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Zur Person: Christoph Wagner-Trenkwitz ist Dramaturg, Musikwissenschafter, Buchautor und legendärer Opernball-Kommentator. Er war Intendant in Haag und ist seit 2009 Chefdramaturg an der Volksoper in Wien. Für die Bühne schreibt er monatlich eine Kolumne.

Zur Person: Christoph Wagner-Trenkwitz ist Dramaturg, Musikwissenschafter, Buchautor und legendärer Opernball-Kommentator. Er war Intendant in Haag und ist seit 2009 Chefdramaturg an der Volksoper in Wien. Für die Bühne schreibt er monatlich eine Kolumne.
Foto: Peter Strobl

Christoph Wagner-Trenkwitz: Wien lernt Deutsch

Kolumne

Christoph Wagner-Trenkwitz sinniert über Kreaturen und Persönchen.


Spiel: Schimpftiraden von einst

Die drei gewichtigsten Schimpfworte, die Alt-Wien zur Verfügung hatte, waren laut dem klugen Sprachprofessor Oswald Panagl „Subjekt“, „Individuum“ und „Kreatur“. Sie dienten dem zornigen braven Christen als das, was ihm im Andachtsmodus „Glaube, Liebe, Hoffnung“ bedeuteten. Sie entfalten geradezu verheerende Wirkung, begleitet von abschätzigen Adjektiven („verkommenes Subjekt“, „infame Kreatur“), aber auch ohne: „Sie Individuum!“ Wenn man am Charakter des anderen zweifelte, raunte man: „Der ist mir net suspekt.“ Die schmucklose Bezeichnung als „ein Charakter“ hingegen schließt gütiges Verzeihen für allfällige Absonderlichkeiten ein.


Satz: Nicht durchdrehen!

Haben Sie meinen Fehler bemerkt? Ich hätte „brave Christ:innen“ und „des/der anderen“ schreiben müssen. Das ist zwar ziemlich kompliziert und damit unattraktiv, aber: Wir sind nunmehr allesamt das, was einstmals auch als Beschimpfung galt: „Personen“. Amerika, du hast es besser bzw. früher. Schon 1970 tönte es in Stephen Sondheims Erfolgsmusical „Company“: „You could drive a person crazy.“ Das sangen drei Frauen, die sich von dem heiratsscheuen Schwerenöter Bobby ausgenützt fühlten. Mag es anfangs auch lästig oder gar schmerzhaft sein, die Sprache aufzuräumen – wir müssen ja nicht gleich durchdrehen wie das Damenterzett in „Company“.

Sieg: „... privat kenn ich mich aus“

Es geht: Abschied zu nehmen von „impertinenten Personen“ (so wurden aufmüpfige Dienstmädchen heruntergeputzt), von „patenten“ oder gar „appetitlichen Persönchen“. Wir haben die „Politesse“ aus dem Sprachgebrauch entfernt, und die Entscheidung zwischen den Anreden „Mann“, „Frau“ oder „Fräulein“ ist ebenfalls auf Nimmerwiederlesen verschwunden.

Geben wir nur acht, dass wir nicht vor lauter Vorsicht, wie wir uns selbst und andere Personen bezeichnen wollen/ müssen/dürfen, vereinzeln. Dann sind wir dort, wo uns Otto Grünmandl schon vor Jahrzehnten hingeblödelt hat: „Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn ich mich aus.“

Redaktion
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