Zum Inhalt springen

Markus Meyer wurde 1971 in Cloppenburg geboren. Nach erfolgreichem Diplom im Studiengang Biochemie an der Technischen Universität Hannover entschloss sich Meyer, Schauspiel an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch zu studieren. Gleich nach seinem Abschluss im Jahr 2000 wurde er Mitglied des Berliner Ensembles. Seit 2004 ist Markus Meyer Ensemblemitglied der BURG.

Markus Meyer wurde 1971 in Cloppenburg geboren. Nach erfolgreichem Diplom im Studiengang Biochemie an der Technischen Universität Hannover entschloss sich Meyer, Schauspiel an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch zu studieren. Gleich nach seinem Abschluss im Jahr 2000 wurde er Mitglied des Berliner Ensembles. Seit 2004 ist Markus Meyer Ensemblemitglied der BURG.
Foto: Reinhard Werner

„Den letzten Monolog spreche ich jedes Mal anders“: Markus Meyer über Dorian Gray

Burgtheater

Am 19. Mai findet die 250. Vorstellung von „Dorian Gray“ im Akademietheater statt. Eigentlich sollte die Produktion nach zwölf Vorstellungen abgesetzt werden, erzählt Schauspieler und BURG-Ensemblemitglied Markus Meyer im Interview. Ob er immer noch aufgeregt ist? „Jedes Mal!“

BÜHNE: Wie fühlt es sich an, bald die 250. Vorstellung von „Dorian Gray“ zu spielen?

Markus Meyer: Es ist schon verrückt. 250-mal! Wer hätte das gedacht? Eigentlich sollte die Produktion nach zwölf Vorstellungen abgesetzt werden. Sie passte der damaligen Direktion nicht. Das Publikum hat sich jedoch gewehrt, an die Direktion geschrieben und somit die Absetzung verhindert. Daran erinnere ich mich bei jeder Vorstellung, wenn ich beim Verbeugen ins Publikum schaue.

Bist du immer noch aufgeregt?

Jedes Mal!

In einem Interview meintest du einmal, dass du immer etwas Neues im Text entdeckst. Was war das zuletzt?

Den letzte Monolog im Stück spreche ich jedesmal anders. Letztes Mal habe ich zu weinen begonnen …das war neu und überraschend für mich. Ich hab‘s zugelassen …

Worin liegt, deiner Meinung nach, die große Anziehungskraft dieser Figur?

Es geht ums Altern, es geht um Schönheit, es geht um Vergänglichkeit, um Eitelkeit und Hochmut – große Themen, die viele Menschen immer wieder beschäftigen, in der Jugend genauso wie im Alter.

„Eigentlich sollte die Produktion nach zwölf Vorstellungen abgesetzt werden. Sie passte der damaligen Direktion nicht.“

Markus Meyer, Schauspieler

Ist der Wunsch des Dorian Gray für dich nachvollziehbar oder ganz weit weg?

Er ist bedingt nachvollziehbar für mich. Die körperliche und geistige Agilität der Jugend immer behalten zu können – ja, das wünsche ich mir auch. Aber zu sehen, wie alle anderen um mich herum älter werden und sterben, während ich weiterhin jugendlich bleibe und für immer lebe … nein, das ist kein schöner Gedanke.

Was macht dir an dieser Inszenierung am meisten Spaß?

Ich freue mich bei jeder Vorstellung auf das Produktions-Team. Das Team hat natürlich im Laufe der Zeit gewechselt, aber viele begleiten mich schon über viele Jahre – somit sind wir sehr eng zusammengewachsen. Das Team gibt mir die nötige Ruhe und Vertrautheit für die Vorstellung. Das ist sehr schön!

Möchtest du noch etwas loswerden?

Bei jeder Vorstellung bekomme ich fast den gesamten den Text über einen In-Ear-Kopfhörer zugespielt. Da ich während der Vorstellung nicht auf die Videos schaue, hilft mir diese Zuspielung dabei, das Timing meines Spiels präzise mit den Videoaufnahmen abstimmen zu können. Die zugespielte Aufnahme wurde von der Souffleuse Gabriele Barth vor 15 Jahren, während unserer Probenzeit, eingesprochen. Gabriele hat mich in den ersten 100 Vorstellungen als Souffleuse und dann auch live begleitet und saß in der Vorstellung mit ihrem Textbuch in der ersten Reihe. Gabriele ist vor ein paar Jahren in Ruhestand gegangen und letztes Jahr gestorben – bei jeder Vorstellung begrüße ich sie gedanklich, sobald ich ihre Stimme über das In-Ear zugespielt bekomme: „Hallo Gabriele, auch wieder da! Wie schön, Dich zu hören! Dann wollen wir beiden mal wieder. Auf ein Neues ...“

„Dorian Gray“ im Akademietheater.
Foto: Reinhard Werner
„Dorian Gray“ im Akademietheater.
Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
Autor
Mehr zum Thema
  • 4 Fragen an Roman Senkl
    In „Solaris“ wird der Psychologe Kris Kelvin auf einen Planeten geschickt, der Lebewesen...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Glückliche Heimkehr
    Als Harras in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ erlebte Stefan Jürgens nach vielen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • 20 Jahre in 2 Stunden
    Alle einsteigen, bitte! Am 27. Juni blickt das Ensemble mit der Theaterrevue „Station...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Theater ohne Auffangnetz
    Stefan Zweigs Novelle „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ ist eine Geschichte über den...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Theater ist ein One-Taker
    Kristina Sprenger über Theater im Sommer, gesellschaftliche Verantwortung und die Unsterblichkeit...
    Von Atha Athanasiadis
1 / 12