moral folgen, als an Gesetze glauben. Necati Öziri. Helene Hegemann. Nail Doğan. Sascha Marianne Salzmann. Raven Leilani. Um nur einige zu nennen.

Über was soll deiner Meinung nach mehr geschrieben werden?

Es gibt so viele wichtige Themen, über die man schreiben sollte. Aber dennoch würde ich mir manchmal mehr Utopie wünschen. Nicht die Zustände absprechen, aber sie vielleicht nicht nur darstellen, sondern Alternativen aufzeigen, die Mut machen können. Hoffnung geben. Emanzipatorische Ausbrüche aus dem JETZT. Wo ich konkret werden kann, worüber in jedem Fall weniger geschrieben werden sollte: Aufarbeitung eigener Täterschaft. Oh boy.

Zur Person: Jona Rausch

Jona Rausch (*2002) geboren in Minden, studiert Literarisches Schreiben in Leipzig. Sie hat schon in mehreren Zeitschriften veröffentlicht, u.a. BellaTriste, Gym und Das Narr. Jona ist Herausgeberin der Tippgemeinschaft 2023 und arbeitet nebenbei bei der queeren Jugendorganisation LAMBDA. In ihren Texten setzt sie sich viel mit Armut, Familie und Körper auseinander. Sie ist mit ihrem Stückeentwurf BETONKLOTZ 2000 für das Hans-Gratzer-Stipendium 2023/4 nominiert.

Bernadette Sarman
Bernadette Sarman
Autor
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