Zum Inhalt springen

Regisseur David Bösch inszeniert das gesellschaftskritische Drama als Auftakt seiner politischen Ibsen-Trilogie im Theater in der Josefstadt.

Regisseur David Bösch inszeniert das gesellschaftskritische Drama als Auftakt seiner politischen Ibsen-Trilogie im Theater in der Josefstadt.
Foto: Philine Hofmann

Ein Volksfeind von Henrik Ibsen

Theater in der Josefstadt
Ein Stück in einer Minute

Vom guten Freund zum Volksfeind: Wie schnell das gehen kann, wenn man sich nicht der Meinung der Masse anschließt, zeigt Ibsen in seinem Gesellschaftsdrama.


Inhalt

Der Badearzt Dr. Thomas Stockmann lässt die Wasserqualität des Kurbades überprüfen und stellt eine Verschmutzung durch krankheitsbringende Chemikalien fest. Stockmanns Bruder Peter ist Stadtvogt und will mit allen Mitteln verhindern, dass das gewinnbringende Bad geschlossen werden muss. Er überzeugt schließlich auch die Unterstützer*innen von Thomas davon, sich gegen ihn zu wenden. Als dieser die Untersuchungsergebnisse trotzdem veröffentlicht, wird er von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt als „Volksfeind“ deklariert.

Thomas Stockmann beschließt, mit seiner Familie nach Amerika zu gehen. Doch dann wird ihm seine Rehabilitation in Aussicht gestellt wird, wofür er seine Anschuldigungen allerdings zurücknehmen müsste. Er entscheidet sich gegen seine Auswanderungspläne, aber auch gegen eine Kapitulation. Er stellt sich weiterhin gegen den Willen der Masse und möchte eine Schule für „freidenkende“ junge Menschen aufmachen.

Oliver Rossknopf als Hovstad, Roman Schmelzer als Dr. Thomas Stockmann und Martina Ebm als Kathrin im Theater in der Josefstadt.
Foto: Philine Hofmann
Oliver Rossknopf als Hovstad, Roman Schmelzer als Dr. Thomas Stockmann und Martina Ebm als Kathrin im Theater in der Josefstadt.

Werkgeschichte

Ibsens gesellschaftskritisches Drama, bestehend aus fünf Akten, stammt aus dem Jahr 1882 und gilt als weiteres skandalträchtiges Stück aus seiner Feder. Die Leitmotive sind Freiheit und Wahrheit. Vor allem weist Ibsen auf die Tatsache hin, dass die öffentliche Meinung oftmals als Wahrheit angesehen wird, ob sie nun den Fakten entspricht oder nicht. Trotz der brisanten Thematik wurde das Stück gut aufgenommen und hatte großen Erfolg.

Aufführungsgeschichte

Die Uraufführung fand 1883 am Christiania Theater in Oslo statt. 1890 wurde das Stück erstmals im deutschsprachigen Raum, an der Freien Volksbühne Berlin, aufgeführt.

In den 50ern brachte Arthur Miller eine neue überarbeitete Fassung des Stücks heraus. 2019 führte das Salzburger Landestheater eine modernisierte Fassung von Amélie Niermeyer unter dem Titel Die Volksfeindin auf, die Hauptfigur Stockmann ist hier eine Frau. 2017 feierte Ibsens Werk im Burgtheater unter der Regie von Jette Steckel Premiere. Die Besonderheit: Das Bühnenbild prägten riesenhafte Zwerge.

Das Drama wurde auch mehrmals verfilmt, darunter eine Adaption von Arthur Millers Bearbeitung (Ein Feind des Volkes) und sogar einen indischen Film namens Ganashatru.

Prominente Interpret*innen

In Jette Steckels Inszenierung am Burgtheater spielte der bekannte Schauspieler und mittlerweile auch Buchautor Joachim Meyerhoff die Figur des Dr. Stockmann. Die weibliche Version der Hauptfigur in Die Volksfeindin spielte Juliane Köhler.

In Ein Feind des Volkes 1978 treten Filmstars wie Steve McQueen, Bibi Andersson oder Charles Durning auf.

Zu den Spielterminen von „Ein Volksfeind“ im Theater in der Josefstadt!

Redaktion
Autor
Mehr zum Thema
  • Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Glückliche Heimkehr
    Als Harras in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ erlebte Stefan Jürgens nach vielen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • 20 Jahre in 2 Stunden
    Alle einsteigen, bitte! Am 27. Juni blickt das Ensemble mit der Theaterrevue „Station...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Theater ohne Auffangnetz
    Stefan Zweigs Novelle „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ ist eine Geschichte über den...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Theater ist ein One-Taker
    Kristina Sprenger über Theater im Sommer, gesellschaftliche Verantwortung und die Unsterblichkeit...
    Von Atha Athanasiadis
  • Unter Tieren
    Selbst die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern: Die Welt geht vor die Hunde und der freie...
    Von Sarah Wetzlmayr
1 / 12