Zum Inhalt springen

Andrea Jonasson und Michael König in der Inszenierung im Theater an der Josefstadt.

Andrea Jonasson und Michael König in der Inszenierung im Theater an der Josefstadt.
Foto: Herwig Prammer/Theater in der Josefstadt.

Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt

Burgtheater
Theater in der Josefstadt
MusikTheater an der Wien
Volkstheater Wien
Ein Stück in einer Minute

Mit einem unmoralischen Angebot kommt eine Multimillionärin in eine heruntergekommene Kleinstadt. Ob man ihre Bedingung erfüllen wird? Eine Zusammenfassung.


Inhalt

In der Kleinstadt Güllen wartet man auf die Ankunft der Multimillionärin Claire Zachanassian. Sie wuchs einst hier auf, nach 45 Jahren und zahlreichen Ehen kehrt sie zurück. Heute ist die Stadt verarmt und heruntergekommen, man erhofft sich durch ihre finanzielle Hilfe eine Rehabilitierung. Tatsächlich bietet Claire den Bewohnern an, eine Milliarde zu stiften, wenn sie sich dafür "Gerechtigkeit" kaufen könne. Einst war der Kaufmann Ill ihr Liebhaber. Er ließ sie aber nicht nur mit einem Kind sitzen, sondern bestach im Rahmen eines Vaterschaftsprozesses auch Zeugen, die beschworen, ebenfalls ein Verhältnis mit "Kläri" gehabt zu haben.

Zuerst weigert man sich, Claires Bedingung anzunehmen, doch bald ist eine Veränderung in der Stadt zu bemerken. Die Bewohner beginnen auf größerem Fuß zu leben: Der Bürgermeister gibt den Bau eines neuen Stadthauses in Auftrag, der Pfarrer kauft eine neue Glocke, die Menschen lassen anschreiben. Selbst Ills Familie kauft einen teuren Pelzmantel und ein schnelles Auto. Als Claires Haustier, ein schwarzer Panther, entkommt, bewaffnen sich die Leute. lll will die Stadt verlassen, scheitert jedoch. Die Bürger bilden eine Gasse aus ihren Körpern und als sich diese schließt und wieder öffnet, ist Ill tot - und niemand weiß, wie es genau zuging. "Herzschlag" und "Tod aus Freude" sagen Arzt und Bürgermeister. Claire überreicht den Scheck.

Werkgeschichte

Friedrich Dürrenmatt hat in seinem Stück Elemente der Tragödie und der Komödie, der Groteske und der Satire vermischt. Zahlreiche Bezüge zur antiken Tragödie sind unübersehbar, auch bezeichnet er die Heldin im Text als eine "von antiker Größe". Zu dem Stück über die Korrumpierbarkeit der Gesellschaft durch Geld wurde er möglicherweise durch die Schweizer Seeland-Dörfer Ins und Kerzers inspiriert.

Aufführungsgeschichte

"Der Besuch der alten Dame" wurde am 29. Jänner 1956 in Zürich uraufgeführt. Für Friedrich Dürrenmatt war das Stück der Durchbruch zum Welterfolg. Es wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt und wird bis heute international gespielt. 1971 brachte Gottfried von Einem eine Oper heraus, die auf dem Stoff basiert und in Wien uraufgeführt wurde. 2013 kam eine Musical-Version des Stoffes, zu dem Christian Struppeck das Buch schrieb, in Thun zur Uraufführung. Dieses wurde ab 2014 in Wien gezeigt.

Prominente Namen

Verfilmungen gibt es unter anderem mit Ingrid Bergman und Anthony Quinn (1964), wobei für diese unter dem Titel „Der Besuch“ die Handlung verändert wurde. 1982 kam eine Filmversion mit Maria Schell sowie 2008 eine heimische Fassung mit Christiane Hörbiger und Michael Mendl heraus.  Auch Lars von Triers „Dogville“ hat Bezüge zu Dürrenmatts Stück.

Theresa Steininger
Autor
Mehr zum Thema
  • 4 Fragen an Roman Senkl
    In „Solaris“ wird der Psychologe Kris Kelvin auf einen Planeten geschickt, der Lebewesen...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Glückliche Heimkehr
    Als Harras in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ erlebte Stefan Jürgens nach vielen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • 20 Jahre in 2 Stunden
    Alle einsteigen, bitte! Am 27. Juni blickt das Ensemble mit der Theaterrevue „Station...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Theater ohne Auffangnetz
    Stefan Zweigs Novelle „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ ist eine Geschichte über den...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Theater ist ein One-Taker
    Kristina Sprenger über Theater im Sommer, gesellschaftliche Verantwortung und die Unsterblichkeit...
    Von Atha Athanasiadis
1 / 12