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„JETZT!“ erklärt: Das Professionalisierungsprogramm für Menschen mit körperlichen und kognitiven ­Behinderungen ist eine Kooperation von MUK und BURG. Das Programm wird jeweils für die Dauer einer Spielzeit angeboten und ist eine österreichweit einmalige Initiative. Die Abschlusspräsentation der ersten Spielzeit findet am 17. und 18. Mai im Vestibül statt.

„JETZT!“ erklärt: Das Professionalisierungsprogramm für Menschen mit körperlichen und kognitiven ­Behinderungen ist eine Kooperation von MUK und BURG. Das Programm wird jeweils  für die Dauer einer Spielzeit angeboten und ist eine österreichweit einmalige Initiative.  Die Abschlusspräsentation der ersten Spielzeit findet am 17. und 18. Mai im Vestibül statt.
Foto: Tommy Hetzel

Die Zukunft ist jetzt!

Burgtheater

Die Zukunft des Theaters muss inklusiv sein, ist Constance Cauers, ­Leiterin von „JETZT!“, überzeugt. Mit dem Programm für Menschen mit Behinderungen haben MUK und BURG nicht nur ein wichtiges Zeichen gesetzt, sondern auch einen großen Schritt in Richtung dieser Zukunft getan.

Constance Cauers scrollt durch den Bilderordner auf ihrem Smartphone. Eindrücke aus der Probenarbeit für die Abschlusspräsentation des ersten „JETZT!“-Jahrgangs erscheinen auf ihrem Bildschirm. „Es ist so schön, zu sehen, wie die Gruppe zusammengefunden hat“, sagt sie und legt das Smartphone beiseite. Wenn es um das Thema Inklusion geht, gebe es in den Theaterbetrieben noch immer Berührungsängste, so Cauers, die das inklusive Professionalisierungsprogramm „JETZT!“ von BURG und MUK leitet, das in gemeinsamer Initiative mit Chefdramaturg Thomas Jonigk diese Spielzeit gestartet ist. Zusammen möchten die beiden Institutionen Inklusion im Kulturbetrieb vorantreiben. „Denn die Zukunft des Theaters muss inklusiv sein“, fügt die Regisseurin und Theaterpädagogin hinzu. Die Entschlossenheit in ihrer Stimme lässt durchklingen, dass die Zukunft, von der sie spricht, bereits jetzt stattfinden sollte.

Menschen mit körperlichen und kognitiven Behinderungen werden im Rahmen des Programms auf Aufnahmeprüfungen an Schauspielschulen vorbereitet. „Darüber hinaus war es uns ein Anliegen, für alle Spieler*innen – die Talente arbeiten mit Studierenden der MUK zusammen – erlebbar zu machen, welche künstlerischen Chancen sich durch inklusive Ensembles ergeben“, erklärt Constance Cauers.

Gemeinsam lernen und arbeiten. Die Schauspieltalente im gemeinsamen Unterricht mit den ­Studierenden der MUK. Es sei schön, zu sehen, wie die Gruppe zusammengewachsen ist, sagt Leiterin Constance Cauers.
Foto: Tommy Hetzel
Gemeinsam lernen und arbeiten. Die Schauspieltalente im gemeinsamen Unterricht mit den ­Studierenden der MUK. Es sei schön, zu sehen, wie die Gruppe zusammengewachsen ist, sagt Leiterin Constance Cauers.

Zielstrebig und umsichtig

Felix Elias Hiebl ist eines der acht Schauspieltalente des ersten Jahrgangs. Im Gymnasium hat er bereits sieben Jahre lang Theater gespielt, ein Unfall nach der Matura ließ den Wunsch, etwas in diese Richtung zu machen, zunächst ziemlich weit in die Ferne rücken. Auf „JETZT!“ stieß er eher zufällig – und weil er Lust hatte, in einer wirklich inklusiven Gruppe an einem konkreten Theaterprojekt zu arbeiten. „Ich finde es schön, dass wir auf sehr natürliche Weise zusammengewachsen sind. Alle schauen darauf, dass jede und jeder bestmöglich mitgenommen wird. Dadurch ist in der gesamten Gruppe ein großes Vertrauen entstanden“, resümiert Hiebl, der sich mit den Texten, die er für die Abschlusspräsentation erarbeitet hat, für ein Studium an der MUK bewirbt. Das seien letztendlich auch genau jene Dinge, die ein Ensemble ausmachen, die im Theaterbetrieb aber häufig auf der Strecke bleiben, ergänzt Lukas Hagenauer, der im zweiten Jahrgang an der MUK Schauspiel studiert. „Ich nehme für mich außerdem mit, dass wir alle hier sind, weil wir ein bestimmtes Ziel verfolgen. Zielstrebig zu sein und dabei umsichtig und rücksichtsvoll zu agieren, sind zwei Dinge, die einander nicht ausschließen. Für uns als Jahrgang war es außerdem toll, dass plötzlich neue Menschen da waren, mit denen wir arbeiten konnten.“

Inklusion braucht Geld

Im Castingprozess hat Constance Cauers nach jenen Dingen gesucht, auf die sie auch sonst in Vorsprechen achtet, erzählt sie. „Hat die Person, die den Bühnenraum betritt, etwas, wo ich unbedingt dranbleiben möchte? Behauptet sich die Person im Raum und wie reagiert sie im Zusammenspiel? Bringt sie eine spielerische Fantasie mit?“

In der kommenden Spielzeit wird das Projekt von BURG und MUK weiterentwickelt. Als es darum geht, welche Erkenntnisse die erste Spielzeit zutage förderte, möchte Lukas Hagenauer dringend etwas loswerden: „Inklusion braucht Geld und Aufmerksamkeit.“ Constance Cauers nickt und fügt hinzu: „Der Kulturbetrieb muss inklusiver werden. Die Teilhabe von Personen mit Behinderungen ist ein Menschenrecht.“

Wir kommen noch einmal zum Ausgangspunkt unseres Gesprächs zurück – zur Frage, ob die Theater in Zukunft gemischte Ensembles beschäftigen werden. „Die Frage ist für mich eher, welche Bedingungen Künstler*innen mit Behinderung brauchen, um in ihrer Kunst nicht behindert zu werden. Und welche Grundvoraussetzungen es braucht, um Inklusion im Theater zu realisieren“, hält die Theatermacherin fest. Mit ihrem Programm widmen sich MUK und BURG genau diesen Fragestellungen. Denn: Die Zukunft ist „JETZT!“.

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
Autor
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