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Caroline Peters und Stefanie Reinsperger glitzernd vor der Linse von Hilde van Mas. Das Cape von Stefanie Reinsperger stammt aus dem Fundus von ART for ART.

Caroline Peters und Stefanie Reinsperger glitzernd vor der Linse von Hilde van Mas. Das Cape von Stefanie Reinsperger stammt aus dem Fundus von ART for ART.
Foto: Hilde van Mas / Styling: Julia Philippitsch Haare/Make-up: Sophia Jane Riegler CAROLINE: KLEID VON ARRANGE; STEFANIE: HALSSCHMUCK UND CAPE VON ART FOR ART

Das Prinzip Hoffnung

Burgtheater

„Wir sind noch einmal davongekommen“ von Thornton Wilder ist in zweifacher Hinsicht ein abgründiges Stück. Es ist nicht nur ein rätselhafter Text, sondern handelt darüber hinaus von einer Familie, die immer wieder am Abgrund steht, nur um dem Tod in letzter Sekunde wieder von der Schaufel zu springen. BURG-Direktor Stefan Bachmann inszeniert das Stück mit großartiger Besetzung.

Auf der Probebühne des Burgtheaters herrscht Eiszeit. Natürlich nicht buchstäblich und auch nicht im übertragenen Sinn, sondern einfach deshalb, weil gerade der erste Akt von Thornton Wilders erfolgreichem Nachkriegsstück „Wir sind noch einmal davongekommen“ geprobt wird, der vom Leben einer Familie kurz vor Beginn der Eiszeit erzählt. Wobei auch von einem Vorstadthaus in New Jersey die Rede ist. Diese auf den ersten Blick etwas seltsame Gleichzeitigkeit ist jedoch nur eine von vielen Spezialitäten, die Wilders Stück so zu bieten hat.

Am Tag unseres Besuchs im Arsenal, wo die BURG ihre Probebühnen hat, liegen die Temperaturen jedenfalls deutlich über dem Nullpunkt. Es herrscht somit keinerlei Gefahr, dass die Hunde auf dem Bürgersteig kleben bleiben, wie es Sabina, das Dienstmädchen der Familie Antrobus, im Stück beschreibt.

Die graue Nebelsuppe, die sich diesen Winter bekanntlich von ihrer allerhartnäckigsten Seite präsentierte, hängt dennoch weiterhin unbeirrt über der Stadt. Fix ist: Hand in Hand mit ihrer großen Schwester, der Weltlage, hat es einem die Wiener Wetterlage in den vergangenen Monaten nicht gerade leicht gemacht, sich einer anderen Tätigkeit als dem fortwährenden Trübsalblasen hingeben zu wollen. Der ohnehin meist ziemlich besonnen wirkende BURG-Direktor Stefan Bachmann hat jedoch einen etwas anderen Weg eingeschlagen und sich stattdessen dazu entschieden, den Staub von Thornton Wilders Stück zu pusten und es am Burgtheater zu inszenieren. Die Chancen stehen gut, dass sich dadurch auch der durch übermäßigen Konsum schlechter Nachrichten entstandene Gehirnnebel etwas lichtet. Die tatsächliche graue Suppe dürfte am 20. März, dem Tag der Premiere, glücklicherweise eh schon ausgelöffelt sein.

Stefanie Reinsperger spielt Lily-Sabina Fairweather.
Foto: Hilde van Mas / STYLING: STEFANIE: BLUSENKLEID ORANGE VON JANA WIELAND, CAPE SILBER VON ART FOR ART, BALLERINA VON ALAÏA, KREOLEN STYLIST OWN
Stefanie Reinsperger spielt Lily-Sabina Fairweather.

ALLES, AUSSER SHAKESPEARE

Um zu verstehen, wie das alles gemeint ist, lohnt sich ein kurzer Blick in Wilders 1942 uraufgeführtes Stück: Die vierköpfige Familie Antrobus und ihre Angestellte Sabina überleben sowohl die Eiszeit als auch die Sintflut und einen großen Krieg. Es gelingt ihnen allerdings immer nur um Haaresbreite, sich von einem Akt in den nächsten zu retten. Jedes Mal bewahren sie ihr Erfindergeist und ihr Sinn für Gemeinschaft vor dem eigentlich sicher scheinenden Ende. In Wien würde man sagen: „Es ist sich grad noch ausgegangen.“

Stefan Bachmann hat das Stück schon seit 1985 auf dem Schirm. „An dem Schweizer Gymnasium, an dem ich maturiert habe, habe ich damals bei einer Schulaufführung mitgewirkt.“ In der Vergangenheit hätte er den Text zwar immer wieder aus dem Regal gezogen, aber irgendwie passte es nie so richtig, wie er hinzufügt. „Ich glaube, dass wir gerade in einer Zeit stecken, in der sich viele Menschen immer wieder die Frage stellen, wie wir mit all diesen dystopischen Gedanken umgehen können. Ich finde, dass das Stück ein schönes Angebot macht, sich einen Funken Hoffnung zu bewahren.“

Caroline Peters übernimmt die Rolle der Mrs. Antrobus.
Foto: Hilde van Mas / STYLING: CAROLINE: PAILETTENKLEID VON ALEXANDRE VAUTHIER, STIEFEL VON ART FOR ART;
Caroline Peters übernimmt die Rolle der Mrs. Antrobus.

Es ist unter anderem der Gemeinschaftssinn der einzelnen Protagonist*innen, der dafür sorgt, dass es sich immer irgendwie ausgeht. Dieser bezieht sich, wie Stefan Bachmann erklärt, jedoch nicht nur auf die Kernfamilie als solche. „Wenn man das Stück nur oberflächlich liest, kann leicht das Gefühl entstehen, dass der Text unter anderem auf einer Verklärung der amerikanischen Kleinfamilie basiert. Die Familie Antrobus ist jedoch vielmehr als Allegorie zu verstehen – sie besteht aus Archetypen und steht letztendlich für die gesamte Menschheit. Darüber hinaus ist ein wichtiger Aspekt des Stücks, dass wir Menschen das Böse als Teil von uns akzeptieren müssen. Jede und jeder von uns trägt gute und böse Seiten in sich.“

Außerdem gebe es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Überleben der Familie und der Kultur, wie Bachmann betont. Der Burgtheater-Direktor und Regisseur erklärt es folgendermaßen: „Die Erkenntnis, welch große Utopien die Menschheit bereits zu formulieren imstande war, spielt eine große Rolle im Stück. Deswegen ist es Mr. Antrobus auch so wichtig, seine Bibliothek zu retten – egal, wie schlecht es gerade um die Welt steht. Das ist auch ein zentraler Aspekt in meiner Inszenierung. Was nehmen wir mit, wenn wir uns wirklich auf das Notwendigste beschränken müssen? Für Mr. Antrobus ist es die große Literatur. Es gibt im Stück diese spannende Szene im ersten Akt, in der die Familie vor der Frage steht, wie sie das Feuer am Lodern halten können, um nicht zu erfrieren. Und Antrobus erklärt, dass ruhig alles verbrannt werden könne – bis auf Shakespeare.“

Wir sprechen auch über die etwas aus der Zeit gefallenen Rollenbilder innerhalb der von Thornton Wilder erdachten Familie: Mr. Antrobus, dessen Pioniergeist gefeiert wird, während seine Frau die Sorgearbeit übernimmt und die Familie zusammenhält. „Während der Proben merken wir gerade, dass das Stück noch aktueller, näher und zeitloser wird, wenn man diese Stereotypen nicht bedient, sondern sie als etwas begreift, das den Figuren von außen aufoktroyiert wird, in dem sie sich aber nicht wirklich wohlfühlen.“

Stefanie REINSPERGER wurde 1988 in Baden bei Wien geboren und studierte bis 2011 am Max Reinhardt Seminar. Nach dem Studium wurde sie direkt ans Schauspielhaus Düsseldorf engagiert, danach arbeitete sie fest am Burgtheater, am Volkstheater Wien und am Berliner Ensemble. Seit der Spielzeit 2024/25 gehört sie wieder zum BURG-Ensemble.
Foto: Hilde van Mas
Stefanie REINSPERGER wurde 1988 in Baden bei Wien geboren und studierte bis 2011 am Max Reinhardt Seminar. Nach dem Studium wurde sie direkt ans Schauspielhaus Düsseldorf engagiert, danach arbeitete sie fest am Burgtheater, am Volkstheater Wien und am Berliner Ensemble. Seit der Spielzeit 2024/25 gehört sie wieder zum BURG-Ensemble.

THEATER ALS ÜBERLEBENSTRAINING

„Wir sind noch einmal davongekommen“ ist außerdem ein Stück, das sich selbst klar als Theaterstück deklariert. Immer wieder kommentiert Sabina das Geschehen und die Bühnenillusion zerbröckelt. „Wenn Sie mich fragen, ich verstehe sowieso kein einziges Wort davon – lauter Schwierigkeiten, die die Menschheit bewältigen musste, aber vielleicht ist das ja ihr Thema.

Außerdem hat sich der Autor albernerweise nicht entschieden, ob wir noch in Höhlen leben oder heute in New Jersey“, so Dienstmädchen, Schönheitskönigin und Verführerin Sabina in einer Szene im ersten Akt. Die Momente, in denen sie androht, die Inszenierung zum Kippen zu bringen, verdeutlichen, dass das Theater – genauso wie die Menschheit – ständig vom Scheitern bedroht ist, wie Stefan Bachmann anmerkt. „Auch auf der Ebene des Theaters spielen sich ständig Krisen ab, die die gesamte Unternehmung gefährden könnten.“ Lachend setzt er nach: „Eigentlich ist auch Theatermachen ein ganz gutes Survival-Training.“ In seinem Fall sei das zu Beginn seiner Karriere vielleicht sogar noch zutreffender gewesen, fügt er hinzu.

„Damals war ich schon etwas mehr auf Trouble aus, als ich das heute bin. Mehr mit dem Kopf durch die Wand. Heute bin ich besonnener. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich das Publikum nicht mehr fordern möchte.“ Auch in dem Umstand, dass die Familie Antrobus immer wieder zu einer Art von Nullpunkt kommen muss, um wieder neu anfangen zu können, liegt eine Verbindung zum Theater. Schließlich steckt in jeder Theaterproduktion stets das Gefühl eines Neuanfangs. „Es ist immer ein großes Abenteuer, ein Sprung ins Ungewisse“, bestätigt Stefan Bachmann diese Annahme.

Caroline PETERS wurde bereits während
ihres letzten Studienjahres von Andrea
Breth an die Berliner
Schaubühne engagiert.
Es folgten Engagements an zahlreichen deutschsprachigen
Bühnen. Mit der Spiel-
zeit 2024/25 ist Caroline Peters erneut
festes Ensemblemitglied an der BURG. Sie
ist darüber hinaus aus
zahlreichen Film- und
Fernsehproduktionen bekannt.
Foto: Hilde van Mas
Caroline PETERS wurde bereits während ihres letzten Studienjahres von Andrea Breth an die Berliner Schaubühne engagiert. Es folgten Engagements an zahlreichen deutschsprachigen Bühnen. Mit der Spiel- zeit 2024/25 ist Caroline Peters erneut festes Ensemblemitglied an der BURG. Sie ist darüber hinaus aus zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen bekannt.

Eigentlich ist auch das Theatermachen ein ganz gutes Survival-Training.

– Stefan Bachmann, Regisseur & BURG-Direktor

Wir landen bei der Frage, was das für unsere Gegenwart bedeuten könnte. Braucht es einen Nullpunkt? Eine Form von Reset? Vielleicht sogar etwas wie eine Stunde null? Wobei damit in der Regel die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 gemeint ist. „Ich möchte uns das nicht wünschen“, hält Bachmann fest. „Aber als Sohn einer Mutter, die den Krieg noch miterlebt hat, weiß ich noch genau, dass ich fast irritiert darüber war, dass sie anlässlich ihres sechzigsten Geburtstags meinte, dass die Nachkriegszeit für sie eine sehr intensive und auch glückliche Zeit gewesen sei. Und zwar deshalb, weil sie nichts hatten und deshalb alles neu erfinden mussten. Als Kind der Sechzigerjahre kenne ich dieses Gefühl nicht – ich hatte immer alles. Ich wünsche uns natürlich keinen Krieg und auch keine Armut, aber es scheint gerade unter jenen Menschen, die im Überfluss leben, momentan eine große Angst davor zu geben, etwas von dem, was sie haben, zu verlieren. Vielleicht müsste diese Angst aber gar nicht so groß sein.“

Auch das Theater ist eine Form von Arche, in der wir Wissen, Werte, Kreativität und Kunst transportieren können.

– Stefan Bachmann, Regisseur & BURG-Direktor

Was hilft ihm eigentlich dabei, den Kopf nicht hängen zu lassen? „Unter anderem der Gedanke, dass auch das Theater in gewisser Weise eine Arche ist, in der wir Wissen, Werte, Kreativität und Kunst transportieren können“, hält er nach einer kurzen Pause fest. Er spinnt den Gedanken weiter und landet schließlich bei der Erkenntnis, dass die BURG für ihn auch deshalb eine Arche ist, weil es kaum ein anderes Theater gibt, das so viele unterschiedliche Künstler*innen verschiedenster Generationen unter einem Dach versammelt. „Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich diesen Text jetzt erst mache. Weil ich ihn jetzt erst so besetzen kann. Das Burg- theater ist ein Haus, an dem man wirklich über das Leben erzählen kann.“

DIE SUCHE BEGINNT

Es gibt definitiv auch kein anderes Ensemble, mit dem man lieber multiple Weltuntergangsszenarien durchleben würde, als jenes von „Wir sind noch einmal davongekommen“. Passend zur eingangs erwähnten Eiszeit könnte man auch sagen: eine Besetzung zum Dahinschmelzen. Wobei es sich bei den beteiligten Spieler*innen eher um Künstler*innen handelt, die die Fantasie der Zuschauer*innen befeuern möchten, anstatt sie zum Schmelzen zu bringen: Mr. Antrobus wird von Nicholas Ofczarek gespielt, seine Frau von Caroline Peters und die Rollen der beiden Kinder übernehmen Mehmet Ateşçi und Zeynep Buyraç. Stefanie Reinsperger durchbricht als Sabina immer wieder die vierte Wand. Nils Strunk übernimmt unter anderem die Rolle des Ansagers, Barbara Petritsch, Martin Reinke, Hans Dieter Knebel, Branko Samarovski und Elisabeth Augustin komplettieren das Ensemble.

DER REGISSEUR Stefan Bachmann ist gebürtiger Schweizer und leitete von 2013 bis 2024 das Schauspiel Köln. Seine Regiearbeiten führten ihn an alle großen Häuser im deutschsprachigen Raum. Seit Beginn der Spielzeit 2024/25 ist er Direktor des Wiener Burgtheaters.
Foto: Marcel Urlaub
DER REGISSEUR Stefan Bachmann ist gebürtiger Schweizer und leitete von 2013 bis 2024 das Schauspiel Köln. Seine Regiearbeiten führten ihn an alle großen Häuser im deutschsprachigen Raum. Seit Beginn der Spielzeit 2024/25 ist er Direktor des Wiener Burgtheaters.

Nach der Probe treffen wir Stefanie Reinsperger zum Gespräch. Auch bei Stücken, in denen das nicht explizit gefordert ist, freut sie sich über direkten Kontakt zum Publikum. „Ich liebe es, die Leute zu spüren und auf ihre Reaktionen eingehen zu können. Weil es das Spiel beflügelt und das Theater noch lebendiger macht. Das ist ja auch einer der größten Unterschiede zum Film“, so die Schauspielerin, die sich, wie sie schon öfter betonte, auf der Bühne wohler und freier fühlt als im sogenannten echten Leben. Einen doppelten Boden braucht sie nicht, um sich fallen lassen zu können. Und ein Auffangnetz? Das muss es zwar geben, allerdings darf es ruhig aus sehr groben Maschen bestehen. Alles andere als grobmaschig: ihr intensives und nuanciertes Spiel, das auch in lauten Momenten von Verletzlichkeit geprägt ist. Fast schon geprägt sein muss, weil es auf dem unbedingten Wunsch nach „Echtzeitabnützung“ basiert.

„Wir sind noch einmal davongekommen“ sei ein Stück, in dem sich die Konstellation der Figuren in jedem Akt ein wenig verschiebt, hält sie fest. „Im ersten Akt fragt sich Sabina immer wieder, ob das alles tatsächlich noch Sinn ergibt. Wozu eigentlich weitermachen, bei all den schlimmen Dingen, die passieren? Das ist etwas, womit ich mich in der aktuellen Zeit gut verbinden kann. Im zweiten Akt sehnt sie sich nach einer Form von Selbstverwirklichung. Gerade sind wir in den Proben noch am Anfang des Texts, aber ich denke, dass ich anders auf die Sabina des ersten Akts blicken werde, wenn ich mich intensiver mit jener aus dem zweiten und dritten Akt beschäftigt habe. Die Suche geht gerade erst los.“

Ich liebe es, die Leute zu spüren und auf ihre Reaktionen eingehen zu können. Dadurch wird das Theater noch lebendiger.

– Stefanie Reinsperger, Schauspielerin

DIE BURG ALS ARCHE

Bei der Frage, was die Familie Antrobus immer wieder vor dem Abgrund bewahrt, drängen sich Stefanie Reinsperger Fragen zu unserer gegenwärtigen Weltlage auf: „Ich denke mir manchmal, ob es nicht am besten wäre, kurz den Stecker zu ziehen und alles auf Null zu setzen. Aber geht das überhaupt? Was ist es denn eigentlich, das uns trägt und zusammenhält? Das sind wir, das ist Nächstenliebe.“ Außerdem sei genügend Potenzial dafür da, um Dinge anders zu machen, setzt sie nach. „Der Mensch ist ja grundsätzlich eine sehr intelligente Spezies. Gerade frage ich mich aber, wofür wir diese Intelligenz eigentlich einsetzen. Um etwas wirklich neu aufzusetzen und Altes komplett loszulassen, braucht es definitiv sehr viel Mut.“

Wenn sie an das Ensemble denkt, mit dem sie sich all diesen Fragen – und vielen weiteren – in den kommenden Wochen widmen wird, strahlt Stefanie Reinsperger. „Das ist ein Pool an ganz, ganz fantastischen Spieler*innen, von denen ich mit vielen noch gar nicht gearbeitet habe. Wir suchen gemeinsam und fordern uns gegenseitig heraus. Es sind auch sehr viele unterschiedliche Generationen, was man auch nicht an vielen Häusern hat. Das berührt mich sehr. Und das Tolle am Theater ist ja auch, dass man im besten Fall bis ins hohe Alter weiterspielen kann.“

Damit sind wir wieder beim Bild des Burgtheaters als Arche. Ein Theater, das wie die Familie Antrobus jedes noch so einschneidende Ereignis überstanden hat – und weiterhin überstehen wird. Dazu passt auch, dass der englische Originaltitel des Stücks von Thornton Wilder „The Skin of Our Teeth“ lautet, was man lose mit „Zahnschmelz“ übersetzen könnte. Dieser ist wiederum die härteste und damit auch die widerstandsfähigste Substanz im menschlichen Körper. Und eines ist sicher: Auch dem Theater wohnt eine große Widerstandskraft inne.

Und wenn die Realpolitik der Kunst mal wieder die Show stiehlt? Stefan Bachmann überlegt einen Moment und antwortet: „Man darf sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen und man darf vor allem die Lust nicht verlieren. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit der Kunst eine große utopische Kraft haben.“ Das Ende des Stücks ist außerdem noch nicht geschrieben, wie es am Schluss des Texts heißt.

Hier geht es zu den Spielterminen von „Wir sind noch einmal davongekommen“ im Burgtheater!

Universitätsring 2
1010 Wien
Österreich
Foto beigestellt

Erschienen in
Bühne 03/2026

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Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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