Zum Inhalt springen

In Lilja Rupprechts Inszenierung im Akademietheater spielt Dörte Lyssewski Petra von Kant und Nina Siewert Karin Thimm.

In Lilja Rupprechts Inszenierung im Akademietheater spielt Dörte Lyssewski Petra von Kant und Nina Siewert Karin Thimm.
Foto: Matthias Horn

„Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ – darum geht es

Burgtheater
Ein Stück in einer Minute

Nur ein Jahr nach seiner Uraufführung verfilmte Rainer Werner Fassbinder sein Stück „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“. Worum es in der um Liebe und Besitz kreisenden Geschichte noch geht? Wir haben Inhalt und Entstehung zusammengefasst.


Inhalt

Nachdem ihre zweite Ehe in die Brüche gegangen ist, gerät die erfolgreiche Modeschöpferin Petra von Kant in eine Lebenskrise, die sich gewaschen hat. In ihrem Atelier, das Wohnort und Arbeitsplatz zugleich ist, lebt sie mit ihrer Assistentin und Dienerin Marlene, die wortlos all ihre Befehle ausführt und sich von ihrer Chefin demütigen lässt. Aus ihrer ersten Ehe hat Petra eine Tochter, zu der sie jedoch nicht mehr so richtig Zugang zu finden scheint. Die gesamte Handlung spielt sich ausschließlich in ihrem Wohn-Atelier ab.

Durch eine Freundin lernt sie schließlich die gut zehn Jahre jüngere Karin Thimm kennen und verliebt sich in sie. Die anfängliche – und nur scheinbare – Harmonie zwischen den beiden Frauen währt jedoch nicht lange – Karin hat Affären und verlässt Petra schließlich für ihren australischen Ehemann, der überraschend wiederauftaucht. Als Petras Mutter an ihrem Geburtstag zu Besuch kommt, eskaliert die Situation und Petra beginnt zu verstehen, dass sie Karin nur besitzen wollte. Am Ende kann sich auch Karin von ihrer Chefin lösen und geht.

Dörte Lyssewski und Nina Siewert im Akademietheater.
Foto: Matthias Horn
Dörte Lyssewski und Nina Siewert im Akademietheater.

Entstehung

Rainer Werner Fassbinders Theaterstück wurde 1971 am Frankfurter TAT (Theater am Turm), das man auch als Uraufführungsort von Handkes „Publikumsbeschimpfung“ kennt, uraufgeführt. 1972 wurde es von Fassbinder selbst für die Leinwand adaptiert. Viele Interpretationen des Films mit Margit Carstensen (Petra), Hanna Schygulla (Karin) und Irm Hermann, erkennen in der Geschichte eine Selbstreflexion Rainer Werner Fassbinders und seiner eigenen manipulativen und machtmissbräuchlichen Beziehungen. Gleichzeitig gehe es auf einer allgemeineren Ebene aber auch um Vereinsamung und die Sehnsucht danach, geliebt zu werden, obwohl man es selbst verlernt hat.

Die vor allem als Film berühmt gewordene Geschichte rund um Petra von Kant fand immer wieder auf die Theaterbühne zurück. Martin Kušej inszenierte das Stück mit Bibiana Beglau in der Hauptrolle in den Münchner Kammerspielen, Valery Tscheplanowa spielte die Petra von Kant am Deutschen Theater Berlin und auch in Basel war das Stück unlängst zu sehen. Ab 5. September kommt Lilja Rupprechts Inszenierung im Akademietheater auf die Bühne.

Redaktion
Autor
Mehr zum Thema
  • 4 Fragen an Roman Senkl
    In „Solaris“ wird der Psychologe Kris Kelvin auf einen Planeten geschickt, der Lebewesen...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Glückliche Heimkehr
    Als Harras in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ erlebte Stefan Jürgens nach vielen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • 20 Jahre in 2 Stunden
    Alle einsteigen, bitte! Am 27. Juni blickt das Ensemble mit der Theaterrevue „Station...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Theater ohne Auffangnetz
    Stefan Zweigs Novelle „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ ist eine Geschichte über den...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Theater ist ein One-Taker
    Kristina Sprenger über Theater im Sommer, gesellschaftliche Verantwortung und die Unsterblichkeit...
    Von Atha Athanasiadis
1 / 12