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Als Theaterschauspielerin* ist Elena Wolff am 27. und 28. Mai in den Münchner Kammerspielen zu sehen. Ihr* Kabarettprogramm „Apokalypse Frau*" läuft im Kabarett Niedermair.

Als Theaterschauspielerin* ist Elena Wolff am 27. und 28. Mai in den Münchner Kammerspielen zu sehen. Ihr* Kabarettprogramm „Apokalypse Frau*" läuft im Kabarett Niedermair.
Foto: Alex Gotter

Elena Wolff: Gedankenfeuerwerk vor flackerndem Bildschirmfeuer

Porträt

Elena Wolff ist Schauspielerin*, Kabarettistin*, Drehbuchautorin* und Regisseurin*. „Sich breiter aufstellen“ nennt sie* das im BÜHNE-Interview. Wir wären da eher für: Universalgenie.

„Während meiner Schauspielschulzeit habe ich festgestellt, dass Frauen nur sehr selten Figuren verkörpern, die Humor produzieren“, sagt Schauspielerin*, Kabarettistin* und Regisseurin* Elena Wolff und nimmt einen Schluck von ihrem* Cappuccino. Wir sitzen im Alt Wien in der Innenstadt, unmittelbar hinter unserem Tisch tanzen die Flammen eines Kaminfeuers über einen großen Bildschirm. Bei Sätzen wie diesem lodert es auch in Elena Wolff. Beinahe lauffeuerartig entzündet ein Gedanke den nächsten, dazwischen lacht sie* ihr* offenes Lachen.

„Wenn man einer Figur Würde verleihen möchte, lässt man sie den Witz machen. Wenn sie gedemütigt werden soll, macht man Witze über sie. Ich habe mir oft gewünscht, dass ich die Figur bin, die Humor produziert. Dass Frauen* auch Quelle von Humor sind und nicht immer nur die, an denen man sich humorvoll abarbeitet“, fügt sie* mit der für ihre* Ausdrucksweise typischen Klarheit hinzu. Nicht Posing, sondern klare Positionierung, lautet das Credo.

Ich wünsche mir, dass Frauen* auch Quelle von Humor sind.

Elena Wolff

Das gelingt Elena Wolff sowohl in ihrem* Kabarettprogramm „Apokalypse Frau*“, als auch in ihren* Theaterrollen, die sie* mit Bedacht auswählt. „Es gibt Dinge, die ich auf einer Bühne einfach nicht erzählen und darstellen möchte. Dazu gehören zum Beispiel Gedanken und Konzepte, die soziale Ungerechtigkeit perpetuieren“, fasst sie* ihren* Zugang zusammen. Schon nach ihrem* Abschluss an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz hat die* gebürtige Berlinerin* Projekte abgesagt, wenn sie* mit bestimmten Punkten nicht einverstanden war. Entscheidungen für oder gegen Projekte sind bei ihr* in der Regel Intuitionssache. „Ich schaue, ob meine Brust auf- oder zumacht“, so Wolff. Am Theater schätzt sie* unter anderem, dass es zu einem gewissen Grad die Möglichkeit eröffnet, die Kontrolle abzugeben. „Das hat etwas sehr Befreiendes und ist eine andere Art von Freiheit als jene, die ich empfinde, wenn ich Kabarett mache.“

Foto: Alex Gotter

Auf der Suche

Aktuell steht Elena Wolff im Stück „Klittern (aesopica)“ auf der Bühne der Münchner Kammerspiele. Lennart Boyd Schürmann führt Regie. Den Weg bis zur Uraufführung beschreibt die* Schauspielerin* als intensive Suche, bei der nicht das Ergebnis, sondern der Prozess im Vordergrund stand. „Jedes Mal, wenn ich mit Lennart arbeite, habe ich danach das Gefühl, an spielerischer Kompetenz dazugewonnen zu haben. Auch deshalb, weil man sich in größerem Ausmaß als gewohnt mit der Möglichkeit des Scheiterns auseinandersetzt.“

Ich hatte während des Studiums oft große Angst, mich bloßzustellen und zu blamieren. Durch das Kabarett hat sich diesbezüglich bei mir sehr viel geändert.

Elena Wolff

In gewisser Weise ist aber auch das Kabarett eine ständige Konfrontation mit dem Potenzial des Scheiterns, ergänzt Elena Wolff. Sie* nimmt einen Schluck von ihrem* Kaffee, während ihr* Blick über die mit Plakaten zugepflasterte Kaffeehauswand wandert. Zum Kabarett kam sie* zunächst über einige sehr erfolgreiche bestrittene Poetry Slams, etwas später dann über den PCCC* (Politically Correct Comedy Club). „Ich hatte während des Studiums oft große Angst, mich bloßzustellen und zu blamieren. Durch das Kabarett hat sich diesbezüglich bei mir sehr viel geändert. Ich bemerke, dass meine spielerischen Angebote viel größer, exaltierter und extrovertierter geworden sind“, bringt sie* die Wechselwirkungen von Kabarett und Theater auf den Punkt. Und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: „Kabarett bedeutet, dass man etwas anbietet, das im Idealfall angenommen wird. Das versuche ich nun auch auf das Theater umzulegen. Wenn das Angebot nicht angenommen wird, heißt das nicht, dass ich insgesamt gescheitert bin.“


Von Kitzbühel nach Wien

Wie Elena Wolff zur Schauspielerei gekommen ist, kann sie* selbst nicht mehr so ganz nachvollziehen. Schuld an dieser Unschärfe ist, wie sie* lachend hinzufügt, Kitzbühel, die Stadt, in der sie* aufgewachsen ist und in der es kaum Theater gab. Die Bühne hat sie* trotzdem immer gesucht – zunächst als Model. „Das war mein Ersatz. Man bekommt auch eine Art Kostüm, ist nicht ganz man selbst und bewegt sich in einer Abstraktion“, erinnert sie* sich. Bis zur ersten Schauspielstunde dauerte es dann zwar noch ein wenig, trotzdem war das „die erste Sache, bei der ich drangeblieben bin, obwohl es nicht sofort erfolgversprechend war“. Mit 14 ließ Elena Wolff Kitzbühel hinter sich und wechselte auf die Modeschule in Wien. „Eine der besten Entscheidungen meines Lebens“, stellt sie* rückblickend fest.

Mit 26 hat sich bei mir einfach ein kreativer Ehrgeiz eingestellt, der sich dadurch ausdrückte, dass ich selbst bestimmen wollte, was ich auf der Bühne erzähle.

Elena Wolff

Einige Jahre später zog sie* für ihre Schauspielausbildung nach Linz – in eine Stadt, in der, so Wolff, eine große Dringlichkeit spürbar ist, „weil sie noch nicht so übersättigt ist und vieles noch wächst“. Das Studium empfand sie*, entgegen aller Klischees, die man üblicherweise mit Schauspielschulen in Verbindung bringt, als ein Zurückkommen zu sich selbst. In der Schule, die „ein Faible für Menschen hat, die von anderen Schulen gar nicht erst genauer angeschaut werden, weil sie bestimmten Typen nicht entsprechen“, hatte sie* das Gefühl, viel mehr sie* selbst und viel dreidimensionaler zu werden.

„In meinem Selbstbewusstsein und Selbstverständnis wurde ich durch das Studium so sehr gefestigt, dass ich für den klassischen Theaterbetrieb nicht mehr brauchbar war“, erzählt die Schauspielerin*, Kabarettistin* und Filmemacherin* und schließt ihre Ausführungen mit einem Lachen ab.  Die Vorstellung, ein Fixengagement an einem Theater anzutreten, wich dem Wunsch, sich künstlerisch breiter aufzustellen. „Mit 26 hat sich bei mir einfach ein kreativer Ehrgeiz eingestellt, der sich dadurch ausdrückte, dass ich selbst bestimmen wollte, was ich auf der Bühne erzähle.“

Foto: Alex Gotter

Nie nach unten treten

Elena Wolffs Kabarettprogramme entstehen, ebenso wie ihre* Drehbücher, aus „random“ Energieschüben. „Typisch Zwilling“, fügt sie* lachend hinzu. Während des Schreibens möchte sie* mögliche Erwartungen seitens des Publikums so gut es geht ausblenden. „Am wichtigsten ist mir, dass ich es lustig finde, denn dann lacht wenigstens eine*r“, so Wolff. So klar, so gut. Würde sie* nur mit den Zuschauer*innen im Hinterkopf schreiben, hätte sie* Angst, dass ihre* kabarettistische Arbeit zu gefällig wird. „Mir ist bewusst, dass gewisse Dinge provokant sind, aber ich schreibe sie nicht, um provokant zu sein“, möchte Elena Wolff eines jener Missverständnisse ausräumen, die ihr immer wieder begegnen. Wenn es um Dinge oder Gefühle geht, die einfach hässlich sind, muss die Sprache das auch reflektieren, ist sie* überzeugt.

Weil der PCCC* für sie* eine Art Startrampe war, gibt es immer wieder Menschen, die mit dem Anspruch in ihr* Programm kommen, einen vollkommen korrekten Abend zu erleben. „So funktioniert mein Humor aber nicht“, stellt sie* ohne große Umschweife fest. Getreten wird allerdings immer nur nach oben oder seitwärts, niemals nach unten. „Ich schreibe in erster Linie so, dass das Geschriebene zu 100 Prozent meiner kreativen Vision entspricht“, sagt Elena Wolff. Nach einer kurzen Pause setzt sie* mit entschlossenem Blick nach: „Am Theater reichen mir 90 Prozent.“

PARA:DIES

Einige Tage nach unserem Interview geht es für Elena Wolff zur Diagonale, wo ihr* erster abendfüllender Spielfilm „PARA:DIES“ gezeigt wird. Premiere feierte der dokumentarisch geprägte Film beim Filmfestival Max Ophüls Preis. Julia Windischbauer, die den Film auch mitproduzierte, gewann prompt den Preis als bester Schauspielnachwuchs. Der vor und hinter der Kamera zu neunzig Prozent weiblich beziehungsweise nicht-binär und/oder queer besetzte Film erforscht Selbstverständnis und Identitätsfindung queerer Personen. Aber nicht nur, denn in erster Linie ist es ein Film, in dem es um Beziehungen geht – um Erwartungen, die erfüllt werden oder eben auch nicht. Um das lodernde Bildschirmkaminfeuer in einem. Aber auch um den Off-Knopf, der es zu beenden imstande ist.

Gerade steckt Elena Wolff mitten in der Planung und Konzeption ihres* zweiten Spielfilms mit dem Titel „Asche“. Hungrig nach Anerkennung und künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten streifen darin sieben junge Menschen durch die oberösterreichische Hauptstadt Linz. Die Realisierung des Filmprojekts kann via Crowdfunding unterstützt werden.

*Elenas bevorzugte Pronomen sind they/them, sie* ist okay, am besten und aus Ermangelung annehmbarer Alternativen aber auch immer willkommen: Eure Majestät.

Zur Person: Elena Wolff

Elena Wolff wurde in Berlin Kreuzberg geboren und wuchs in Kitzbühel auf. Mit 14 zog sie* nach Wien und besuchte die Modeschule. Danach studierte sie* Schauspiel an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. Sie* spielt Theater und ist Filmschauspielerin*. Außerdem ist sie* Kabarettistin*, schreibt Drehbücher und führt Regie. „PARA:DIES“ ist ihr erster abendfüllender Spielfilm.


Zu den Spielterminen von „Apokalypse Frau*“ im Kabarett Niedermair

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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