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Von dieser Loge aus begleitet Paul ­Wallfisch das Stück „Die Politiker“ am Flügel. Auf der gegenüberliegenden Seite haut Dana Schechter in die Tasten.

Von dieser Loge aus begleitet Paul ­Wallfisch das Stück „Die Politiker“ 
am Flügel. Auf der gegenüberliegenden Seite haut Dana Schechter in die Tasten.
Foto: Lukas Gansterer

Der Ton macht das Theaterstück

Theatermusik

Als Musikalischer Leiter am Volkstheater hat Paul Wallfisch eine tonangebende Funktion. Diese möchte er nutzen, um die Grenzen zwischen Theater und Musik aufzulösen und das Volkstheater als Konzertlocation zu etablieren.

Als Musikalischer Leiter am rundum erneuerten Volkstheater hat Paul Wallfisch einen klaren Auftrag. „Kay ist es wichtig, dass es hier am Haus eine Person gibt, die das Theater zum Singen bringt“, erklärt er mit nur hin und wieder klar erkennbarem amerikanischen Akzent, der daher rührt, dass der in Basel geborene und in Massachusetts aufgewachsene Musiker im Alter von 18 Jahren nach New York übersiedelte. „Um Musik zu machen“, fügt Wallfisch hinzu, hätte es aber gar nicht aussprechen müssen. Die Leidenschaft, mit der er von seiner Arbeit er­zählt, macht jeden anderen möglichen Beweggrund unvorstellbar. 

Kay ist es wichtig, dass es hier am Haus eine Person gibt, die das Theater zum Singen bringt."

Paul Wallfisch

Paul Wallfisch hat sich seine Ziele jedoch sehr viel höhergesteckt. Er möchte das Volkstheater zum Beben bringen und damit Genregrenzen einreißen. Ein Stück, das laut und deutlich aufzeigt, wie er und sein langjähriger Wegbegleiter Kay Voges das angehen wollen, ist Wolfram Lotz’ Theatergedicht „Die Politiker“, das in einer Inszenierung des Direk­tors die aktuelle Spielzeit am Volkstheater eröffnete. „Es ist ein Theaterstück, ein Gedicht und ein Konzert“, erklärt Wallfisch, der gemeinsam mit der Musikerin Dana Schechter (Swans, American Music Club, Insect Ark) nicht nur für die Kompo­sitionen verantwortlich zeichnet, sondern die Inszenierung auch live am Flügel begleitet. Der Großteil der Musik entstand während der Proben, „um gemeinsam mit den Schauspieler:innen einen Rhythmus zu entwickeln“, so Wallfisch.

Das Volkstheater als Konzertlocation

Auch wenn seine spitz zulaufenden Chelsea Boots etwas anderes vermuten lassen, gehören auch Auf­gaben mit deutlich geringerem Rock-’n’-Roll-Faktor zum Arbeitsalltag des Musikalischen Leiters. „Ich habe die Übersicht über alle Dinge, die auf musikalischer Ebene hier im Haus passieren. Dazu gehören unter anderem auch die Einlassmusik für die Stücke, die Musik im Foyer oder das Läuten eines Telefons in einem Theaterstück“, erläutert Wallfisch schmunzelnd.

Darüber hinaus möchte er das Volkstheater als Konzertlocation für Musikprojekte von Underground (Bohren & der Club of Gore) bis Punkrock (Turbobier) etablieren und hat mit „Peter Cat’s Wide World of Sound“ eine eigene Musikreihe in der Roten Bar ins Leben gerufen, die in regelmäßigen Abständen Literatur, Musik und andere Kunstformen miteinander verbindet. „Ich wünsche mir, dass das Volkstheater ein Ort wird, an dem etwas los ist, an dem es nicht nur um Grillparzer geht“, sagt er mit weit ausholenden Handbewegungen und steht dabei passenderweise unter der Grillparzer-Büste, die sich unter dem Giebel des Theaters befindet. 

Wo noch auf der Bar getanzt wird. In der Roten Bar findet in regelmäßigen Abständen die von Paul Wallfisch kuratierte Musikreihe „Peter Cat’s Wide World of Sound“ statt, die Musik und Literatur zusammenbringt.
Foto: Lukas Gansterer
Wo noch auf der Bar getanzt wird. In der Roten Bar findet in regelmäßigen Abständen die von Paul Wallfisch kuratierte Musikreihe „Peter Cat’s Wide World of Sound“ statt, die Musik und Literatur zusammenbringt.

Immer auf der Suche

Eine ähnliche Musikreihe hatte Paul Wallfisch bereits in Dortmund, wo er fünf Jahre lang an der Seite von Kay Voges für alle musikalischen Belange des Hauses zuständig war. Die Zusammenarbeit hat sich eher zufällig ergeben. „Ich war mit meiner ehemaligen Band Botanica öfter in Deutschland unterwegs, einmal auch gemeinsam mit dem ­Musiker Markus Maria Jansen, in dessen Haus in Krefeld Kay Voges damals gewohnt hat. So haben wir uns vor ungefähr zwanzig Jahren kennengelernt“, erinnert sich der Musiker. Einige Jahre später trudelte ein E-Mail von Kay Voges bei Paul Wallfisch ein, das die Frage enthielt, ob er es sich vorstellen könne, Musikleiter am Theater Dortmund zu werden. „Für mich als Amerikaner ohne fixe Krankenversicherung ein durchaus reizvolles Angebot“, so Wallfisch. Und setzt lachend nach: „Aber Dortmund?“ Es folgten mehrere Besuche, viele Gespräche und schließlich auch die Unterzeichnung des Vertrags. 

„The Pipe"

Die erste Theaterproduktion, für die Wallfisch die Musik komponierte, liegt jedoch schon sehr viel länger zurück. „Tatsächlich war meine erste Theaterarbeit auch mein allererster bezahlter Job als Musiker“, erzählt der Multiinstrumentalist. „Das war am Théâtre du Rond-Point in Paris, für ein Stück, das auf mehreren kurzen Kafka-Erzählungen basierte. Meine Musikstücke waren für zwei Harfen komponiert, denn meine damalige Freundin war Harfenistin, und so konnte ich sie und ihre Lehrerin für dieses doch ziemlich große Stück engagieren. Es ist total gescheitert, aber es war trotzdem eine schöne Erfahrung.“

Wenn es darum geht, Kompositionen für Stücke zu entwickeln, ist Paul Wallfisch ständig auf der Suche nach neuen Klängen, Tönen und Samples. Aber auch nach neuen Musikinstrumenten, wie dem Synthesizer „The Pipe“, der auch in „Die Politiker“ zum Einsatz kommt. Je nach eingestelltem Algorithmus verzerrt und verfremdet er die eigene Stimme. Eines dringt jedoch bei allem, was Paul Wallfisch sagt und tut, glasklar durch: Dieser Mann pfeift auf Genregrenzen. Und lebt für die Musik. 

Zur Person: Paul Wallfisch

Als 18-jähriger Keyboarder begann Paul Wallfischs Musikkarriere. Seitdem lebte er in Europa und Amerika, gründete die Band Botanica, schrieb Filmmusik und arbeitete mit Bands wie Swans und der Musikerin Little Annie. Kay Voges holte ihn ans Theater Dortmund und dann ans Volkstheater. 

Zum Musikprogramm des Volkstheaters

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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